Landratsamt: „Haben jetzt etwas Luft“

Leiter des Büros von Landrat Berthaler nimmt Stellung zur aktuellen Flüchtlings-Situation

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soyen-1-1200x816Wasserburg/Soyen/Albaching – „Es stimmt, wir spüren die Auswirkungen jetzt deutlich. Seit die Balkan-Route dicht ist, kommen bei uns viel weniger Flüchtlinge an.“ Auf Anfrage der Wasserburger Stimme bestätigte Oliver Winter, Leiter des Büros von Landrat Wolfgang Berthaler, dass auch weiterhin die Flüchtlingsströme deutlich abreißen. „Wir nutzen jetzt die Luft, um unsere Turnhallen langsam leer zu bekommen und die Asylbewerber auf dezentrale Unterkünfte zu verteilen.“

Dazu sollte seit gestern eigentlich auch die Gemeinde Albaching gehören. Dort ist ein Container-Standort an der westlichen Ortseinfahrt Richtung Kalteneck geplant. Allerdings kam es gestern im Gemeinderat zu keiner Diskussion oder Entscheidung – obwohl das Thema eigentlich auf der Tagesordnung gestanden war. Die Haushaltsberatungen nahmen so viel Zeit in Anspruch, dass andere Themen vertagt werden mussten. Albachings Räte wollen jetzt in 14 Tagen über den Container-Standort beraten.

Brandheiß ist die Thematik auch nach wie vor in Soyen (wir berichteten ausführlich). Dort sind die Container-Unterkünfte nach dem Brandanschlag ja nach wie vor nicht bezugsbereit.

Die Firma, von der das Landratsamt die Container mietet, will Teile nach dem Brand komplett erneuern. Die Versicherung möchte lediglich sanieren. Der Streit ist immer noch nicht beigelegt. Allerdings: Das Landratsamt hat jetzt bis 1. April ein Ultimatum gestellt. Bis dahin sollen sich die streitenden Parteien einigen. Bezug wird dann wohl irgendwann im April sein.

In Forsting (Gemeinde Pfaffing) wartet man derzeit ebenfalls auf die Belegung des Wohn-Containers im Gewerbegebiet mit 48 Personen (wir berichteten) – der Zeitraum gleich nach Ostern ist angedacht..

Auch die Turnhallen, die derzeit mit Asylbewerbern belegt sind, könnten mittelfristig wieder ihrer ursprünglichen Nutzung zugeführt werden. „Allerdings nur, wenn die Zahlen an Neuankömmlingen weiter so niedrig bleiben, wie im Augenblick“, so Winter.

Derzeit seien verschiedene Hallen des Landkreises noch mit insgesamt 850 Asylbewerbern belegt. „Wir können im Schnitt pro Woche zirka 50 Menschen dezentral, also privat unterbringen. Das heißt: Wir brauchen mindestens an die 16 Wochen, bis alle Hallen ganz leer sind. Immer unter der Voraussetzung, dass die Flüchtlingsströme nicht wieder drastisch anwachsen.“

Im übrigen würden sich zirka zehn Prozent der Flüchtlinge ohnehin selbstständig auf den Weg machen. Es komme nicht selten vor, dass sie sich ohne sich abzumelden auf eigene Faust zu Freunden oder Bekannten in ganz Deutschland und Westeuropa durchschlagen.

Für Bad Aibling kündigte Winter schon mal an: „Übermorgen am Freitag wird dort die Halle geräumt und kann dann hoffentlich bald wieder ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben werden. Und das ist auch gut so: Wir wissen, dass die zentrale Unterbringung in Hallen die schlechteste Lösung ist.“ Dass es da immer wieder mal zu Reibereien in Folge von Lagerkoller komme, wie gestern in Wasserburg (wir berichteten), sei nur zu verständlich. HC

 

 

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3 Gedanken zu „Landratsamt: „Haben jetzt etwas Luft“

  1. Unfassbar, dass uns andere Länder entlasten müssen, weil wir es selbst nicht auf die Reihe bekommen.

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  2. Man muss abwarten, bis wirkliche Lösungen den Flüchtlingsstrom tatsächlich abebben lassen.

    Das jetzt ist doch tatsächlich nur ein „Abwürgen der Wege mit Staubildung“, bis es irgendwo eine „Explosion“ gibt und Grenzen entweder niedergerissen oder freiwillig wieder aufgemacht werden….

    Es heißt für uns Städte und Gemeinden noch lange nicht, dass „alles vorüber ist“, was Neuankömmlinge und deren Unterkunft betrifft.

    Dass sich die Hallen im Moment leeren, bedeutet also auch nicht, dass man sie wieder ihrem ursprünglichen Zweck zuführen kann.

    Die Hallen müssen erst einmal alle renoviert werden – und das wird man sicherlich nicht tun, wenn man sie zwei Monate später wieder belegen muss …

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  3. Ich bin der Meinung, dass ist nur die Ruhe vor dem Sturm.
    Unsere Verantwortlichen denken viel zu kurzfristig. All die Helfer die jetzt motiviert sind, wird noch die Kraft und Luft ausgehen.
    Wo wollen wir all die Flüchtlinge seit 2013 wohnbar unterbingen? Keiner wird auf Dauer das durchstehen, ausser die jenigen die sich einen Profit ersehnen. Die Politik hat ihr Gesicht gezeigt!
    Flughafen in Berlin?
    Erhöhung der Krankenkassen zum 01.01.2016?
    usw.
    Seit 35 Jahren höhre ich nur wir müssen sparen.
    Wann ist der arbeitende Bürger dran?

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