Wo sind die jungen Hausärzte?

So manche Praxis im Landkreis hat es schwer, einen Nachfolger zu finden

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Die digitale Vernetzung von Ärzten und die zunehmend schwieriger werdende Nachfolgeregelung von Haus- und Fachärzten im Landkreis waren zwei der Themen beim ersten Gesundheitsforum der Gesundheitsregion-Plus in Rosenheim. Professor Dr. Robert Ott von der Hochschule Rosenheim beleuchtete in seinem Vortrag die medizinische Versorgung im Landkreis Rosenheim.

Nach seinen Angaben sei die Bettendichte sehr hoch – es gebe sehr viele Krankenhäuser, Rehakliniken und Pflegeheime sowie eine durchgehend sehr gute Versorgung mit Haus- und Fachärzten. Allerdings würde es im Landkreis auch schon jetzt Engpässe geben, die sich künftig noch verschärfen werden. Zum einen benötigen immer mehr Patienten durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft eine umfangreichere Versorgung und zum anderen erreichen immer mehr Haus- und Fachärzte die Pensionsgrenze und auf dem Land sei es schwer, für sie Nachfolger zu finden.

Im großen Sitzungssaal des Rosenheimer Landratsamtes konnten Landrat Wolfgang Berthaler und die Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion-Plus, Dr. Gitte Händel, Vertreter der Politik, der ambulanten und stationären Versorgung, von Krankenkassen, Wohlfahrtsverbänden, der Hochschule Rosenheim und lokaler Netzwerke begrüßen.

Im ersten Vortrag zeigte Dr. Gregor Droscha, Mitglied im Ärztenetzwerk Rosenheim (änro), die Vorteile einer digitalen Vernetzung von Haus- und Fachärzten auf. So gebe es kein Papier mehr, das kaum lesbar sei und hin und her gefaxt werden müsse. Wenn ein Patient in der Praxis erscheint, könnten Befunde von anderen Ärzten direkt digital abgerufen werden.

Derzeit arbeiten 14 Hausärzte, 26 Fachärzte, Apotheker und Therapeuten in diesem Netzwerk zusammen und versorgen rund 15.000 Patientinnen und Patienten. Die Vorteile seien eine effiziente und zeitnahe Versorgung, die Sicherheit, dass die therapeutischen Maßnahmen aufeinander abgestimmt seien und es keine Belastung durch unnötige Doppeluntersuchungen gebe.

Dr. Droscha wies aber auch darauf hin, dass dieses System noch keinesfalls ausgereift sei und es noch viel Entwicklung benötige, bis eine solche Vernetzung flächendeckend möglich sein werde.

Im zweiten Teil der Veranstaltung diskutierten die Teilnehmer des ersten Gesundheitsforums in Arbeitsgruppen die Themen „Digitalisierung“, „Gesundheitskompetenz/Gesundheitsförderung“ sowie „Vernetzung der Akteure im Gesundheitsbereich“.

Die Vorschläge reichten von der Notwendigkeit einer deutlich stärkeren Vernetzung, um Qualität zu steigern und Wirtschaftlichkeit zu erhöhen bis zur Errichtung einer Wohnung mit digitalen Hilfe- und Unterstützungssystemen zum Probewohnen.

Geschäftsstellenleiterin Dr. Gitte Händel kündigte an, diese Ideen aufzunehmen und ihre Umsetzung zu initiieren. Über ihre Fortschritte wird sie im September berichten, wenn sich die Mitglieder des Gesundheitsforums zum nächsten Mal treffen.

Mit der Gesundheitsregionplus setzt der Landkreis Rosenheim eine erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre fort. 2012 und 2013 beteiligten sich Stadt und Landkreis am Qualitätswettbewerb Gesundheitsregionen mit dem Schwerpunkt Gesundheitstourismus. Dem folgte die Gesundheitskonferenz Südostoberbayern, deren Schwerpunkt die ambulante Versorgung mit Haus- und Fachärzten sowie Psychotherapeuten im ländlichen Raum war. Mit der Gesundheitsregion-Plus gibt es einen Kümmerer, der unter anderem die Aufgabe der weitergehenden Vernetzung übernimmt.

Die Leiterin des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, Dr. Irmgard Wölfl, wies auf die Ausstellung „LebensBilderReise“ hin, die noch bis zum 5. Mai in den Räumen des Gesundheitsamtes zu sehen ist. Depressive Patienten haben ihre Krankheit in Bildern und Texten verarbeitet und laden die Ausstellungsbesucher ein, sich ebenfalls damit auseinander zu setzen.

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