„Wir fahren nur auf Sicht”

Lockdown legt auch Wasserburgs größten Verein, den Alpenverein, auf Eis - Eine Bilanz

Hütten und Hotels geschlossen, Versammlungen verboten, Kontaktbeschränkungen – der Lockdown lähmt derzeit sämtliche Aktivitäten der Wasserburger Sektion des Deutschen Alpenvereins. Noch möchte Vorstand Fritz Gottwald in der Hoffnung auf Besserung der Lage keine Absagen im reichhaltigen Programm für 2021 vornehmen, denn: „So wie es möglich ist, finden unsere Touren statt. Bis dahin fahren wir auf Sicht.”

„Es ist nichts los”, sagt Gottwald, Chef von mit rund 4.200 Mitgliedern Wasserburgs größtem Verein, ernüchtert. Erfreulich sei immerhin, dass trotz Lockdown neue Mitglieder gewonnen werden konnten. Ansonsten stehe in den Sternen, wann die beliebten Touren wieder stattfinden können. „Wegen des Beherbungsverbotes kann niemand in die Hütten, Hotels und Gaststätten sind geschlossen, Reisebeschränkungen erschweren die Ausflüge”, zählt der Vorstand auf. So scheitere ein Fahrt nach Toblach im Südtiroler Pustertal allein schon daran, dass sich Rückkehrer in eine zehntägige Quarantäne begeben müssten.

Auch Tagestouren sind nur schwer möglich, schließlich darf sich ein Haushalt nur mit einer Person treffen. Fahrten mit dem Bus fallen ganz aus. Auch Reisen in der Fahrgemeinschaft sind problematisch, da alle Mitfahrer einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssten. „Und dass jeder einzeln fährt, sollte hinsichtlich eines umweltbewussten Verhaltens nicht in Frage kommen”, sagt der Vereinsvorstand, der als Polizist der Polizeistation Haag auch Mitglied der alpinen Einsatzgruppe Grassau ist. Besonders bitter sei die Lage für ältere Vereinsmitglieder, die gerne an Werktagstouren teilnehmen, die auch abgesagt sind. „Dabei ist das so wichtig für die sozialen Kontakte.”

Eine kleine Alternativen böten Tagestouren, etwa ins Sudelfeld oder zum Brauneck bei Lenggries. Zwar sind auch die Lifte geschlossen, die Pisten könnten aber per Tourenski erschlossen werden. „Die Bilder von Massen, die dort unterwegs sind, sind nicht richtig. Die Leute sind weit genug auseinander”, bemerkt Gottwald, „am Brauneck gibt es einen riesigen Parkplatz und Platz für bestimmt 1.000 Leute.” Natürlich: Einkehrmöglichkeiten sucht der Besucher vergeblich.

Im vergangenen Jahr war nach dem ersten Lockdown im Frühjahr vergleichsweise sehr viel möglich. Fritz Gottwald erinnert sich an eine Tour im Dachsteingebiet Ende Juni. „Wir sind mit 20 Personen auf die Adamekhütte, zu der wir unsere Schlafsäcke mitbringen mussten, denn Decken wurden nicht ausgegeben”, so der Vorstand. Auf der Hütte wurde bewirtet, ansonsten galten die üblichen Hygienemaßnahmen und der Hüttenwirt achtete darauf, dass sich die verschiedenen Gruppen nicht vermischten. „Wir sind teils bis 22 Uhr draußen gesessen”, erinnert sich Gottwald. Erste Anzeichen für eine erneute Welle zeichneten sich Anfang Oktober ab, als eine Tour ins Sarntal wegen steigender Infektionszahlen dort abgesagt wurde.

Für das laufende Jahr wagt Gottwald keine Prognose. Österreich sei nahezu abgeriegelt und nun kämen auch noch die Mutationen dazu. Der Verein nützt die Zeit, um die Wasserburger Geschäftsstelle am Kaspar-Aiblinger-Platz 26, die dienstags geöffnet hat, gründlich aufzuräumen. Um den Kontakt zu den Mitgliedern aufrechtzuerhalten und sie auf dem Laufenden zu halten, aktualisiert Max Seitz, der unter anderem für die Werktagstouren zuständig ist, ständig die Homepage des Vereins. Gottwald: „So behalten vor allem auch unserer älteren Mitglieder den Anschluss.”

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