„Vom Wunder zur Tradition“

14. Wasserburger Theatertage gestern eröffnet - Brillanter Start mit Bertolt Brecht

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Sie sind eröffnet – die 14. Wasserburger Theatertage. Macher, Organisatoren, Künstler, Darsteller und Regisseure aus zehn professionellen Privattheatern des Freistaates werden sich die nächsten Tage am Theater Wasserburg die Klinke in die Hand geben (wir berichteten). Wie alle Jahre sorgte bei der Eröffnung Burgschauspieler Udo Samel für den ersten Höhepunkt des großen Theatertreffens. Zusammen mit dem Pianisten Daniel Fueter brachte er gestern Balladen und Legenden von Bertolt Brecht zu Gehör. Ein wunderbarer Abend voller Poesie und lyrischem Pessimismus entspann sich. Einer, der lange in Erinnerung bleiben wird.

„Der Lachende hat die furchtbare Nachricht nur noch nicht erhalten“ oder: „Wenn ich liebe, wenn ich fühle, ist es eben auch Verschleiß.“ Bertolt Brecht ist ein Meister des realen Pessimismus. Wenn Burgschaupieler Ude Samel dessen Texte vorträgt, ob gesprochen oder eindringlich gesungen, steckt plötzlich ein bisschen Hoffnung in all der Dunkelheit. Auch pessimistische Texte können richtig Mut machen – das zeigte der Abend am Theater Wasserburg gestern mit gewaltiger Wucht.

Was Samel und sein kongenialer Begleiter Daniel Fueter gestern auf die Bühne zauberten, war einfach nur ganz wunderbar. Brechtvertonungen von Paul Dessau, Hanns Eisler, Alan Marks, Kurt Weill und anderen standen dabei im Mittelpunkt.

Neben den Balladen waren auch die Texte „Über die Bezeichnung Emigranten“, „Bericht des Schiffbrüchigen“, der „Kinderkreuzzug“ oder die „Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration“ Teil des Programms. Und in jeder Sekunde merkte man den beiden erhabenen Herren auf der Bühne an: Die Beschäftigung mit Brecht ist für Samel und Fueter eine Herzensangelegenheit.

Für langanhaltenden Applaus und Bravo-Rufe gab’s von den beiden Künstlern eine Zugabe. Und so lernte man ganz zum Schluss, dass auch die Kellerassel im Schlamassel stecken kann und Brecht auch Tiergedichte konnte.

Etwas profaner, aber nicht minder anrührend war es zu Beginn des Eröffnungsabends losgegangen, als der künstlerische Leiter des Theaters Wasserburg, Uwe Bertram, kurz die Geschichte der Theatertage Revue passieren ließ.

„Was als ein Wunder begann, ist jetzt schon Tradition“, freute er sich gerührt und dankte den vielen Unterstützern des Theaters, allen voran Pit Dörr, dem Landkreis und der Stadt Wasserburg.

Offiziell eröffnet wurden die 14. Wasserburger Theatertage von der stellvertretenden Landrätin Andrea Rosner, die sich bei Bertram für dessen Verdienste um das Theater bedankte, „ein Theater, um das die Stadt und der Landkreis von vielen Großstädten beneidet wird.“

Rosner wünschte allen Besuchern und Mitwirkenden: „Tolle Tage in Wasserburg!“

Das Programm der Theatertage im Überblick:

Fr, 27.04. – Theaterwerkstatt Augsburg: Hoppla, Wir leben! Ernst Toller – Ein bayerisches Revolutionsdrama!

Sa, 28.04. – Jugend!Theater Wasserburg: Robinson – Meine Insel gehört mir! von Raoul Biltgen

So, 29.04. – Teamtheater München: Paarungen von Eric Assous

Mo, 30.04. – Moreth Company Dießen: Am Rande der Welt von Arthur Schnitzler

Di, 01.05. – Zentraltheater  München: Wasserstoffbrennen von Leon Engler

Mi, 02.05. – Theater und so fort: Glück von Eric Assous

Do, 03.05. – Spiel.Werk Ansbach:  Der Fluss – Eine musikalische Performance von Daniela Aue

Fr, 04.05. – Theater Wasserburg: Der Kirschgarten von Anton Tschechow

Sa, 05.05. – Holzapfel und Rehling: Neues von Früher – Dorfgeschichten und widerspenstige Musik

So, 06.05. – Metropoltheater München: Die Opferung von Gorge Mastromas von Dennis Kelly

Weitere Informationen sowie Karten gibt es über www.theaterwasserburg.de.

Karten im Vorverkauf sind bei der Buchhandlung Fabula und bei Versandprofi Gartner in Wasserburg, beim Kulturpunkt Isen-Taufkirchen und im Kroiss TicketZentrum Rosenheim erhältlich. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Fotos Christian Flamm

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