Schreiben in der Krise

Wie sich die „Rosenheimer Autoren“ mit der aktuellen Situation arrangieren

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Die Leipziger Buchmesse wurde abgesagt, Lesungen können nicht stattfinden und Buchhandlungen mussten vorübergehend ebenfalls schließen. Die Ausgangsbeschränkung trifft auch regionale Autoren. Denn das Leben eines Schriftstellers findet nicht immer nur am Schreibtisch statt. Einige „Rosenheimer Autoren“ schildern ihre Eindrücke.

„Die Coronakrise hat mich voll erwischt“, erzählt Kerstin Groeper. Gerade nach der Veröffentlichung ihres aktuellen Romans wurde die Leipziger Buchmesse abgesagt. Auch kann ihre geplante Lesetour nicht stattfinden und ob es in diesem Jahr die Frankfurter Buchmesse geben wird, sei noch nicht sicher. „Die meisten Leser erkennen, dass es besonders für kleine Verlage nun eng wird“, freut sich die Autorin aber über die Unterstützung, die sie aktuell erfährt.

 

Aufgrund der schwierig einzuschätzenden Arbeitssituation musste auch Monika Nebl, die unter den Pseudonymen Katie S. Farrell und Ainoah Jace veröffentlicht, ihren Schreiballtag umstellen. „Ich schreibe täglich, auch mal vormittags und nachmittags eine Stunde. Je nach Dienst.“ Für die Autorin, die zuvor gewohnt war, mehrere Stunden am Stück an ihren Geschichten zu feilen, eine große Veränderung. „Ich komme endlich mehr zum Schreiben.“

 

Ganz anders bei Bernhard Kürzl. Auch er war gezwungen, seine Schreibgewohnheiten zu ändern. „Ich hatte mir angewöhnt, mich am Wochenende mit dem Notebook in ein Café zu setzen.“ Weil Gastronomien aber noch geschlossen bleiben und der Bürojob beinahe normal weitergeht, stellte er sich darauf ein, von Zuhause zu schreiben. „Nun läuft die erste Überarbeitung“, erzählt er über die Fortsetzung seines zuletzt erschienenen Romans.

 

Obwohl das Schreiben selbst meist allein stattfindet, ist der Austausch untereinander und mit den Lesern für viele Autoren wichtig. Auch der regelmäßig stattfindende Stammtisch der „Rosenheimer Autoren“ muss aktuell aussetzen. Die Gruppe war vom Ausfall der Buchmesse nicht direkt betroffen, denn ein Gemeinschaftsstand ist erst im kommenden Jahr geplant. Im Einzelnen leiden allerdings alle unter den entfallenen Lesungen und Autorentreffen. „Der Kontakt zu meinen Lesern fehlt mir“, so Groeper, die sich notgedrungen mit den Umständen arrangiert hat. Neben Online-Lesungen erzählt sie außerdem indianische Märchen und gibt online Lakota-Unterricht. Auch Nebl und Kürzl planen bereits digitale Lesungen.

 

Immerhin dürfen Buchhandlungen bald wieder öffnen. Wie es mit Lesungen, Lesetouren und Buchmessen weitergeht, wird sich erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Deshalb heißt es auch für Autoren weiterhin kreativ zu bleiben und neue Wege zu finden, ihre Leser zu erreichen. JF

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