Wie lange noch?

Infos dazu, was passieren könnte, wenn man die Maßnahmen langsam oder schnell wieder zurückfährt

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Viele Betriebe und die meisten Geschäfte in Bayern sind geschlossen, Schulen und Kindertagesstätten auf jeden Fall bis nach den Osterferien, die eigentlich ja heute Mittag begonnen hätten. Tausende arbeiten von Zuhause aus. Viele Bürger auch im Altlandkreis stellen sich die Frage, wie lange das so weitergehen kann und unter welchen Umständen die sozialen Kontakte wieder erhöht werden können und wie sich dann die Zahlen der Erkrankten entwickeln würden. Forscher der TU Wien haben nun am Beispiel Österreich simuliert, was passieren könnte, wenn man die Maßnahmen langsam oder schnell wieder zurückfährt.

Für das Computermodell sind mehrere Faktoren einbezogen worden: Die Bevölkerungsstruktur in Österreich, die Art und Weise, wie sich das Coronavirus zum Beispiel über Husten verbreitet und die typische Anzahl an Kontaktpersonen, die man an einem normalen Arbeits- oder Schultag hat. Das reale Vorbild für die Simulation ist die Stadt Wien. Am 11. März gab es dort 50 bestätigte Fälle – das ist der Ausgangspunkt für die Rechnung.

Ihr wichtigstes Ergebnis zu Beginn: Die Kontakte von Mensch-zu-Mensch seien deutlich reduziert worden, doch noch drastischere Einschränkungen bringen im Verhältnis nur noch wenig. Man könne zwar öffentliche Verkehrsmittel still legen oder noch mehr Betriebe schließen, aber gewinne damit kaum etwas.

Man könne sich das vorstellen wie bei einem nassen Schwamm: Je mehr Druck man ausübe, umso mehr Wasser könne man herausdrücken. Aber irgendwann sei der Schwamm völlig komprimiert und dann habe zusätzlicher Druck kaum noch eine Auswirkung.

Drei Szenarien haben die Forscher für den Ausstieg aus den Maßnahmen erstellt, mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen:

Szenario eins: Die Maßnahmen bleiben so bestehen
Momentan sieht die Situation in Österreich so aus: Schulen, Hochschulen, viele Geschäfte und zahlreiche Arbeitsstätten sind geschlossen. Darüber hinaus gelten ähnliche Kontaktbeschränkungen wie in Bayern. Auf diese Art und Weise haben sich die Freizeitkontakte extrem reduziert.

Würden diese Maßnahmen bis in den Sommer aufrechterhalten, so sagt die Simulation voraus: Die Covid-19-Zahlen werden weiter abnehmen und abnehmen.

Szenario zwei: Die Maßnahmen werden punktuell gelockert
Im zweiten Szenario würden viele Geschäfte wieder geöffnet, aber die Schulen bleiben zu, ebenso gelten weiterhin die Kontaktbeschränkungen. Auch dann gehen in der Simulation die Infiziertenzahlen zurück, zwar nicht so schnell, wie im ersten Fall, aber dennoch so spürbar, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet würde.

Szenario drei: Viele Maßnahmen werden ab Ostern gelockert
Im dritten Fall bleibt nur die Kontaktbeschränkung länger aufrecht. Arbeitsstätten werden generell wieder geöffnet, Schulen ab dem 4. Mai. Auch jetzt käme es nach den Berechnungen nicht zu einem explosionsartigen Anstieg, aber dennoch würde sich eine ‘zweite Welle’ an Ansteckungen entwickeln, die höher als die jetzige wäre, so die Forscherinnen und Forscher der TU Wien.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie aus Großbritannien, die so vor einer zweiten, gefährlichen Welle im Winter warnt.

Absolut entscheidend: Das Finden eines Medikaments gegen Corona – und das Finden eines Impfstoffs …

Dennoch müsse man auch deutlich sagen: Langfristige Prognosen haben Unsicherheiten …

Es sei wichtig, die Modelle Woche für Woche weiter zu verbessern und an das neueste Datenmaterial anzupassen. Je mehr man über die Ausbreitung von COVID-19 lerne, umso zuverlässiger werde auch der Blick in die Zukunft sein.
Niedrige Verdopplungszahl der Virusinfektionen allein wird eventuell nicht reichen …
Es gibt Überlegungen, eine Lockerung der Maßnahmen an den Verdopplungszahlen der Infizierten festzumachen. Zum Beispiel, wenn sich nur noch alle zehn Tage die Anzahl der an SARS-Cov-2-Infizierten verdoppelt, wie auch Ministerpräsident Dr. Markus Söder schon sagte (wir berichteten). Doch diese Zahl könnte laut der Forscher wahrscheinlich nicht allein ausschlaggebend sein …

Quelle BR

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