Ganz oben neue „Untermieter“

Seit kurzem nisten Turmfalken in der Wasserburger Frauenkirche

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Wer in der Altstadt wohnt oder dort regelmäßig unterwegs ist, hat sie in den letzten Wochen vielleicht schon Mal gehört. Ein Ruf, der nach „ti, ti, ti, ti“ klingt, tönt seit einigen Wochen vom Himmel über der Stadt. Es sind Turmfalken, die seit kurzem am Turm der Frauenkirche nisten.

Die im deutschen Sprachgebrauch übliche Bezeichnung Turmfalke weist schon deutlich hin, dass die Vögel gerne auch menschliche Bauwerke als Brutplatz nutzen und dabei bevorzugt in den obersten Bereichen nisten. Der Turmfalke konnte insofern schon viele Städte als Lebensraum erobern und er ist heute sogar die am meisten verbreitete Falkenart in Mitteleuropa.

 

Dass zwei Turmfalken nun auch im Kirchturm der Frauenkirche eine neue Heimat gefunden haben, war allerdings kein Zufall. Die „Neu-Wasserburger“ sind in einen Nistkasten eigezogen, der erst Ende März auf dem der Stadt gehörenden Turm angebracht wurde.

 

Die Idee für die Nisthilfe kam vor einiger Zeit dem städtischen Bau- und Umweltamt. Mit der Ansiedlung der Falken möchte man einerseits einen kleinen Beitrag zur Steigerung der Artenvielfalt leisten. Vor allen Dingen geht es aber auch um eine natürliche Weise der Taubenvergrämung. Die vermehren sich im städtischen Umfeld nicht zuletzt deshalb sehr stark, weil es hier oft an natürlichen Feinden mangelt. Auch in Wasserburg ist die hohe Dichte des Taubenbestandes ein wachsendes Problem vor allem für die historische Bausubstanz. Und auch gesundheitliche Aspekte spielen bei Taubenvergrämung eine nicht unwesentliche Rolle.

 

Um den Bestand der Tauben auf natürliche Weise im Zaum zu halten, haben bereits einige Städte bewusst auf die Ansiedlung der für Menschen harmlosen Falken gesetzt. Zuletzt hat die Stadt Rosenheim hiermit sehr positive Erfahrungen gesammelt. Auf den Rat der Rosenheimer hin hat das Wasserburger Bau-und Umweltamt Ende letzten Jahres Kontakt zu zwei Falknern aufgenommen. Erwin Heigl aus Bjoern Clauss aus Soyen haben die Stadtverwaltung ausführlich über die Lebensweise der Greifvögel und deren Bedürfnisse beraten. Die beiden betreuen seit 2012 das Projekt „Stadtfalken in Rosenheim“ und haben dabei viele Erfahrungswerte gesammelt.

 

Der Bauhof der Stadt Wasserburg hat entsprechend der Vorgaben einen speziellen Nistkasten gebaut, der Ende März im südöstlichen der vier kleinen Türmchen unterhalb des Spitzdachs aufgebaut wurde. Vom Marienplatz aus ist der Holzkasten so nicht zu sehen. Damit die Falken ein – und ausfliegen können, wurde an der Außenwand ein kleines Gitter entfernt. Und die äußerst positive Überraschung: es hat nur rund eine Woche gedauert, bis tatsächlich ein Turmfalken-Pärchen in die Behausung eingezogen ist!

 

Ob die Wasserburger Turmfalken in ihrem neuen Domizil in gut 50 Metern Höhe nun auch brüten und so für eigenen Nachwuchs sorgen, wird sich wohl in den kommenden Wochen zeigen. Zum Nachschauen hat man jedenfalls extra ein Guckloch in den Nistkasten eingebaut. Um die sensiblen Tiere aber nicht zu stören oder gar zu verschrecken, ist bei den seltenen Kontrollen selbstverständlich allerhöchste Vorsicht geboten. Das ist auch der Grund, warum die Turmbläser für das „Braterlblasen“ zu Pfingsten auf einen anderen Standort ausweichen müssen. Statt auf dem Balkon oberhalb des Türmerstüberls spielt die Stadtkapelle heuer auf dem Marienplatz vor dem Marienbrunnen.

 

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