Wo ist qualifiziertes Personal?

Firmen suchen händeringend - Arbeitsmarkt vor großen Herausforderungen 2019

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Wenig Arbeitslose – das ist die gute Bilanz. Viel zu wenig qualifiziertes Personal – das ist die schlechtere: Im Jahresdurchschnitt 2018 waren im Landkreis Rosenheim 3 212 Personen ohne Erwerbstätigkeit. Die Arbeitslosenquote lag durchschnittlich bei 2,3 Prozent (Vorjahr 2,5 Prozent). „Das Rekordjahr 2018 endet mit einer ausgesprochen niedrigen Arbeitslosenquote für einen Monat Dezember;“ so Michael Vontra, stellvertretender Leiter der Rosenheimer Arbeitsagentur heute. In 2019 stehe man vor großen Herausforderungen …

Im Dezember hatte der Landkreis Rosenheim eine Arbeitslosenquote von 2,2 Prozent (Vergleichsmonat des Vorjahres 2,3 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen insgesamt für den Landkreis liegt aktuell bei 3 094.

Bei der Hauptagentur in Rosenheim sind 1 936 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, 100 mehr als im Vormonat. Beim Jobcenter des Landkreises Rosenheim sind 1 158 erwerbslose SGB II-Kunden statistisch erfasst, 45 weniger als im November. Insgesamt betreut das Jobcenter 3 226 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 2 581 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

Vontra lässt am heutigen Freitag das vergangene Jahr Revue passieren.

„Wir starteten im Januar und Februar 2018 mit einer sehr moderaten Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent. Diese saisonale Winterarbeitslosigkeit konnte aber relativ schnell wieder abgebaut werden. Bereits im März sank die Quote unter die Dreiprozentmarke (2,8 Prozent) und blieb Monat für Monat im Verlaufe des gesamten Jahres zum Teil sogar deutlich darunter (Oktober: 2,2 Prozent).

Der regionale Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Rosenheim, der die kreisfreie Stadt Rosenheim sowie die Landkreise Rosenheim, Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen umfasst, zeigte sich – trotz diverser Unsicherheiten auf den deutschen und internationalen Märkten – sehr aufnahmefähig und dynamisch. Gleichzeitig ist die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse im gesamten Agenturbezirk mit über 192 800 (Stand Juni 2018) so hoch wie nie“, bilanziert Vontra erfreut.

Der stellvertretende Agenturleiter weiter:

„Wir haben Vollbeschäftigung – ja, trotzdem stehen wir 2019 vor großen Herausforderungen. Insbesondere auf dem Ausbildungsmarkt macht sich die demografische Entwicklung bemerkbar.

Immer weniger Schulabgänger beginnen eine betriebliche Ausbildung und fehlen demzufolge als Fachkräfte.

Gleichzeitig erreichen immer mehr Menschen das Renteneintrittsalter. Firmen suchen mittlerweile in diversen Branchen händeringend qualifiziertes Personal, denn die Arbeitslosigkeit und damit die Anzahl der Personen, die eine Arbeitsstelle antreten könnten, ist auf einem sehr niedrigen Niveau angelangt.

Junge Menschen in der Altersgruppe 15 bis unter 25 Jahre profitierten vom guten Arbeitsmarkt (Minus 20,2 Prozent aktuell zu Dezember 2017), ebenso ein Teil der Langzeitarbeitslosen (Minus 10,8 Prozent aktuell zu Dezember 2017).

Ältere ab 55 Jahren und schwerbehinderte Menschen dagegen tun sich schwerer, eine Arbeitsstelle zu finden und dauerhaft in Beschäftigung zu bleiben. Für das Jahr 2019 möchte ich in diesem Zusammenhang auf zwei neue Gesetze, die der Bundestag beschlossen und auf den Weg gebracht hat, hinweisen.

Mit dem „Teilhabechancengesetz“, können einem Arbeitgeber, der einen beim Jobcenter gemeldeten Langzeitarbeitslosen in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung übernimmt, bis zu 100 Prozent der Lohnkosten ersetzt werden. Der Spielraum hinsichtlich Höhe und Dauer für eine gezielte Förderung wurde mit dem neuen Gesetz deutlich ausgebaut.

Das „Qualifizierungschancengesetz“ stärkt die Weiterbildungsförderung von Beschäftigten, auch hier wurde der Förderrahmen konkretisiert und erweitert. Nähere Informationen bekommen Sie von unserem Arbeitgeberservice unter der kostenfreien Hotline 0800 4 5555 20.“

Vontra zu den Dezemberzahlen: „Wie bereits oben kurz erwähnt verabschiedet sich das Jahr 2018 mit einer für diesen Monat sehr niedrigen Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent (Vergleichsmonat des Vorjahres 2,6 Prozent), bei knapp über 7 000 Arbeitslosen. Mitverantwortlich für dieses gute Ergebnis ist – ähnlich wie in den vergangenen Jahren – das gute Wetter bis zum 11. Dezember, dem statistischen Zähltag. Die vergleichsweise milden Temperaturen mit nur geringem Schneefall ermöglichten die Fortführung und/oder Fertigstellung von Arbeiten im Freien.

Viele Betriebe des Bauhaupt- und Baunebengewerbes sowie im Straßenbau hatten das ganze Jahr hindurch eine gute Auftragslage und waren froh darüber, noch offene Aufträge abarbeiten zu können. Um Kündigungs- und Meldefristen einzuhalten, hat so mancher Arbeitgeber – trotz der guten Witterung – vorsorglich die Entlassung ausgesprochen. Die Betroffenen werden sich in den nächsten Tagen bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden, so dass die Erwerbslosigkeit insbesondere bei denjenigen, die in Außenbereichen arbeiten, im Januar ansteigen wird.“

Fast 1000 offene Stellen im Agenturbereich

Der stellvertretende Agenturleiter zum Stellenmarkt: „Zum Zähltag gab es insgesamt 5 160 zu besetzende Stellenangebote. Die Unternehmen haben dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Rosenheim von Mitte November auf Mitte Dezember 980 Stellen neu gemeldet. Der hohe Stellenbestand (530 mehr als im Dezember 2017) unterstreicht, wie aufnahmefähig der hiesige Arbeitsmarkt weiterhin ist.

Zum Start ins neue Jahr möchte ich an die Arbeitgeber appellieren: Es wäre schön, wenn Sie als Arbeitgeber einen zweiten Blick auf vermeintlich ungeeignete/unpassende Bewerber richten würden. Wir beraten Sie gerne über die unterschiedlichsten Fördermöglichkeiten, auch im Rahmen der neuen Gesetze.“

Jahresrückblick in absoluten Zahlen

Im Januar waren mit 8 990 die meisten Arbeitslosen gemeldet. Bis Juni sank deren Zahl kontinuierlich, stieg dann in den Ferienmonaten Juli, August, September wieder leicht an und im goldenen Oktober waren mit 6 620 Betroffenen so wenige Personen arbeitslos gemeldet wie zuletzt in den 1980er Jahren. Insgesamt lag die durchschnittliche Arbeitslosenzahl für den Agenturbezirk Rosenheim mit 7 360 um 640 unter dem Vorjahreswert.

4 460 Kunden wurden nach dem SGB III (Sozialgesetzbuch III) durch die Agentur für Arbeit in Rosenheim sowie in den Geschäftsstellen Holzkirchen, Bad Tölz und Wolfratshausen betreut. 2 900 Kunden waren nach dem SGB II bei den Jobcentern der Stadt Rosenheim, der Landkreise Rosenheim und Bad Tölz-Wolfratshausen sowie des Landkreises Miesbach, der sich als optierende Kommune eigenständig um die Betreuung kümmert, gemeldet. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote für das Jahr betrug 2,5 Prozent und unterschritt den Vorjahreswert um 0,2 Prozentpunkte.

Vontra betont, dass der gute Arbeitsmarkt keinen Stillstand bedeutet: „Im Jahresverlauf haben sich knapp 31 800 Menschen bei der Agentur für Arbeit oder den Jobcentern arbeitslos gemeldet, weil ihre Arbeitsverhältnisse endeten, oder andere Gründe vorlagen. Dem gegenüber standen mehr als 32 200 Abmeldungen aus der Arbeitslosigkeit, viele konnten eine Arbeit aufnehmen, andere starteten mit einer geförderten Qualifizierungsmaßnahme“, so der stellvertretende Agenturleiter.“

Arbeitslosigkeit nach Personengruppen in der Rückschau: Bei den Jugendlichen unter 25 Jahren waren im Jahresdurchschnitt 740 von Arbeitslosigkeit betroffen, 150 weniger als im Vorjahr. Bei den über 55-Jährigen gab es nur eine leichte Verbesserung der Situation, hier waren im Schnitt 1 890 arbeitslos gemeldet (35 weniger als im Vorjahr). Bei den Langzeitarbeitslosen errechnet sich ein Jahresdurchschnitt von 1 460 Betroffenen (170 weniger als im Vorjahr). Auch die Anzahl der arbeitslos gemeldeten Ausländer ist 2018 im Vorjahresvergleich um 150 auf 2 000 zurückgegangen.

Vontra abschließend: „Für das Jahr 2018 kann man zusammenfassend sagen, dass die Bilanz die positive Lage auf dem regionalen Arbeitsmarkt unterstreicht. Wir haben hier in der Region viele Klein- und Mittelbetriebe, die bei der aktuellen guten wirtschaftlichen Lage ein Garant für einen stabilen Arbeitsmarkt sind. Viele Unternehmen haben uns im Laufe des Jahres fast 13 800 freie Arbeitsplätze, rund 400 mehr als im Vorjahr, zur Besetzung gemeldet, die meisten waren sozialversicherungspflichtig. Einige Faktoren deuten zwar darauf hin, dass es die eine oder andere Eintrübung geben könnte, im Großen und Ganzen gehen wir aber von einer weiterhin positiven Entwicklung auf dem heimischen Arbeitsmarkt für das Jahr 2019 aus.“

Der Arbeitsmarkt In den weiteren Regionen des Agenturbezirkes Rosenheim:

  • Für die Stadt Rosenheim errechnet sich im Dezember eine Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent (Vergleichsmonat des Vorjahres 4,2 Prozent). Derzeit sind 1 350 Bürger/innen ohne Arbeit. Bei den SGB III-Kunden, die durch die Agentur für Arbeit in Rosenheim betreut werden, stieg die Anzahl der Arbeitslosen um 7 Betroffene auf 665. Für 685 SGB II-Kunden, 27 weniger als im Vormonat, ist das Jobcenter Rosenheim Stadt zuständig. Insgesamt betreut das Jobcenter 2 178 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 1 749 sogenannten Bedarfsgemein-schaften leben.

Im Jahresdurchschnitt waren 2018 in der Stadt Rosenheim 1 422 Menschen ohne Beschäftigung. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug 4,1 Prozent (Vorjahr 4,6 Prozent).

  • Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen weist im Dezember eine Arbeitslosenquote von 2,0 Prozent (Vergleichsmonat des Vorjahres 2,2 Prozent) auf. 1 366 Bürger/innen sind beschäftigungslos. Davon sind 889, 46 mehr als vor einem Monat, in den Agenturen Bad Tölz und Wolfratshausen gemeldet. 477, das sind 22 mehr als im November, werden vom Jobcenter Bad Tölz-Wolfratshausen betreut. Insgesamt sind beim Jobcenter 1 958 erwerbsfähige Leistungsberechtigte gemeldet, die in 1 541 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

1 462 Menschen waren im Jahresdurchschnitt im Bereich des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen ohne Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote lag im Jahresdurchschnitt bei 2,1 Prozent (Vorjahr 2,5 Prozent).

  • Im Landkreis Miesbach sind derzeit 1 224 Bürger ohne Erwerbstätigkeit, was einer Quote von 2,3 Prozent (Vergleichsmonat des Vorjahres 2,5 Prozent) Davon sind 833 arbeitslose Männer und Frauen bei der Agentur für Arbeit in Holzkirchen gemeldet, 49 mehr als im Vormonat. Für die Betreuung der Arbeitslosengeld II – Empfänger nach dem SGB II ist der Landkreis Miesbach als optierende Kommune mit seinem Jobcenter alleine zuständig. Hier werden 391 Arbeitslose betreut, 14 weniger als im Vormonat. Insgesamt sind 1 080 erwerbsfähige Leistungsberechtigte beim Jobcenter gemeldet, die in 851 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

Jahresdurchschnittlich waren im Bezirk des Landkreises Miesbach 1 265 Menschen ohne Erwerbstätigkeit gemeldet. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 2,3 Prozent (Vorjahr 2,6 Prozent).

 

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