Verkehrte Überwachung

Was unser Redaktionslöwe Wasti die letzten Tage alles so beobachtet hat

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Ganz Wasserburg ist leer. Ganz Wasserburg? Nein. Eine kleine Schar unbeugsamer Staatsdiener hört nicht auf, Eindringlingen Widerstand zu leisten. Den Eindringlingen in den Frieden des ruhenden Verkehrs. Es hat etwas von High Noon, wenn der Parkraum-Sherif mit locker am Gürtel baumelndem Ticketdrucker gegen die tiefstehende Spätnachmittagssonne durch die menschenleeren Straßen schreitet. Am unaufgeregt schweifenden Blick erkennt man den Profi. Allzeit bereit, aus …

… der Hüfte sozusagen, den gemeinen Parksünder aufs Korn zu nehmen. Platz wäre grad schon da. Aber egal. Kein Parkschein, zack, zehn Euro zwischen die Wischer. Sie wissen das Recht auf ihrer Seite. Sie haben eine Mission. Die kennt keine Krise.

Ohne Frage: Auch in Zeiten von Pandemien sollen Recht und öffentlicher Ordnung Geltung verschafft werden. Gerade dann. Gerade dann aber doch mit Augenmaß für das Wesentliche: Brauchen wir jetzt wirklich eine Parkraumüberwachung? Sollten wir nicht froh sein, dass ein paar Handwerker noch was zu tun haben und unterwegs sind? Dass bei ein paar Wirten etwas zum Essen abgeholt wird? Ein paar zwangsgeschlossene Händler ihre Lieferungen einpacken? Ein paar kurzarbeitende Mitbürger tagsüber das Auto abstellen?

Die könnten sich freilich auch trotz Pandemie einfach an die Regeln halten. Aber wenn schon wegen der Pandemie Parkplätze und Haltemöglichkeiten mehr weniger knapp sind, warum macht man allen das Leben nicht ein wenig leichter?

Die Damen von der Verkehrsüberwachung machen ihre Arbeit. Denen ist da tatsächlich überhaupt gar nichts vorzuwerfen. Aber ihren Arbeit- und Auftraggebern. Die könnten – wie jetzt gerade an vielen Stellen – Urlaub verordnen oder Amtshilfe für den Telefondienst im Gesundheitsamt anbieten.

Nix für ungut, liebe Oberverkehrsüberwacher.

Man wird sich in Wasserburg ja noch a bisserl das lose Löwenmäulchen zerreißen dürfen.

 

Es platzt einfach aus ihm heraus!

Gleich mal vorweg: Ich bin weder aus Lari Fari Mogelzahns Spielzeugkiste gekrochen, noch irgendwo geleimt worden. Ich bin echt echt. Hab nur bisher brav mein Löwenmäulchen gehalten. So wie es unter Stofftieren eigentlich gute Sitte ist. Man kennt das ja. Da sitze ich nun aber Jahr um Tag in der Redaktion im Regal und hör dabei so allerhand. Und natürlich macht man sich auch als Plüschlöwe so seine Gedanken. Das gibt es heute doch überall, dass so mancher mit nur Stroh im Kopf was zu denken meint.

Wie ich nun so sinniere über Nachrichten, Besprechungen, beim Schreiben laut vor sich hin brabbelnde Redakteure, Bürotratsch und Telefonate über Pfostenlösungen, Tamponnotstand, Beginn der Eiszeit, Faschingszügellosigkeit, verstockte Altstadthäuser, verwässerte Milch, angebahnte Verkehre und, und, und da ist es dann auf einmal aus mir herausgeplatzt. Ihr hättet mal sehen sollen, was für Gesichter die in der Redaktion gemacht haben, wie ich losgelegt hab. Der Huber hat aber geistesgegenwärtig die Tastatur gezückt und alles Wort für Wort mitgetippt.

Und wie es oft so ist: Wenn einmal die Dämme gebrochen sind, gibt es kein Halten mehr. Ab sofort erlaube ich mir ein loses Löwenmäulchen. Wenn es jemand interessiert, wird’s der Huber oder d’Renate sicher auch in Zukunft abtippen. Ihr lest von mir.

Man wird sich in Wasserburg ja noch a bisserl das Löwenmäulchen zerreißen dürfen.

Euer Wasti, der Redaktionslöwe der Wasserburger Stimme

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15 Kommentare zu “Verkehrte Überwachung

  1. Doch, leider ist das notwendig. Wenn die Parküberwachung eingestellt würde, wären in Nullkommanix Behindertenstellplätze, Rettungswege, Feuerwehrzufahrten, Fußgängerzonen und Gehwege dauerhaft zugeparkt. Leider ist ein zu großer Teil der Autofahrer so gestrickt und eben selber schuld, wenn es auch in Krisenzeiten eine Verkehrsüberwachung braucht.

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  2. Ich stimme dem Redaktionsloewen voll zu. Bitte vergesst nicht, dass die Stadt die Überwachung an diese “Sheriffs” vergeben hat und sich dadurch überhaupt nicht mehr verantwortlich fühlt.Fingerspitzengefühl gibt es hier nicht und wird es wohl nie geben. Wir alle leben mit sehr vielen Einschränkungen derzeit und werden zusätzlich noch schikaniert. Danke! An
    Lovejoy: Wieviele Parkplätze benötigen Sie derzeit, es gibt sie in Hülle und Fülle.

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    1. Oh, sie werden schikaniert, weil die Stadt jetzt kein rechtsfreier Raum ist?

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  3. Ganz genau so ist es… und wenn man in solchen Zeiten nur noch Feuerwehrzufahrten, Behindertenparkflächen und alles andere was wirklich Priorität hat schützt und dabei keine unnötigen Knöllchen verteilt wäre es ein gutes Signal!

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  4. Löwenmäulchen weiter so!

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  5. Da hätte der Löwe gern in letzter Zeit einen gescheiten Brüller loslassen können, als Leut munter weiter Partys feierten und eng im Lokal hockten trotz eindringlicher Warnungen. Warum man grad bei einem Überangebot an Parkplätzen nicht erwarten kann, dass Autofahrer richtig parken und einen Parkschein lösen ist eher nicht nachvollziehbar.

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  6. Die Überschrift sagt alles.
    Mutig und richtig.
    Weida so👍🏻

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  7. Wo is des Problem, wenn der “Sheriff” durch Wasserburg geht? Es gibt jetzt genügend Parkplätze und wer es dann nicht schafft sein Auto ordnungsgemäß abzustellen, den gehört hoid ned mehra! Des is des gleiche wie jetzt mit der Ausgangsbeschränkung … es ist oft genug gewarnt worden … einige wollten nicht hören und jetzt hammas hoid – de Ausgangsbeschränkung! Des san hoid de Probleme in unserer turbokapitalitischen Welt … Gesetze san für andere da, aber nur ned für mi oder einem selber … und wenn´s dann doch einen dawischt san wieder de anderen Schuld, weil´s koa Fingerspitzengefühl ham! Meine Meinung …

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    1. Sehr richtig! Daumen hoch!

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    2. Ja, die Damen üben ihre Tätigkeit aus. Und diese ist die Wertschöpfung. Nicht umsonst heißt es ja Parkraumbewirtschaftung. Nun kann man ja annehmen, dass es um die Sicherheit wie z.B. Feuerwehrzufahrten geht.
      Hier stellt sich dann aber prompt die Frage, warum die ausgewiesenen Parkflächen kontrolliert, aber die Parker in zweiter Reihe, oftmals in der Ledererzeile, weitgehendst unbehelligt bleiben. Dies „Anhalten“ sorgt permanent für Stau und würde Rettungsfahrzeuge massive behindern.
      Hier wird von öffentlicher Ordnung fabuliert. Ich denke wir werden auf Grund der aktuellen Situation noch ganz andere, echte Probleme bekommen.
      Es sind außergewöhnliche Zeiten, und da sollte man die „Kirche mal im Dorf lassen“ und den gesunden Menschenverstand einsetzen.
      Für die Leute, die sich hier über Ordnung und Sicherheit so echauffieren, jetzt ist die Zeit einfach mal ein Buch zu lesen. Ich empfehle hier Heinrich Manns „Der Unteran“.

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      1. Ich hätte da auch eine schöne Leseempfehlung: “Virus Auto” vom österreichischen Verkehrswissenschaftler Herrman Knoflacher.

        Sozusagen ein Standardwerk der Verkehrspsychologie. Knoflacher zeigt dort auf, wie sich das Auto als Kraftprothese tief im Bewusstsein des Menschen verankert, in der Folge sein Denken bestimmt und von ihm Besitz nimmt.

        Wenn man sieht, wie hier die privilegiertesten aller Verkehrsteilnehmer die Coronakrise nutzen wollen, um unter dem Deckmantel des “gesunden Menschenverstandes” noch weitere Privilegien bis hin zur Narrenfreiheit für sich einzufordern, dann könnte an der These was dran sein.

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  8. Der offizielle Sinn der Parkraumüberwachung ist es, möglichst vielen nacheinander das Parken zu ermöglichen. Es geht hier schlicht darum, dass Leute, die diverse Dinge zu erledigen haben, dies auch machen können. Also z.B. der Kunde, der einkaufen muss.

    Das ist in „normalen“ Zeiten auch nachvollziehbar und vollkommen legitim. Gerade als Bewohner der Herrengasse kann ich ein Lied davon singen, was bei geöffneten Lokalen in der Straße los ist und dass z.B. das Ausladen von Einkäufen zur Herausforderung wird, zum einen um überhaupt einen Platz zu finden, zum andern, das dies Ausladen nicht nochmals 10€ extra kostet.

    Nun dürfte es aber Niemanden mehr entgangen sein, dass wir mittlerweile in einer „Geisterstadt“ leben.

    Alle Lokale, Geschäfte, ja die öffentlichen Einrichtungen sind geschlossen, nur noch ganz vereinzelt Menschen auf der Straße. Man erwartet schon fast, dass der Rollbusch aus dem Western um die Ecke kommt. Erinnerungen an Endzeitfilme werden wach.

    Kurzum, es gibt schlicht Niemanden mehr, der einkauft und/oder Lokale besucht. (…)

    Aber ja, natürlich dürfen Sie Ihre Meinung dazu haben. Es konnte übrigens noch nie bewiesen werden, dass jemand seine Meinung im Internet geändert hätte.

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  9. Burgerfeldlerin

    Eigentlich haben wir jetzt ganz andere Probleme. Da sollte man sich vielleicht nicht auch noch darüber aufregen, ob es Strafzettel gibt oder nicht.

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  10. Die wir vollkommen unnötig noch vergrößern?

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  11. Meiner Meinung nach sollte der gute Alte/ Neue Bürgermeister einschreiten.

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