„Uns macht das auch keinen Spaß!“

Klinik-Neubau: Muss 200 Jahre alte Eiche weichen? Dr. Theodor Danzl nimmt Stellung

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eiche_k„Ganz ehrlich: Uns macht das auch keinen Spaß. Der Baum ist wirklich wunderschön und wir weinen da schon mit.“ Dr. Theodor Danzl, Geschäftsführer des kbo-Inn-Salzach-Klinikums in Gabersee, nahm gestern auf Anfrage der Wasserburger Stimme Stellung zur geplanten Fällung einer 200 Jahre alten Eiche auf dem Klinik-Gelände. Der Baum muss dem Neubau der kbo- und RoMed-Kliniken (wir berichteten) weichen, der bereits im vollen Gange ist. Die Fällung hatte in einem offen Brief der Wasserburger Bund Naturschutz kritisiert. „Verständlich. Aber das wird sich schwer ändern lassen“, so Dr. Danzl.

graedler„Zwei Jahrhunderte ist diese wunderschöne Eiche alt. Nach dem Willen der Planer steht sie dem Neubau des Krankenhauses in Gabersee im Wege und soll gefällt werden. Deshalb bemühen sich Wasserburger Bürger zusammen mit uns, diesen herrlichen, kerngesunden Baum zu erhalten, der bei guter Pflege noch einige Jahrhunderte den Besuchern und Patienten Freude und Trost spenden könnte. Bei gutem Willen und Geschick der Planer müsste dies doch möglich sein“, so Gert Graedler, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Wasserburg.

 

Danzl„Wir unterliegen bei diesem Großprojekt natürlich verschiedenen Zwängen“, sagt darauf Dr. Theodor Danzl. Weil man solche Probleme bereits im Vorfeld des Klinik-Neubaus befürchtet hatte, habe man schon vor Jahren einen Wettbewerb ausgeschrieben, der sich unter anderem zum Ziel gesetzt habe, alle Aspekte des Landschaftsschutzes mit einzubeziehen. „Auch müssen wir darauf achten, dass wir den Betrieb weiter am Laufen halten. Und auch der Denkmalschutz durfte nicht zu kurz kommen. Wir haben Gebäude auf unserem Areal, die wir nicht antasten dürfen.“ Letztlich habe man sich unter all diesen Zwängen dafür entschieden, die Ideen des Preisträgers umzusetzen, der dies alles berücksichtige. Dr. Danzl: „Und wir wollten auch nicht riesige Hochhäuser auf unser Areal pflanzen.“

Nach diesen Gesichtspunkten sei es jetzt erforderlich, dass ein paar Bäume des Altbestandes weichen müssten. „Es ist natürlich bedauerlich, dass da ausgerechnet die 20 Meter hohe Eiche mit dabei ist“, so der Geschäftsführer.

Leider sei es auch nicht möglich, den geplanten Gebäudekomplex in irgendeine Richtung zu verschieben. „Das ginge vielleicht um ein paar Meter hin oder her. Aber ob das dem Baum dann hilft, ist dahingestellt, wenn wir um ihn herum bis zu 15 Meter tief ausheben müssen.“

Trotz aller Bedenken werde man jetzt nochmals an die Planer herantreten. „Vielleicht gibt’s ja noch eine Lösung. Ich befürchte allerdings – eher nicht.“

Eine komplette Neuplanung des Projekts, es wird in etwa 250 Millionen Euro verschlingen, könnte neue Planungs- und weitere Kosten in zweistelliger Millionenhöhe nach sich ziehen, so Danzl.

Im Übrigen gebe das kbo-Inn-Salzach-Klinikum jedes Jahr 20.000 Euro für den Erhalt der Parklandschaft und die Pflege des alten Baumbestandes aus. „Darin sieht man, dass uns das wirklich was wert ist. Viele der alten Bäume würden gar nicht mehr bestehen, wenn wir uns nicht um sie kümmern würden.“ HC

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Das Krankenhaus-Projekt in Gabersee. Die Bauarbieten sind bereits in Gange, richtig los geht’s aber erst 2017.

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16 Gedanken zu „„Uns macht das auch keinen Spaß!“

  1. Ihnen macht es keinen Spaß den Baum zu fällen? Ja dann lassen Sie ihn stehen! Was bildet sich die Menschheit ein, Hauptsache das Projekt wird durchgezogen!

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  2. „Eine Lösung gibt’s eher nicht“, heißt es sinngemäß. Ich wette, man wird keine finden (wollen).
    Sehr, sehr traurig.

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  3. Thomas Fastus

    Meine lieben Ökos… Jetzt bleibt doch mal realistisch. Es handelt sich um einen Baum. Um einen… Zum Wohle der medizinischen Versorgung. War jemand schon mal auf dem Gelände von Gabersee? Das ist eine grüne Oase der Ruhe. Bestimmt werden im Bereich des Neubaus wieder umfassende Grünanlagen angelegt.

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    1. Lieber Herr Fastus,
      ich bin Realist und man muss nicht ein Öko sein;
      und dennoch ist es sehr wichtig über eine 200 Jahre alte Eiche nachzudenken, die verschiedene Epochen und Kriege überlebt hat.
      Ich wünsche der Eiche nicht, dass sie einer Nacht- und Nebelaktion zum Opfer fällt.

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      1. Thomas Fastus

        Lieber Herr Hof…

        Ich habe heute in meinem Garten einen Baum gepflanzt.

        Einerseits, weil ich mich in Zukunft über den Schatten freuen werde und andererseits, um einen Ausgleich zu dem zu fällenden Baumes in Gabersee entgegen zu wirken.

        Hier handelt es sich um eine schnell wachsende Weide, die die Ökobilanz des wirklich notwendigen Klinik-Neubaus wieder gerade rücken wird. Falls wegen dem Schmarrn jetzt ein Baustopp erzwungen werden sollte, dann … Ich brauche eh noch Eichenholz für meinen Smoker …

        Jetzt mal Spaß beiseite … hat jemand eigentlich schon geprüft, ob die Eiche im Zuge des Klimawandels nicht eh in den nächsten Jahren gefällt werden müsste?

        Ich meine im Bezug auf die Art des Baumes und dahergehend die Möglichkeit, ob der Baum das sich neu bildende Klima überhaupt vertragen würde …

        In diesem Sinn einen schönen Tag!

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        1. Lieber Namenskollege,
          je mehr bebaut wird, desto weniger bleibt für die Grünanlage. Ein paar Bäume eingesperrt zwischen Gebäuden und Straßen haben oft nicht die Möglichkeit schön und unverstümmelt alt zu werden. Aber die Ansprüche an seine Umwelt sind sicherlich für jeden leicht andere. In der Nähe (mehr oder weniger auf dem Gelände) gibt es sogar noch ein älteres und größeres Exemplar, das zum Glück wohl bis zum Zusammenbruch keine Bebauung befürchten muss.
          Das wäre schön, wenn eine junge Weide (welche überhaupt?) soviel bewirken würde. Ich habe im Garten dann vermutlich einen Ausgleich zur Zerstörung des Regenwaldes geschaffen… schön wärs.
          Noch habe ich die Hoffnung, dass unsere Vegetation doch eingermaßen weiterleben wird und nicht in der Folge des Klimas verschwindet. Aber wer weiß das schon, lassen wir uns überraschen und nicht vorzeitig alles abschreiben. 😉

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      2. @Herr Hof:
        Wir sollten froh sein, dass uns im Raum Wasserburg eine medizinische Versorgung erhalten bleibt. Vor einigen Jahren war noch von Schließung des Kreiskrankenhauses Wasserburg die Rede.

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  4. …leider haben in der heutigen Gesellschaft Pflanzen und Tiere einen höheren Stellenwert als der Mensch.

    Anstatt sich für den Neubau der Klinik einzusetzen, welche neben einer hervorragenden medizinischen Versorgung für uns Wasserburger Bürger auch Arbeitsplätze sichert, macht man sich Gedanken um einen Baum….

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    1. Arbeitsplätze sichern?
      Im Pflegedienst?
      Die sind doch schon seit Jahrzehnten unterbezahlt und überlastet.
      Eine ordentliche Sanierung des bestehenden Gebäudes ist mit Sicherheit möglich, wird bloß halt ein bisschen teurer. Funktioniert ja auch wo anders. Siehe Rechts der Isar oder das Schwabinger Krankenhaus – beides alte Bauten.

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  5. Natürlich ist es schade um diesen Baum.

    Es stehen in Gabersee viele, die mindestens genauso alt sind. Manchmal hab ich das Gefühl, Hauptsache gegen ein Großprojekt sein – ist in Deutschland schon fast Volkssport.

    An die Verschwendung von unseren Steuergeldern – daran denkt anscheinend keiner.

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    1. Thomas Fastus

      Halleluja! Ich bin genau deiner Meinung.

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  6. Hallo, warum wird immer erst geplant und dann erst nachgedacht, ist ja nur ein Baum – die Verantwortlichen wollen keinen Baum schützen, das wäre ja unbequem.
    Aber nach der Planung ist es leider zu spät …
    Naturschützer werden als Ökos dargestellt, wie würde es ohne Menschen mit Verantwortung für die Umwelt gehen? Dazu gehört übrigens auch ein 200 jähriger Baum.
    Zum Nachdenken …

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  7. Wenn ihr unbedingt Bäume schützen wollt, dann macht das doch im Regenwald.
    Da ist es notwendiger, als eine einzelne Eiche.

    Selbst dann noch Tropenholzgartenmöbel ausm Baumarkt auf der Teakterrasse stehen haben. Habt ihr eigentlich sonst nichts mehr zu tun? Es gäbe weitaus Wichtigeres als einen Baum.

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  8. Da sah ich doch vor ein paar Tagen Bilder von riesigen Kastanien, die der Wirt von Anzing auf seinem (Biergarten-) Grund rucki-zuck gefällt hat. Sie waren angeblich schon etwas krank, sah zwar nicht so aus auf den Fotos, aber vielleicht liegen ja noch Reste dort herum. Dass ein genehmigtes Bauvorhaben für genau diesen Grund vorliegt, soll nichts mit der Fällung zu tun haben, sagt der Wirt, manche Leute halten alle anderen für blöde oder?
    Was ich damit sagen will? Die Verantwortlichen hätten doch den Anzinger Wirt rechtzeitig einladen sollen, der hätte die Eiche schnell und ohne Aufhebens gefällt und entsorgt, da bin ich mir sicher:-)

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    1. Oder ich erinnere an die Kastanien in Reitmehring, die man scheibchenweise auch ‚entsorgt‘ hat – für den Neubau des Wohnblocks!!

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      1. Was ist eigentlich ein ÖKO? Scheint eine Art Schimpfwort für Menschen zu sein, die Respekt vor der Natur haben und sich Gedanken um die Umwelt und ihren Schutz machen.

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