Was die Großeltern noch konnten

Unsere neue Serie zum Brauchtum vergangener Generationen - Heute: Kracherl machen!

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Beim Bauern Milch holen, Socken stopfen, ein Feld mit der Hand pflügen – Oma und Opa wussten sich noch selbst zu helfen! ,,Was die Großeltern noch konnten“, so heißt unsere neue Serie, rund um die Handwerkskünste, Bräuche und Gepflogenheiten der Generation der Großeltern. In der heutigen Ausgabe erzählen Josefine Heidorn und Johanna Poertzler von der Limonadenfabrik Scharlach, in dem über drei Generationen in Wasserburg die Limo noch nach eigenem Rezept gemischt und später im eigenen Getränkemarkt verkauft wurde …

„Getränke Scharlach“ – damit verbinden viele Wasserburger Kindheitserinnerungen: Zuckerlimonade, kistenweise ausgeliefert im knallbunten „Sinalco“-Bus, nach hauseigener Rezeptur gemischt – das ließ so manches Kinderherz höher schlagen.

 

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Lorenz und Maria Scharlach (Foto oben), die nach ihrer Hochzeit in Landshut nach Wasserburg kamen, gründeten das Familienunternehmen 1930 in der Schustergasse. Heute befindet sich in diesem Gebäude die „Trachtenmode Kollmann“.

(Bild unten: Maria Scharlach 1942)

 

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1947 zog die Familie in ein ehemaliges Bauernhaus an der Rosenheimer Straße (Foto unten: Johanna Scharlach mit Maria Mayer vor dem neuen Getränkemarkt). Das Gebäude wurde so umgebaut, dass die Lastzüge das Limogeschäft erreichen konnten. Das Haus steht noch heute, Ende 2008 wurde es an die Diakonie verkauft.

 

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Johanna und Josef Scharlach, die das Limogeschäft bereits in der zweiten Generation betrieben, lieferten die hausgemachte Limonade kistenweise an den Altlandkreis und darüber hinaus. (Bild unten: Der Fuhrpark 1943)

 

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„Unsere Mutter stand meistens an der Limomaschine“, erinnert sich Johanna Poertzler (Foto rechts mit Cousin Fritz). Sie übernahm gemeinsam mit ihrem Mann Wolf die Firma ihrer Eltern in der dritten Generation 1973. „Beim Hutterer haben wir säckeweise Zucker geholt. Den haben wir flüssig gerührt. Der Sirup kam von einer Firma für Nahrungsmittel und Gaststätten aus München, die für Sinalco aus Detmold produzierten.“ Zu Sirup und Zucker wurde kohlensäurehaltiges Wasser gerührt.

 

 

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Weiße Zuckerlimonade und Limo mit Orangen-, Himbeer, Schokoladen- und Waldmeistergeschmack wurde ausgeliefert – teilweise sieben bis zehn Kisten für einen Bauernhof. „Wasser haben wir so gut wie gar nicht verkauft, dafür waren die Himbeerkracherl umso beliebter“, erinnert sich Josefine Heidorn, die zweite der drei „Scharlach-Töchter“.

 

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„Die Flaschen sind in einem Gerät ähnlich einer Waschtrommel gereinigt und anfangs noch per Hand etikettiert worden. Später wurde die Limonade in Flaschen eingefüllt, auf die schon unser Logo geprägt worden war.“ Um die Qualität zu wahren, wurde jede einzelne Flasche nach dem Abfüllvorgang kontrolliert. (Bild oben: Maria Scharlach, die jüngste Schwester, 1962)

 

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In der letzten Generation wurde das Original-Limonadenrezept an die Firma Auerbräu abgegeben, welche die Flaschen von da an befüllte. Die Konkurrenz durch größere Abholmärkte im Altlandkreis war für den kleinen Familienbetrieb zu groß geworden. Den Lieferservice übernahm schließlich die Brauerei Forsting. Wenige Jahre nach der 2000-Wende wurde der Betrieb letztendlich komplett eingestellt und die Räumlichkeiten, in denen Limonade über drei Generationen hinweg nach hauseigenem Rezept zubereitet wurde, an die Diakonie verkauft. Die Erinnerung an den Geschmack der Himbeerlimo wird jedoch so manchen Wasserburger noch lange begleiten. HF

Unser Titelbild von 1964: Maria „Gitti“ Scharlach, die jüngste der drei „Scharlach-Töchter“, die bis zuletzt bei ihren Freunden und den Kollegen im Rathaus der Stadt Wasserburg als „Kracherl-Mare“ bekannt war. 

 

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2 Gedanken zu „Was die Großeltern noch konnten

  1. Mir gefällt die Idee und ich freue mich auf weitere Artikel. Eine Großmutter 😉

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  2. Auf diese Serie freue ich mich sehr. Ich habe in Wasserburg meine Lehre gemacht und da kommen wieder viele alte Erinnerungen hoch.
    Margit

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