Musikmachen in der Krise

Wie sich regionale Musiker mit der aktuellen Situation arrangieren

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Gitarrenverstärker aufgedreht, Mikros an den Lippen und die Drumsticks knallen zum Einzählen aufeinander – das wird es weiterhin eine Weile nicht geben. Seit einigen Wochen gilt Kontaktverbot. Das heißt außerdem: Keine Bandproben mehr. Das trifft auch einige Hobbymusiker in der Region, die momentan auf das gemeinsame Musikmachen verzichten müssen.

Das gemeinsame Musizieren hat aufgehört, bevorstehende Auftritte sind abgesagt. Wer kann, spielt in der eigenen Wohnung allein auf seinem Instrument. Aber Bandproben sind mehr als nur das Spielen von Liedern. „Der Spaß und das Feeling, zusammen zu spielen, sind unersetzbar“, erzählt Hermann Kreuzpointner, Gitarrist der Bands „Across Texas“ und „Rang ´n Gang“. Das nagt an der Motivation. So auch bei „derBiest“-Schlagzeuger Sebastian Mittermaier: „Meine Kreativität und Motivation sind am Boden.“ Er hat mit seinen Bandkollegen bisher keine Möglichkeit gefunden, trotz Ausgangsbeschränkung miteinander Musik zu machen.

 

Das „Sitzen und warten“ ist auch für Bassistin Rockin Monika der „Diner59er“ besonders hart. „Es ist schwierig, sich jetzt auf einen Gig vorzubereiten, weil man nicht weiß, ob er stattfinden wird oder nicht.“ Besonders vermisst sie, für das Publikum da sein und mit ihnen rocken zu können. Dass aktuell Proben und Auftritte wegfallen sei schade, aber völlig klar, so Florian Furch, Gitarrist der „Green Hornies“. Trotzdem fehlt das gemeinsame Musikmachen im Alltag. „Zum Musizieren muss ich mich mit YouTube-Playbacks begnügen.“

 

Aber die aktuelle Krise zeigt auch positive Seiten für das Musizieren: „Gerade Technikübungen kommen so nicht mehr zu kurz“, so Jonas Schmid, der mit „Boosted“ und „Boazn Royal“ auf zwei Bands verzichten muss. Auch für den „Boosted“-Schlagzeuger Lukas Zellner ist es „eine optimale Zeit, um mal die eigene Spieltechnik zu verbessen.“ Stickhaltung, Sticktechnik, Tempo. „Als Schlagzeuger kann man alleine weniger Lieder üben, als Technik lernen und verfeinern“, erklärt Uli Mirwald, Schlagzeuger der „Green Hornies“. Für die Melodie ist er auf die Originallieder per Kopfhörer angewiesen. Helmut Höll, Gitarrist und Sänger von „Across Texas“, nutzt die Zeit, um eigene Lieder zu komponieren „damit man nicht einrostet.“ Auch die Musiker von Boazn Royal feilen einzeln „im Home-Office“ an den Songs und bereitet sich damit auf die hoffentlich bald wieder stattfindenden Auftritte vor.

 

Bei einem Punkt sind sich die Musiker einig: Am meisten freuen sie sich schon wieder auf das gemeinsame Proben, sobald sich die Ausgangsbeschränkungen dahingehend lockern. Wie es mit Konzerten und auch dem Musikmachen im kleinen Kreis weitergeht, wird sich erst in den kommenden Wochen entscheiden.

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Ein Kommentar zu “Musikmachen in der Krise

  1. Annette Diouri

    Ja, die Motivation ist mit der Zeit dahin. Erst dachte ich, ich übe die anstehenden neuen Sachen ein. Doch irgendwann fehlt halt auch das Feedback, das man in der Probe bekommt. Wer zoom oder Ähnliches nutzen kann ist ein wenig besser dran, da es angeblich nur minimalen Zeitversatz gibt. Doch für Amateure wohl nur ein Problem des Wohlbefindens. Profimusikerinnen trifft es ungemein härter, da das Einkommen komplett weggebrochen ist. Und dass viele Anträge auf Soforthilfe noch nicht bearbeitet sind ist ja wohl mittlerweile bekannt. Mich würde sehr interessieren ob kleine Soloselbstständige nun bei ihren Banken überziehen dürfen bzw. schnell einen günstigen Kredit zur Überbrückung bekommen (haben)?

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