Wirtsgarten am Inn gestoppt

Rolle rückwärts: Nach anfangs positiven Signalen verweigert Landratsamt Genehmigung - Kommt kleinere Lösung?

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Es hätte so schön sein können: Am Ufer des Inn gemütlich ein Bier trinken und deftige Schmankerl genießen. Doch daraus wird voraussichtlich nichts. Obwohl die Stadt stets das Gastronomie-Projekt unterstützte und auch das Landratsamt Rosenheim zunächst aufgeschlossen gewesen war, flatterte vor wenigen Wochen ein Schreiben ins Wasserburger Rathaus. Seitenlang listet darin die Behörde auf, was gegen eine Genehmigung spricht. Und das sind vor allem baurechtliche Gründe, wie Bürgermeister Michael Kölbl gestern bei der Sitzung des Bauausschusses (wir berichteten) bekannt gab.

„Man schießt mit Schrot auf so ziemlich alles, was sich bewegt“, quittierte der Bürgermeister erstaunt die Absage aus Rosenheim. Zwar sei es klar gewesen, dass vor einer für die Gaststätte notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans eine Genehmigung des Landratsamtes erforderlich war – die plötzliche Vielzahl an Gegenargumenten verwunderten aber die Stadträte. „Was ist denn da in Rosenheim los?“, fragte etwa Wolfgang Schmid (CSU) kopfschüttelnd angesichts der zahlreichen Einwendungen.

Gegen die Wirtschaft mit Biergarten, die in etwa auf Höhe des TSV-Vereinsheimes am Inndamm geplant war (Foto), spreche beispielsweise, dass die natürliche Eigenart der Landschaft und der Erholungswert nicht beeinträchtigt werden dürfe. Bei dem Standort handele es sich um ein wichtiges Naherholungsgebiet, das nicht durch Gastronomie gestört werden solle. Als besonders negativ schätzt das Landratsamt außerdem die Gefährdung der Wasserwirtschaft und des Hochwasserschutzes ein – besonders in den Sommermonaten steige der Inn immer wieder über den Pegel.

Auch in der gaststättenrechtlichen Stellungnahme findet die Inn-Wirtschaft keine Gnade. Beispielsweise mit dem Hinweis auf barrierefreie Nutzung und dem Bereithalten einer Behindertentoilette argumentiert das Amt gegen das Projekt. Was aber Bürgermeister Kölbl am meisten wunderte, war die behördliche Einwendung, dass damit ein unerwünschter Siedlungssplitter entstehe – also ein Gebäude abseits der zusammenhängenden Bebauung.

 

„Es liegt nicht an uns“, meinte Kölbl beinahe entschuldigend, „aber man hat so viele Hürden aufgebaut, dass man nicht mehr über alle springen kann.“ Verstimmt zeigte sich Christian Stadler (Grüne): „Das ist schon ärgerlich. Erst gibt es ein Signal, dass da was gehen kann – und dann so was!“ Weil aber das Landratsamt rein rechtlich auf der sicheren Seite ist, empfahl der Bauausschuss einstimmig den potentiellen Betreibern, das Vorhaben nicht weiter zu verfolgen.

Die wollen noch nicht ganz aufgeben: Statt einer Wirtschaft, die ohnehin nur an den Wochenenden geöffnet haben sollte, wollen sie jetzt eine vorübergehende Nutzung über beispielsweise zwei Wochen beantragen.

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6 Kommentare zu “Wirtsgarten am Inn gestoppt

  1. Wieso ist Herr Stadler verstimmt? Müsste ihm doch gefallen ,dass kein Eingriff in die Natur stattfindet und keine Lichtverschmutzung.

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    1. Was genau geplant war, weiß ich leider nicht. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der Eingriff in die Natur besonders gravierend gewesen wäre.

      Die Lichtverschmutzung sollte sich in einem Biergarten auch ziemlich in Grenzen halten, der ist sicher nicht die ganze Nacht geöffnet. Warum gönnen Sie einem Grünen nicht sein Bier im Grünen?

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  2. Etwas zu zerstören und zu verhindern war immer schon leichter als etwas zu reparieren und zu gestalten.
    Danke liebe Bürokraten aus der großen Stadt.
    In welchen Biergarten wollt Ihr denn langfristig gehen?
    Bleiben leider nicht viele über und Neue wollt Ihr auch nicht.
    Kulturverlust pur 🙈

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  3. Danke, LRA Rosenheim.

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    1. Bitte, gerne!

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  4. Ich finde das so schade, die Natur ist wichtig, das wissen mittlerweile so ziemlich alle, aber der Mensch, der die Natur ja lieben und schätzen soll und sich in ihr aufhalten möchte, wird hier nicht geachtet. Und eine Einkehrmöglichkeit an so einem schönen Ort, wo niemand gestört wird, ist für Leib und Seele etwas sehr Wertvolles, geselliges, hält die Gesellschaft zusammen, in heutiger Zeit eine große Aufgabe, auch für einen Biergarten. Ein kluger Mann sagte mal: Kultur fängt bei der Feuerwehr Kapelle an, ich ergänze auch beim Biergarten. Außerdem sollten wir doch alle im letzten halben Corona Jahr gelernt haben, dass es um Verhältnismäßigkeit und Abwägung geht. Das scheint hier nicht geschehen zu sein.Schade.

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