„Wir haben aktuell großes Glück”

Caritas-Altenheim St. Konrad derzeit ohne Corona-Fall - Aber Fachpersonal dringend gesucht

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„Wir hatten im Mai mal eine schwere Zeit, aktuell sind wir aber in der glücklichen Lage, keinen einzigen Corona-Fall bei Mitarbeitern oder Bewohnern zu haben.” Man merkt Franz Bachleitner, dem Leiter des Altenheims St. Konrad in Wasserburg, seine Erleichterung an. Allerdings nur, was Corona betrifft. Denn wie viele Senioren- und Pflegeeinrichtungen leidet auch sein Haus akut unter Mangel an Fachpersonal.

„Bisher konnten wir offene Stellen immer nach einer gewissen Zeit wieder besetzen. Aktuell schaut’s aber schlecht aus. Wir suchen händeringend nach Pflegefachkräften und Pflegefachhelfern in Voll- und Teilzeit.” Der Mangel an Fachkräften sei übrigens nicht erst seit Corona zu spüren, „der ist quasi in allen Pflegeeinrichtungen seit längerem allgegenwärtig”.

Dennoch kann Bachleitner derzeit etwas durchatmen. „Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus haben bei uns aktuell gegriffen. Da ist natürlich auch ein bisschen Glück dabei und ich hoffe, dass wir möglichst lange corona-frei bleiben.” Die Pflicht zur Anmeldung bei den Besuchern, die Pflicht, einen negativen Test vorzulegen und die Tests der Mitarbeiter, die zweimal in der Woche stattfänden, hätten ihre Wirkung gezeigt.

„Und wir setzen auch auf so genannte protektive Pflege- und Betreuungsmaßnahmen. Wer aus dem Krankenhaus in unser Haus zurückkommt, wer neu aufgenommen wird, der muss erstmal 14 Tage in eine vorsorgliche Schutzmaßnahme. Diese Zeit kann allerdings durch einen negativen Test auf fünf Tage verkürzt werden.” In dieser Zeit dürften die Bewohner ihre Zimmer nur unter zwingender Einhaltung der Hygieneregeln und in Begleitung eines Mitarbeiters verlassen. Die Teilnahme an Gruppenveranstaltungen wie zum Beispiel Gottesdienst seien somit ausgeschlossen.

Insgesamt stehe das Altenheim St. Konrad in der Krise relativ gut da, „weil kaum jemand von den Bewohnern, Angehörigen oder Mitarbeitern die getroffenen Maßnahmen in Frage stellt. Da weiß ich von anderen Häusern, wo dann schon mal Anwälte eingeschaltet werden. Dann wird’s schwierig und das Risiko erhöht sich.”

Impfung wird vorbereitet

Derzeit bereite sich das Caritas-Altenheim am Stadler Garten auf die Corona-Impfung vor. „Wir haben nicht gleich ,hier’ geschrien, als es los ging, weil weder von Bewohnern noch Mitarbeitern großer Druck in diese Richtung ausgeübt wurde. Aber es geht jetzt dann auch bei uns los. Wir sind dabei, die nötigen Zahlen ans Landratsamt zu melden und erwarten demnächst die mobilen Impfteams im Haus.”

Mittelfristig werde sich beim Altenheim St. Konrad in der Belegung einiges ändern. Bachleitner: „Wir werden über kurz oder lang alle Doppelzimmer zu Einzelzimmern zurückbauen. Natürlich legen wir niemanden auseinander, der jetzt zu Zweit auf einem Zimmer liegt und wo das gut funktioniert. Bei allen Doppelzimmern, auf denen wir aber Abgänge haben, wird es im Anschluss keine Doppelbelegung mehr geben, mit Ausnahme eines Zimmers für Ehepaare.”

Nur so lasse sich im Pandemiefall eine optimale Sicherheit im Haus gewährleisten. „Das bedeutet natürlich eine Reduzierung der Belegungszahlen. 98 Bewohner wie jetzt, werden wir wohl in absehbarer Zukunft nicht mehr erreichen.”

 HC

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13 Kommentare zu “„Wir haben aktuell großes Glück”

  1. Es wird überall von Fachkräfte-Mangel berichtet, aber bei Bewerbungen erhält man Absagen trotz Qualifikation.
    (Ist nicht speziell auf das Pflegeheim St. Konrad gerichtet).

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  2. Das Gejammere ist immer groß, dass man keine Mitarbeiter findet.

    Aber man sollte vielleicht nicht nur jammern, sondern auch was unternehmen!
    Es gibt genügend Leute mit der Ausbildung, die aber nicht in einem starren Schichtsystem arbeiten können, wie z.B. Mütter und Väter, die Kinder haben oder auch nahe Verwandte pflegen.

    Wenn man flexiblere Schichtsysteme einführen würde, wie z.B. 4 Stunden Schichten, Teilzeit und flexible Anfangszeiten.
    Da fände man mit Sicherheit auch mehr Personal.

    Wie soll eine Mutter mit der Frühschicht um 6:00 Uhr beginnen, wenn das Kind noch nicht im Kindergarten oder in der Schule ist?

    Natürlich erschwert es die Personaleinsatzplanung, aber von Heimleitern und Pflegedienstleitungen erwarte ich doch eine gewisse Fähigkeit, so was zu planen.

    Aber es ist ja immer besser zu jammern, als seinen Kopf anzustrengen.
    Warum klappt es denn in anderen Länder, wie z.B in Holland?

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    1. Das sind mMn die drei Hauptgründe für den Personalmangel. 1. die (schlechte) Bezahlung, 2. die Arbeitszeiten und 3. die jahrelangen Personaleinsparungen.

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  3. Also das hört sich jetzt vielleicht hart an, aber wer jetzt als Fachkraft in einem Pflegeberuf Absagen bekommt … der muss sich hinterfragen.

    Ich kann aus langjähriger Erfahrung sagen, dass derzeit quasi ‘alles’ eingestellt wird (was auch ein Problem ist).

    Als ordentliche Fachkraft kannst du dir derzeit deinen Job aussuchen.
    Im Gegenteil, es wird sogar mit Prämien angeworben.

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  4. @Franz
    Das Problem ist jedoch, selbst mit gutem Examen gibt es in Wasserburg und Umgebung Einrichtungen, welche selbst ohne Einladung zum Vorstellungsgespräch eine Absage erteilen.

    Es erfolgt immer die Mitteilung, dass nur examinierte Fachkräfte mit der dreijährigen Ausbildung gesucht und entsprechend genommen werden.
    Andere Häuser jedoch hatten diesbezüglich kein Problem, Pflegefachhelfer/innen einzustellen.

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  5. Dieser Beruf ist ein soziales Engagement !
    Hier sollte die Bezahlung nicht so im Vordergrund stehen, Geld macht nicht glücklich.

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    1. Ja klar – die Leute machen die (…)Arbeit natürlich gerne auch umsonst oder zahlen sogar noch dafür…

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  6. Abdul das ist völliger quatsch. Gerade weil dieser Beruf soziales Engagement ist, sollte die Bezahlung besser ausfallen!

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  7. @ Abdul

    Selten so gelacht.

    Ich sag meinem Vermieter nächstens auch, sorry diesen Monat zahle ich keine Miete. Macht aber nix, weil Geld ja nicht glücklich macht.

    Ja, diese Arbeit erfordert soziales Engagement, aber genau deshalb sollte sie anständig bezahlt werden. Was übrigens auch auf viele andere Berufe zutrifft.

    Aber wenn Sie meinen, Geld macht nicht glücklich, sondern nur soziales Engagement, dann hoffe ich Sie ergreifen einen solchen Beruf.

    Bedanke mich bereits im voraus für Ihr Engagement.

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  8. @Abdul.
    Ja, für alte Leute zu arbeiten macht trotz Unterbesetzung und schlechter Bezahlung täglich Spaß.
    Eine wahre Freude täglich früh aufzustehen, die Kinder in den Betreuungseinrichtungen abzugeben um für wenig Geld für die betagten Pflegebedürftigen zu sorgen.
    Schön jeden Tag nach getaner Arbeit müde heim zu kommen, keine Zeit mehr für eigene Familie zu haben und totmüde ins Bett zu fallen.

    Schlafen, Aufstehen und alles beginnt wieder von Vorne . . . wirklich was Schönes.

    Sarkasmus ist auch was Schönes. Stimmts?

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  9. Franz Bachleitner, Heimleiter

    @Andreas: Bewerben Sie sich doch bitte im Altenheim St. Konrad. Ich garantiere Ihnen zeitnah ein Vorstellungsgespräch, gerne auch am Wochenende oder Feiertag.

    @schonitown: ich lade Sie ein, sich einen Eindruck davon zu machen, wie flexibel wir es bei uns anbieten.

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  10. @Franz Bachleitner
    Ich selbst bin bereits in der Pflege Tätig die Aussagen kamen von Freunden von mir, welche mir auch die schriftlichen Absagen vorgelegt haben. Wie bereits geschrieben war der Kommentar nicht speziell auf ihre Einrichtung bezogen. Mittlerweile hat jeder bereits eine Stelle in der Pflege bekommen jedoch nach langer Suche.

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  11. @Abdul Finde ihren Kommentar einfach nur unverschämt.Wir pflegen alte,kranke und behinderte Menschen.Wir pflegen die Mütter und Väter der Familien die es alleine nicht mehr schaffen.Wir kennen kein regelmäßiges Frei an Wochenenden und Feiertagen.Wir arbeiten trotz Corona an vorderster Front mit Schutzkleidung und Maske und wollen dann dafür auch noch bezahlt werden.Das ist wirklich Allerhand!!!Sie sollten sich als Praktikant oder Ehrenamtlicher bewerben,da können sie ihre soziale Ader dann richtig ausleben.

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