WFV: „Keine weitere Verkehrsberuhigung”

Wirtschafts-Förderungs-Verband Wasserburg nimmt nochmals Stellung zum Altstadt-Verkehr

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Im Vorfeld der Klausurtagung des Stadtrates zum Thema Altstadtverkehr* hat der Wirtschafts-Förderungs-Verband Wasserburg (WFV) noch einmal Stellung zu Überlegungen einer weitergehenden Verkehrsberuhigung im Altstadtkern genommen. In einem offenen Brief heißt es, dass der Vorstand des WFV unverändert davon überzeugt sei, „dass die derzeitige Verkehrsberuhigung der Altstadt die beste Lösung für die unterschiedlichen Interessen aller Anwohner und Anlieger darstellt. Entsprechend also kein weiterer Handlungsbedarf besteht.”

Das belege auch die vom WFV durchgeführte Unterschriften-Sammlung, bei der im Sommer 2018 rund 4.000 Wasserburger Bürger und Gäste der Stadt unterzeichnet hatten – alles Menschen mit Anliegen in der Wasserburger Altstadt, die sich für folgende Regelung einsetzten:

  • „Ich bin für die uneingeschränkte Zufahrt in der Altstadt, 24 Stunden, 7 Tage in der Woche!
  • Zu: Wohnort, Dienstleistungen, Gastronomie, Geschäften, Bäckern, Ärzten, Apotheken, Optikern, Kino und zur Kirche (ältere Menschen).
  • Für: Familien, Bürger jeder Altersklasse, Kunden, Menschen mit Behinderung, Lieferanten, Geschäftsleute, Anwohner.
  • Keine neuen Verkehrsbeschränkungen, sondern Anwendung der bestehenden Verkehrsreglung in der Altstadt.“

„Auch nach den inzwischen mehrfach befassten Verkehrsplanern vom Planungsbüro Schlothauer&Wauer besteht keine Notwendigkeit für Änderungen. Bei ihrer Verkehrszählungen hatten die Experten einen sehr geringen Wert an durchfahrenden Autos festgestellt. Nur etwa halb so viele Autos wie man in sehr ruhigen Wohnwegen wie Sackgassen und Stichstraßen tolerieren würde”, so der WFV.

Auch am Samstag ist die Verkehrsbelastung nicht höher als unter der Woche. Das Fazit der Planer: „Wir haben von der Hofstatt über die Färber-, Schuster- und Herrengasse bis hin zur Salzsenderzeile eine vergleichsweise geringe Verkehrsmenge.“ Bereits bei ihrer ersten Präsentation hatte das Planungsbüro darauf hingewiesen, dass man auf Bitte der Stadt nach alternativen Verkehrskonzepten sucht, „nicht weil wir Handlungsbedarf sehen würden.”

Der WFV weiter: „In Wasserburg wohnt der Großteil der Bevölkerung durch die Höhenunterschiede deutlich getrennt vom Zentrum mit dem Gros der Nahversorgungs- und Freizeitmöglichkeiten. Deswegen gilt hier insbesondere, was generell für alle Klein- und Mittelstädte festzustellen ist: Die Anfahrbarkeit mit dem PKW muss möglich sein.”

Dazu stelle Prof. Prof. Dipl.-Ing. Martin Schirmer von der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt, Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen, in der Studie „Innerstädtischer Verkehr und Handel in bayerischen Klein- und Mittelstädten“ des bayerischen Wirtschaftsministeriums generell fest:

„Dann sprechen wir auch von Klein- und Mittelstädten: Ich denke, je kleiner eine Stadt ist, desto schwieriger hat es der Einzelhandel dort, sich erfolgreich zu etablieren. Oder anders gesagt, desto stärker ist der Einzelhandel, was die Akzeptanz der Kunden anbetrifft, auf eine Anfahrbarkeit angewiesen. Das heißt, Verkehrsberuhigung im Sinne einer Fußgängerzone, die das Fahrzeug also völlig ausschließt, wäre dann auch kontraproduktiv und würde dem Einzelhandel die Existenzgrundlage entziehen. In den kleineren Gemeinden, vor allem in den Kleinstädten, geht es in erster Linie darum, den Verkehr in den öffentlichen Raum zu integrieren.“

Ein aktuelles Faktenblatt des Handelsverbands Bayern weist ebenfalls darauf hin, dass die „überwiegende Mehrzahl der Kunden mit dem PKW zum Einkaufen in die Städte“ kommt. Für Textil- und Schuh-Kunden sind es zum Beispiel 67 Prozent. Die Kaufquote bei PKW-Kunden beträgt 52 Prozent, während Kunden die mit dem Fahrrad kommen nur zu 43 Prozent einkaufen und Fußgänger/ÖPNV sogar nur 38 Prozent.

Das verdeutliche wie schnell Verkehrsberuhigungsmaßnahmen strukturverändernd und geschäftsschädigend wirken könnten. Der WFV fragt: „Warum riskieren wir Umsatzeinbußen und damit die Existenz von Unternehmen, wenn weder von den Gewerbetreibenden, noch von den Experten, noch von der Mehrheit der Bürger Handlungsbedarf gesehen wird?”

Das gelte ebenso für Pilotversuche und zeitweise Regelungen. „Das führt unweigerlich zu abschreckender Verwirrung. Ein ausdrücklich derzeit gutes Image der Stadt für Erreichbarkeit und Parken wird mit solchen Experimenten demoliert. Der WFV fordert den Stadtrat entsprechend auf, keine weiteren Verkehrsversuche im Altstadtkern durchzuführen.”

 

*Anmerkung der Redaktion: Die Klausurtagung des Stadtrates ist vom 20. März auf unbestimmte Zeit verschoben. 

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4 Kommentare zu “WFV: „Keine weitere Verkehrsberuhigung”

  1. Schön, wenn der Vorstand des WFV etwas beschließt.
    Bin ebenfalls WFV-Mitglied, Wasseburger Bürgerin, Autofahrerin, Anwohnerin und Geschäftsinaberin und würde einen Pilotversuch durchaus begrüßen und befürworten.
    Es gibt also auch noch andere Meinungen.

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  2. Der WFV “fordert” den Stadtrat auf … sagt mal, geht’s eigentlich noch? In welchem Namen wird hier bitteschön “gefordert”?

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  3. Was ist der ( WFV ) eine Behörde oder Amt ?

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  4. Ja sagts amoi, ham mia momentan koane anderen Probleme??? Geht’s eigentlich no??? Müssn mia ois reglementieren, es is doch guad, wie’s is! Bleibts dahoam und hoffentlich gsund!!!

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