„Wir müssen Zuversicht vermitteln“

Wasserburger Rotary-Club mit außergewöhnlichem Hilfsprojekt im Libanon

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vocationalSeit Jahren schon unterstützt der Rotary-Club Wasserburg die Johann Schneller-Schule östlich von Beirut im Libanon. Eine hochmoderne CNC-Fräsmaschine wurde angeschafft, einen Photovoltaikanlage zur Warmwasseraufbereitung installiert. Die Schule, die sich um die Unterbringung und Ausbildung benachteiligter Kinder nahe des Krisengebietes an der syrischen Grenze kümmert, könnte schon bald ein ganz außergewöhnliches Vorzeigeprojekt werden. „Wir denken über eine Hotelfach- und eine High-Tech-Schule nach. Mit Ausbildung können wir Kindern und Jugendlichen Zuversicht vermitteln. Das ist das Wichtigste, was sie jetzt brauchen“, sagt Peter Rink, Rotarier und den Wasserburgern als Leiter des Gymnasiums bekannt.

„Was nützt es den Menschen in den Krisengebieten, wenn wir ihnen Geld schicken. Diese Hilfe verpufft kurzfristig“, so Rink. Viel besser sei es, den Kindern und Jugendlichen Verantwortung zu vermitteln. „Bildung schafft Verantwortung und damit wächst die Zuversicht in die eigene Zukunft.“ Deshalb sei man bei den Rotary-Distrikten in Bayern jetzt dabei, ein umfangreiches Schulprojekt im Libanon zu schaffen. „In einer Region, die derzeit 1,5 Millionen Flüchtlinge aus dem syrischen Kriegsgebiet auffangen muss.“

Kopf des Projektes ist Hans-Peter Sonnenborn vom Rotary-Club in Pfaffenhofen. Peter Rink begleitet als Libanon-Experte das Projekt tatkräftig, zumal er sich in der Region sehr gut auskennt. Der Wasserburger Schulleiter leitete von 1998 bis 2004 die Deutsche Schule Beirut-Jounieh im Libanon. In dieser Zeit konnte er häufig Syrien bereisen und seine Kenntnisse über diese Region vertiefen.

schneller_5_november-2007_13Rink: „Seit den Aufständen in Nordafrika und der Levante habe ich wiederholt bei rotarischen Freunden Vorträge über die Situation in Syrien und der Levante gehalten, war zuletzt im September im Nahen Osten. Was wir in den letzten Monaten als Flüchtlingskrise erfahren haben, ist im Grunde das Ergebnis einer völlig verfehlten Entwicklungspolitik des Westens gegenüber Afrika und dem Nahen Osten in den letzten 100 Jahren.“

Wenn man heute auf die Perspektiven einer Politik blicke, die die Möglichkeiten von Bildung befördere, erkenne man schnell, dass die Erfolgschancen eigentlich eher gering seien. Rink weiter: „Diejenigen, die Verantwortung für diese Welt tragen, sind an der Entwicklung der Menschen im Nahen Osten und in Afrika nicht so interessiert wie an der Ertragssituation.“ Genau diese Einstellung fördere Migration, Flucht und Völkerwanderung. Die Ursachen für die Flucht lägen nur zu einem geringen Teil in den Diktaturen in Syrien, Irak, Ägypten oder Libyen. „Sie liegen viel mehr in der demographischen Situation und in der Perspektivlosigkeit für die jungen Menschen.“

Genau an dieser Stelle wolle man mit dem Schulprojekt ansetzen. Und man habe bereits potente Partner dafür gewinnen können. So werde das Projekt von Rotary-International und mittlerweile auch vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit unterstützt. Der Clou dabei: „Alles, was wir von den Rotary-Distrikten im Süden Bayerns an Geld für das Projekt sammeln, erhöht die Rotary-Foundation auf das 2,5-Fache, das Bundesministerium sogar nochmals auf das Zehnfache. Da macht dann wirklich jeder Euro richtig Sinn.“

l1070857Rink, der in den vergangenen Jahren fast ein Dutzendmal die Schule im Libanon besucht hat, schätzt, dass man das Schulprojekt in drei bis vier Jahren realisieren könne. „Wir warten derzeit nur noch auf ein Wort von den Libanesen. sie müssen uns sagen, wo wir mit dem Projekt hingehen sollen, was sie sich am besten vorstellen könnten.“ Bis dahin hält der Wasserburger Schulleiter in Süddeutschland Vorträge – über den Nahen Osten, Syrien, den Krieg und wie man helfen kann. „Jeder Flüchtling, der zu uns kommt, wird zweimal entwurzelt. Erst bei seiner Flucht, dann auch noch, wenn er irgendwann heimkehrt. Denn die Menschen finden sich dann oft in ihrem eigenen Land nicht mehr zurecht. Das Rotary-Schulprojekt hilft, Flucht zu verhindern.“ HC

 

 

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