Und dann kam auch noch Hochwasser

Corona lässt vieles nicht zu, das zeigt sich auch beim Bachmuschel-Projekt im Landkreis

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Corona lässt vieles nicht zu, das zeigt sich auch beim Bachmuschel-Projekt in der Murn im Landkreis. Etliche Veranstaltungen konnten gar nicht oder nur im kleinen Kreis stattfinden. Negativer Höhepunkt war zudem dann auch noch das Hochwasser im August. Es vernichtete die Nachzucht von Jungmuscheln nahe Pang. Eine positive Nachricht gab es dagegen von der Murn: In kleiner Besetzung führte das Landschaftsarchitekturbüro Niederlöhner aus Wasserburg …

… das das Projekt seit Beginn an betreut, mit Benedikt Beck, Marina Pagel und Fischwirt Egidius Schulz eine Infektion des lokalen Wirtsfischbestandes durch. Wie schon in den Vorjahren wurden für die Bachmuschel geeignete Fischarten mit Bachmuschellarven infiziert. Innerhalb weniger Wochen entwickelten sich die Larven in den Kiemen zu Jungmuscheln weiter. Die Fische nehmen dabei kaum Schaden. …

Im Frühjahr hatte das Landschaftsarchitekturbüro Niederlöhner zu einer Versammlung des Krebsbaches geladen. Am Krebsbach lebt eine Restpopulation der europaweit vom Aussterben bedrohten Bachmuschel. Gemeinsam mit den Gemeindeverwaltungen Söchtenau und Halfing, dem Landratsamt und der Moosgenossenschaft sollte die Zukunft der Krebsbachufer besprochen werden. Wegen Corona musste das Gespräch auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Auch die Ausbildung zum Muschelberater, eine Veranstaltung der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, musste abgesagt werden. Sie sollte heuer erstmals in Rosenheim mit Beiträgen des Bachmuschelprojektes Murn stattfinden. Neuer Termin ist jetzt der Juli kommenden Jahres.

Unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln konnte das Kinder-Ferienprogramm stattfinden. Die Kinder aus den Bachmuschelprojekt-Gemeinden lernten mit leuchtenden Augen und ausgestattet mit Gummistiefeln und Keschern die Besonderheiten der Murn und der Muschel kennen.

Für den kommenden Winter ist wieder die Bekämpfung des Bisam geplant. Der Nager, der aus Nordamerika eingeschleppt wurde, verspeist die Bachmuschel nämlich mit Vorliebe im Winter. Ohne Eindämmung des Bisams wäre die Bachmuschelpopulation noch mehr gefährdet. Auch hier kann das Projekt schon auf die jahrelange Zusammenarbeit mit hiesigen Jägern und anderen Freiwilligen vertrauen.

Kooperation ist im Übrigen ein Kern-Merkmal aller BayernNetzNatur-Projekte. Die Verantwortlichen im Bachmuschelprojekt arbeiten mit Anliegern, Vereinen, Behörden, Freiwilligen und vielen weiteren Akteuren zusammen und bringen sie an einen Tisch. Seit 2013 setzt sich das Projekt „Bachmuschel in der Murn“ für die Erhaltung einer Muschelpopulation in der Murn im nordwestlichen Landkreis Rosenheim ein.

Mehr über das Projekt unter https://www.landkreis-rosenheim.de/projekt-bachmuschel/.

Über die Bachmuschel

Früher gab es die kleine Bachmuschel zu Tausenden in den Bächen und Flüssen. Sie filtert das Wasser und hält es somit sauber und klar. Natürliche und saubere Fließgewässer mögen auch viele andere Flussbewohner, wie Flusskrebs, Steinkrebs und Bachforelle.

Lebensraum:
Gewässer
Größe:
Bis zu 10 cm lang
Ökologie:
Die Entwicklung der Bachmuschel ist eng an das Vorkommen bestimmter Fischarten wie Elritze und Döbel gebunden. Nur an den Kiemen dieser Wirtsfische entwickeln sich die Larven zu Jungmuscheln. Wenn sie dann nach 3 bis 6 Wochen abfallen, brauchen sie einen sauerstoffreichen Bachgrund , um sich niederzulassen. Dort verbringen sie eingegraben ins Substrat die ersten Jahre.

Heute sind Bachmuscheln vom Aussterben bedroht und stehen unter europäischem Schutz (Europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, Anhang II und IV). Gründe für den Rückgang sind Sediment- und Düngemitteleintrag in die Gewässer, Eingriffe in den natürlichen Verlauf und Strukturen der Gewässer und Fraßfeinde wie der Bisam.
Schutzstatus:
Rote Liste 1

 

 

 

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