„Wir haben ein großes Gottvertrauen”

Zum Kirchen-Neubauplan mit Kindergarten ein Gespräch mit Pastor Frederik Woysch

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Der erste Schritt ist getan. Gestern gab der Bauausschuss der Stadt Wasserburg grünes Licht für die Änderung des Flächennutzungsplanes am Burgstall (wir berichteten). An der Salzburger Straße, gegenüber des ehemaligen Autohauses Weinberger, ist die Wasserburger Adventgemeinde angesiedelt. Die evangelische Glaubensgemeinschaft will ihr altes Kirchengebäude, das arg in die Jahre gekommen ist, durch ein neues ersetzen. Und es sollen ein neuer Kindergarten und eine Kita entstehen, was die Stadt sehr befürwortet. „Wir stehen noch ganz am Anfang der Planungen. Es sieht aber alles ganz gut aus”, sagt Pastor Frederik Woysch und fügt schmunzelnd hinzu: „Wir haben großes Gottvertrauen!”

„Im Zuge unserer Planungen kamen wir mit der Stadt ins Gespräch. In Wasserburg gibt es noch Bedarf für mindestens vier Kindergarten beziehungsweise. Kinderkrippen-Gruppen. Zwei davon könnten wir übernehmen”, so der Pastor, der für rund 100 Gemeindemitglieder und 40 Kinder, Teens und Jugendliche zuständig ist.

Noch sei nichts in trockenen Tüchern. Aber: „Wir stehen in Verhandlungen mit unseren Nachbarn, um Grundstücke zu tauschen. Am jetzigen Standort unserer Kirche platzt alles aus den Nähten. Wir haben auch zu wenig Stellplätze. Das geht zu unseren Gottesdiensten am Wochenende gerade so. Wenn da oben aber dann täglicher Kindergarten-Betrieb sein soll, wird’s endgültig nicht mehr funktionieren.” Deshalb wolle man auf ein rund 2000 Quadratmeter großes Areal direkt an der Salzburger Straße ausweichen (Foto).

Glück für die Adventgemeinde: Sie haben nette Nachbarn. Besonders einer ist der Gemeinde sehr wohl gesonnen. Wasserburgs letzter Bauer, Hermann Kühn: „Ich bin mit der Adventgemeinde aufgewachsen. Wir haben immer eine gute Nachbarschaft gepflegt. Deshalb ist es jetzt für mich auch eine Freude, wenn wir den Grundstückstausch ganz unaufgeregt über die Bühne bekommen.”

Dieser Grundstückstausch könnte so aussehen: Die Adventgemeinde erhält die grüne Wiese neben der Salzburger Straße für ihr Bauprojekt. Die alte Kirche direkt neben Hermann Kühns landwirtschaftlichen Anwesen wird rückgebaut. Dort entsteht eine Streuobstwiese, was wiederum den Landwirt freut, der eng mit Wasserburger Kindergärten und Schulen zusammenarbeitet und den Kindern seinen Burgstallhof näherbringt.

„Noch ist nichts notariell bestätigt, aber wir arbeiten daran”, so Woysch. „Und auch die Anwohner an der Straße, die an der Kirche vorbeiführt, hätten natürlich etwas davon, wenn wir aus der beengten Lage rausziehen.”

Bis dahin ist es allerdings noch ein ziemlich weiter Weg. Der Gang durch die Behörden steht an. Baugenehmigungen, die schriftliche Zustimmung der Nachbarn wollen eingeholt werden und auch die sogenannte „Beteiligung der Träger öffentlicher Belange” ist natürlich noch ein wichtiger Schritt. Dennoch ist Woysch zuversichtlich: „Wir machen das alles sehr transparent und gesprächsoffen. Wir wollen niemandem auf den Schlips treten. Wenn alles gut geht, steht der neue Gebäudekomplex mit Gotteshaus, Kindergarten und Krippe sowie Nebenräumen bis 2022.”

Mehr als 3 Millionen Euro sind aktuell für den Neubau veranschlagt. „Unseren Teil werden wir allein aus Spenden finanzieren. Beim Kindergarten zählen wir auf Zuschüsse der öffentlichen Hand und die Abschreibung über den laufenden Betrieb.”, so Woysch.

Man habe lange überlegt das fast 60 Jahre alte Kirchengebäude zu sanieren. „Das hätte aber auch ohne großen Raumgewinn wohl mind. 1 Million gekostet mit erheblicher Unsicherheit, ob die Summe wirklich ausgereicht hätte. Da machen wir das jetzt lieber gleich neu.” Auf jeden Fall müsse man etwas unternehmen, weil das alte Gemäuer an allen Ecken und Enden bröckelt. „Das Gebäude entspricht in keinem Teil mehr den heutigen Ansprüchen, ist nicht mal barrierefrei”, so der Pastor.

 

Was ist denn eigentlich die Adventgemeinde?

„Wir sind eine bunte Kirchengemeinde mit knapp 100 getauften Mitgliedern und gut 50 Kindern, Teenagern und Jugendlichen. Zusammen feiern wir Gottesdienst, essen gerne, studieren die Bibel, lieben das Leben, freuen uns über Kinder- und Jugendarbeit, sind Teil der Stadt Wasserburg und hoffen auf Gottes neue Erde”, so der Pastor.

Die Adventgemeinde Wasserburg ist Teil der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, einer evangelischen Freikirche, die es in fast allen Ländern dieser Erde gibt.

„Unser Name deutet auf zwei Glaubensüberzeugungen hin, die uns besonders wichtig sind: Als Adventisten feiern wir den Ruhetag am Samstag, dem biblischen ,siebten Tag’. An ihm begegnen wir Gott, und verbringen Zeit miteinander. Und als Adventisten erinnern wir uns an Jesu Versprechen, dass er bald wiederkommen und dann eine neue Erde machen wird. Darauf freuen wir uns.”

Ihre Wurzeln hat die Freikirche in den verschiedenen geistlichen Aufbrüchen des 18. und 19. Jahrhunderts in Amerika. Seit ihrer Gründung im Jahr 1863 legt die Freikirche der Adventisten großen Wert auf Bildung, Gesundheit und soziales Handeln. Sie betreibt weltweit ein großes Netzwerk an Krankenhäusern, Sanatorien und Nahrungsmittelfabriken, Schulen und Universitäten sowie Alten-, Kinder- und Waisenheimen.

In Deutschland unterhalten Adventisten verschiedene Kindergärten und Schulen eine staatlich anerkannte Universität (Theologische Hochschule Friedensau), eine Sucht-Fachklinik (Haus Niedersachsen), eine Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen (Haus Odenwald), fünf Altenheime (unter anderem das Haus Wittelsbach in Bad Aibling), ein Krankenhaus, sowie ein Wohlfahrtswerk (AWW), das auch der rechtliche Träger des Kindergartens in Wasserburg werden wird, und eine internationale Entwicklungshilfeorganisation (ADRA).

Die Freikirche der Adventisten hat weltweit zirka 20 Millionen getaufte Mitglieder, zu denen zirka sieben Millionen Kinder und Jugendliche hinzukommen. In Deutschland gehören der Adventgemeinde 35.000 getaufte Mitglieder und zirka 5.000 Kinder und Jugendliche an.

Die Freikirche der Adventisten ist Körperschaft des Öffentlichen Rechts. Sie ist Mitglied in der Deutschen Bibelgesellschaft und im Evangelischen Posaunendienst in Deutschland sowie Gastmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen.

Der Pastor: „Als evangelische Christen stehen wir in der Tradition von Martin Luther, Ulrich Zwingli und Johannes Calvin, die den christlichen Glauben im 16. Jahrhundert reformierten. Mit der evangelischen Kirchengemeinde Wasserburg und Pfarrerin Cordula Zellfelder pflegen wir ein respektvolles, freundschaftliches Verhältnis, was uns besonders freut.”

HC

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