„Wir sind keine Hilfs­she­riffs“

Sicherheitswacht stellte sich im Wasserburger Stadtrat vor

image_pdfimage_print

Die gestrige Sitzung des Wasserburger Stadtrates begann mit einem Paukenschlag: Christian Stadler von den Grünen stellte einen Antrag zur Geschäftsordnung. Er wollte die Vorstellung der Sicherheitswacht durch Wasserburgs Polizeichef Markus Steinmaßl von der Tagesordnung streichen lassen. Seine Begründung: Es sollten gleichzeitig auch diejenigen zu Wort kommen können, die sich gegen eine Sicherheitswacht aussprechen – zum Beispiel die Gewerkschaft der Polizei. Nachdem Stadler mit seinem Antrag bei den Räten der anderen Fraktionen auf Granit biss, zog er diesen wieder zurück.

Kein Verständnis hatte auch Bürgermeister Michael Kölbl für Stadlers Antrag: „Wir haben das mit allen Fraktionssprechern besprochen, alle wollten die Vorstellung der Sicherheitswacht im Stadtrat. Das haben alle monatelang im Vorfeld gewusst. Und jetzt kommt kurz vor der Sitzung dieser Antrag. Das kann ich nicht nachvollziehen.“

Außerdem gehe es zunächst ja um keine Entscheidung, sondern um lediglich um eine Vorstellung. Kölbl mit Blick auf den Polizeichef, zwei weitere Beamte und einen Vertreter der Waldkraiburger Sicherheitswacht, die im Sitzungssaal zu Gast waren: „Man schmeißt die Gäste, die man eingeladen hat und die bereits im Wohnzimmer sitzen, nicht einfach wieder raus.“ Er glaube, bei Stadlers Antrag handle es sich um „politisches Kalkül in Zeiten des Landtagswahlkampfes“.

Stadler konterte: „Ich war in dieser Dienstbesprechung nicht dabei. ich finde es jedenfalls nicht gut, wenn man da nicht beide Seiten hört.“ Er könne sich als  Kompromiss vorstellen, in einer der nächsten Sitzungen die andere Seite zu hören. „Dann würde ich den Antrag zurückziehen.“

Wolfgang Janeczka (SPD) erklärte, er könne den Wunsch, dass man andere Positionen auch anhört, durchaus nachvollziehbar. „Dass dies jetzt aber auf diese Art und Weise vonstatten gehen soll, das ist wohl jetzt schon unter Wahlkampfaspekten zu sehen. Wir von der SPD neigen nicht zu einer einseitigen Information und brauchen auch niemanden, der uns davor schützt.“

Ins gleiche Horn stieß Lorenz Huber (Bürgerforum): „Wir lehnen den Antrag ebenfalls ab. Aus unserer Sicht können wir aber gerne auch in den Stadtrat einladen.“

Stadler, der schließlich seinen Antrag zurückzog: „Vielleicht sollten wir alle Stadtratssitzungen bis nach der Landtagswahl ausfallen lassen. Mittlerweile ist ja praktisch alles Wahlkampf.“

„Bürger für Bürger“

Geduldig warteten während der ganzen Diskussion Inspektionschef Markus Steinmaßl, zwei seiner Kollegen vom Polizeipräsidium und Jürgen Zabelt von der Waldkraiburger Sicherheitswacht, bis sie an der Reihe waren.

Steinmaßl eingangs seiner Präsentation: „Die Sicherheitswacht arbeitet unter dem Motto:  Bürger für Bürger“. Die Kultur des Hinsehens habe sich in der Gesellschaft leider zur Kultur des Wegsehens gewandelt. „Die Sicherheitswacht übernimmt da Vorbildfunktionen.“ Menschen wie Jürgen Zabelt seien quasi „laufende Notrufsäulen“.

Wasserburgs Polizeichef weiter. „Die Sicherheitswacht übernimmt keine Aufgaben der Polizei. Ihre Einführung habe keine Auswirkungen auf Stellenbesetzung. Sie sei sichtbarer Ansprechpartner, erteile Auskünfte an hilfesuchende Bürger und verhindere Sicherheitsstörungen. „Die Sicherheitswacht ist Bindeglied zur Polizei. Sie sorgt dafür, dass sich das allgemeine Sicherheitsgefühl verbessert. Ich bin mir sicher, dass ihr Einsatz auch in Wasserburg auf hohe Akzeptanz stoßen wird.“

Als mögliche Einsatzgebiete nannte Steinmaßl das ISK-Gelände in Gabersee (in Absprache mit der Klinik-Leitung), den Inn-Damm, Bushaltestellen, größere Wohnsiedlungen, öffentliche Wege und Plätze, im Umfeld von Veranstaltungen, „die es in Wasserburg ja zur Genüge gibt.“

Der Polizeichef: „Die Sicherheitswacht kann in aller Ruhe Streife gehen, für das hat die Polizei ja leider nicht mehr soviel Zeit.“

Die Auswahl der geeigneten Bewerber übernehme die Polizei in Zusammenarbeit mit der Stadt, auf die im Übrigen keine Kosten zu kämen. „Die  Aufwandsentschädigung von acht Euro pro Stunde trägt der Freistaat. Bayernweit sei die Sicherheitswacht mittlerweile in 131 Städte und Gemeinden im Einsatz – Rosenheim seit 2010, in Waldkraiburg seit 2017.“

„Wenn’s brenzlig wird, kommt die Polizei“

Jürgen Zabelt stellte anschließend sein Tätigkeitsfeld und seinen Werdegang im Rahmen der Sicherheitswacht vor. „Ich habe mir meine Bewerbung ganz lange überlegt. Meine Befürchtung war, die ganze Sache könnte in Richtung Bürgerwehr, Blockwart oder Hilfssheriff gehen.

Jetzt, nach einem Jahr, kann ich sagen: Das ist alles nicht der Fall. Wir sind für die Bürger da. Wir gehen unsere Runden, führen viele Gespräche, melden Probleme an die Stadt und die Polizei – von der defekten Straßenlaterne bis zu privaten Nöten. Wir haben die Zeit dafür, weil wir zu keinem Unfall weggerufen werden. Wenn’s brenzlig wird, rufe ich die Polizei und die kommt sofort.“

Bürgemeister Kölbl wollte bei der anschließenden Diskussion wissen, ob es in Waldkraiburg bei den Bürgern noch Vorbehalte gegenüber der Sicherheitswacht gebe. Zabelt: „Es gab schon Skepsis. Die ist in meinen Augen aber stark zurückgegangen. In der Breite ist der Zuspruch von viel auf sehr viel gestiegen. Natürlich gibt es immer welche, die uns für G’schaftler halten.“

Andreas Ass (CSU)  wollte eine „ehrliche Einschätzung der Polizei“ in Sachen Sicherheitswacht. Dazu ein Vertreter des Polizeipräsidiums: „In Rosenheim haben wir Angst-Räume beseitigt, das läuft sehr gut, das hat beinahe Streetworker-Charakter. Wir sind froh, dass es sie gibt.“

Markus Hoeft (Grüne) gab zu bedenken, er befürchte, dass sich durch den Einsatz der Sicherheitswacht der Bürger erst recht verstecken könne. „Da werden dann viele sagen: Die machen das schon.“ Was die Polizei allerdings nicht bestätigen konnte: „In Rosenheim gibt es keinen Rückgang von Notrufen. Ganz im Gegenteil: Es gibt eher mehr, weil viele sich an die Sicherheitswacht wenden.“

Peter Stenger (SPD) wollte wissen, wie die Aspiranten durchleuchtet werden. „werden die auch auf ihre politische Einstellung hin geprüft?“ Dazu Steinmaßl: „Ein guter Leumund ist erste Voraussetzung.“ Man lasse sich unter anderem einen Auszug aus dem Bundeszentralregister kommen und klopfe den Bewerber auch auf politische Extreme ab. „Wenn was nicht passt, kommen wir spätestens im persönlichen Gespräch drauf.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren

4 Gedanken zu „„Wir sind keine Hilfs­she­riffs“

  1. „Wenn’s brenzlig wird, kommt die Polizei“
    nur zum bespitzeln brauch ma eich ned!

    22

    45
    Antworten
    1. Servus Aloisius,
      was gibt’s den bei Dir zu bespitzeln? Hast Dreck am Stecka?
      I finds guad wenn Leit Zeit ham und zuhean kennan.
      Ma kennts dann a bei de Schandis oder im Radhaus, die dean sich dann eha leichda.
      Scho klar: Was da Bauer ned kennt …
      I finds a guade Sach

      39

      15
      Antworten
  2. Wenn die keine Polizeiaufgaben übernehmen, bleibt Wasserburg weiterhin ein rechtsfreier Raum

    19

    30
    Antworten
  3. Seit wann is Wasserburg rechtsfrei? Oiso manchmoi fragt ma sich scho, ob die die sich hier auskotzen ned Hirnfrei san…

    12

    4
    Antworten