„Wir sind sehr erleichtert“

Altstadtbahn: Bürgermeister Michael Kölbl freut sich über das Urteil – Frust bei „Pro Bahn"

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„Wir haben gewonnen“ – so lautete der erste Kommentar von Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl zur Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig gegen eine Wiederbelebung der Bahntrasse in die Altstadt. Trübe Stimmung dagegen bei den Befürwortern der Schienen am Inn entlang, für die ein jahrzehntelanger Kampf endet. Die Wasserburger Stimme hat mit den Beteiligten gesprochen..

„Die Pläne für die Reaktivierung sind endgültig vom Tisch“, stellt Kölbl zufrieden fest. Am meisten freue ihn, dass der Stadt von höchster Stelle bestätigt wurde, „dass wir gut und gründlich gearbeitet haben.“ Rechtskräftig sei die Kommune nicht mehr verpflichtet, die Strecke zu unterhalten. „Darüber bin ich sehr erleichtert.“

Denn die Stadt, die zunächst eine Betriebsverpflichtung innehatte, ersparte sich zuletzt hochgerechnet jährlich 40.000 Euro für den Unterhalt der Trasse, wenn diese in Betrieb gewesen wäre – in elf Jahren also insgesamt 440.000 Euro.* „Die Richter haben auch hier bestätigt, dass es ein übliches und auskömmliches Angebot war und es keinerlei Gründe gab, rund 1,6 Millionen Euro zu bezahlen, wie es die Gegenseite forderte“, so der Bürgermeister, der sichtlich froh ist, dass die Stadt keine Betriebsverpflichtung mehr hat.

 

Was mit der Strecke passiert, steht derweil noch in den Sternen. „Dort herrscht noch eisenbahnrechtliches Baurecht, weshalb wir nicht irgendetwas dort machen können“, betont Kölbl. Er könne sich sehr gut einen Rad- und Gehweg dort vorstellen. Dafür müsse geklärt werden, ob das Baurecht gelöscht wird: „Das kann dauern.“ Denn im Zusammenhang mit dem im Bau befindlichen zweiten S-Bahn-Tunnel in München, wird der Freistaat Bayern überprüfen, ob und welche Strecken im Umland ertüchtigt werden.

„Mir als ehemaligem Richter hat die Verhandlung Spaß gemacht“, bilanziert Kölbl den gestrigen Tag, „wir freuen uns sehr, dass wir auf voller Breite Recht bekommen haben. Sein Dank gelte seinen Mitarbeitern Stadtkämmerer Konrad Doser und Andreas Hiebl (für den ÖPNV zuständig), die sorgfältig gearbeitet hätten und den Bürgermeister auch nach Leipzig begleitet hatten.

 

Die Enttäuschung ist Bernd Meerstein, Sprecher der Ortsgruppe Wasserburg von „Pro Bahn”, deutlich anzuhören. „Mir geht’s ned guad“, so Meerstein, der eingestehen muss, dass es nun keine Rechtsmittel mehr gibt. „Von unserer Seite aus haben wir alles richtig gemacht“, blickt er zurück. Er es für eine Katastrophe in Zeiten des Klimawandels zu sagen, man brauche die Bahn nicht. „Von einem Zug direkt in die Altstadt hätten Touristen wie Bürger gleichermaßen profitiert.“

 

Frustriert zeigt sich auch Norbert Moy, Vorsitzender von „Pro Bahn” in Oberbayern, der auch vor Ort in Leipzig war. „Wir haben Jahrzehnte an dem Projekt hingearbeitet, sind bis an die Grenzen dessen gegangen, was man überhaupt tun kann“, berichtet Moy. Vielleicht habe man die Widerstände unterschätzt, man habe sich auch „irgendwie verschlissen.“ Eine winzige Hoffnung habe er noch, weil die Strecke noch nicht entwidmet sei.“ „Man kann doch dort gar nichts anderes machen als Eisenbahnverkehr“, sagt der Vorsitzende, in der Hoffnung, der Freistaat und die Bahn sichern sich dafür die Trasse, die freilich noch im Besitz der Stadt ist.

 

(* Anmerkung der Redaktion: Die Unterhaltskosten wurden nicht, wie zunächst fälschlich berichtet, tatsächlich entrichtet. Es handelt sich um fiktive Kosten, die bei einem Betrieb angefallen wären. Wir danken „Pro Bahn” für den Hinweis auf den Fehler.)

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9 Kommentare zu “„Wir sind sehr erleichtert“

  1. Das Konsorzium, das die Bahnstrecke reaktivieren wollten, htt sich einfach verzockt. Statt auf das ausgehandelte Angebot der Stadt einzugehen, wagten sie den Schritt vor die Richter. Bläd glaffa Freude bei Meggle und Bahntrassenanliegern und sonstigen. Schuld sind also nicht die Bahngegner oder der Freistaat oder die Stadt, sondern sie selbst. ManchMmoi laffts hoid anders, ois ma moand.

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    1. Man könnte da einen schönen Themenweg machen z.B. über den Inn oder über Wasserburg ( Historie ,Sehenswürdigkeiten, )über die ehemalige Bahnstrecke, Hinweise über Rad -und Wanderwege um Wasserburg . Ein paar Ruhebänke aufstellen .Schöne Aussichtspunkte herrichten. Bankerlweg : Beispiel Aschau .Hr. Moy sieh sehen man da mehr machen als nur Bahngleise bauen. Man könnte durch den Geh und Radweg der ehemaligen Bahnstrecke ein Denkmal setzen . Was auch kostengünstiger wäre.

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  2. Die Stadt wird verlieren , wenn die Bahnzufahrt auf die Halbinsel nicht wieder aktiviert wird .

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    1. Glaub ich auf keinen Fall !!

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    2. Warum werd de Stod valiern, Herr Gottfried Held? De letztn 33 Jahr ham ma jetzt koan Zug mehr in da Stodt kabd, und wos ham mia verlorn? In de nachsdn 33 Jahr werdes ned fui mehra wern. Wenns wieda eina gfahrn war, dan hättn olle Bürga vui Gäid (Steiagäida) verlorn, mehra ned.

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  3. Schade !
    Ein Traum ist “ausgeträumt”, die Stadt verliert wieder ein “Stück Nostalgie”.
    Die Älteren werden sich gerne daran erinnern: An die Altstadtbahn, …an den Biergarten, …an die Fähre zum Blaufeld… und, und,, und.
    Wieder ein Stück Geschichte für das Stadtmuseum.
    Mal sehen, was die Stadt jetzt daraus macht? (…)

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  4. Einfach so lassen wie es ist, kostet nix und der Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen bleibt erhalten.

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  5. Endlich is der schmarrn vorbei!
    “in Zeiten des Klimawandels”🤔
    Reaktivierung einer Bahnstrecke parallel zum Stadtbus…
    Sehr Ökologisch…
    Ein Fuss.-Radweg wäre SUPER, jetzt ist es ein schöner Abenteuerweg!

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  6. Von Reitmehring (Wasserburg Bahnhof) wird der Filzenexpress nach München in den nächsten Jahren elektrifiziert und zur S-Bahn aufgewertet. Spätestens dann wird sich wohl jeder Pendler aus Wasserburg eine komfortable, spurtstarke und elektrische Altstadt (Express) S – Bahn nach München wünschen. Statt weiter im Bus oder im Auto auf verstopften Straßen erst nach Reitmehring fahren und dort umsteigen zu müssen. Hier kann die Politik den Worten vom Klimaschutz und von einer Verkehrswende Taten folgen lassen und auch die weitere Elektrifizierung bis in die Wasserburger Altstadt mitfinanzieren. Damit Wasserburg nicht endgültig von der Zweiten S – Bahnstammstrecke ‘abgehängt’ wird. (…)

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