Wenn nicht bald der Regen kommt …  

… drohen massive Ernteausfälle – Für die Bauern in der Region ist das Wetter der nächsten Wochen entscheidend

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Stellenweise seit sechs Wochen hat es nicht mehr nennenswert geregnet. Die Landwirte rund um Wasserburg bangen bereits um die Getreideernte. Ergiebiger Mairegen könnte die Lage etwas abmildern.

„Wenn es so bleibt, dann haben wir ein Problem“, sagt Josef Andres, Bauer aus Ebrach, „wir säen gerade den Mais an, aber in den Böden ist null Feuchtigkeit.“ Wenn es im Monat Mai endlich regnen würde, könne man noch drohende Verluste auffangen.“ Wir können nur abwarten“, so Andres. Für Aussagen, in welchem Maß die Landwirtschaft betroffen ist, sei es noch zu früh. Sorge bereitet ihm ein ganz anderes Problem: „Sollte die Trockenheit andauern, entwickelt sich der Borkenkäfer rasant. Dann bekommen wir Schwierigkeiten in den Wäldern.“

 

Eine Frist von vielleicht noch acht Tagen setzt Josef Bodmaier, Kreisobmann beim Bayerischen Bauernverband, dem Sommergetreide. Hat es bis dahin nicht geregnet, rechnet Bodmaier mit einem Verlust bis zu einem Drittel. „Es hat an manchen Stellen seit rund sechs Wochen keinen Regen mehr gegeben“, beobachtet der Kreisobmann. Erschwerend für den Raum Wasserburg sei, dass Kiesböden vorherrschen, die wenig Feuchtigkeit speichern. „Auch der Mais kann derzeit nicht keimen“, so Bodmaier, „wenn die Nässe ausbleibt, ist es vorbei.“ Dann könne man nur nochmal neu aussähen und hoffen, dass sich Niederschläge einstellen.

 

Zu den drohenden Ernteausfällen kämen laut Josef Steingraber, Geschäftsführer des bayerischen Bauernverbandes, jetzt schon die Verluste, die durch die Schließung der Gastronomie und Kantinen entstanden seien. Für die Zeit nach der Krise hofft er daher, dass die Gastwirte vermehrt auf bayerische Produkte zurückgreifen. Auch für Steingraber ist der Mai mit seinen herbeigesehnten, flächendeckenden Niederschlägen entscheidend, weshalb er keine Prognosen treffen möchte. „Wir sind noch zu früh dran.“

 

Was das Sommergetreide betrifft, schätzt Florian Reiter, Bio-Landwirt vom Chiemgauhof Locking bei Amerang, die Verluste auf rund ein Viertel – je nach Region. Und wenn der Regen kommt? „Der Schaden ist nicht mehr aufzuholen“, sagt Reiter, „denn wegen des fehlenden Wassers werden die Nährstoffe nicht mehr transportiert.“ Bessere Chancen räumt er dem Mais ein, weil der gerade erst angesät werde.

Um für kommende Trockenperioden gerüstet zu sein, verfolgt der Rosenheimer Gewässerschützer schon seit längerem eine spezielle Strategie. Durch flache Bodenbearbeitung und damit der Verzicht auf Eingreifen in die tiefere Sohle wird weniger Wasser verbraucht. Vorwiegend baut Reiter Roggen an und Triticale, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen – Getreidesorten, die genügsamer sind. Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben: „Am besten wächst gerade der Roggen.“

Einbußen wegen der Trockenheit muss Reiter in seinem anderen Geschäftszweig hinnehmen: Der Haltung und Vermarktung von Bio-Hühnern und -schweinen. „Die Leute essen bei dem Wetter einfach weniger Hähnchen“, beobachtet Reiter, „auch meine Schweine sind bei der Wärme trockener im Fleisch.“

CF

Foto oben: Pixabay

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9 Kommentare zu “Wenn nicht bald der Regen kommt …  

  1. Helmuth Meixner

    Damit diese Ernteausfälle gut funktionieren, macht es Sinn, wie immer schon bestmöglich zu dränieren.
    Weg mit dem verdammten Wasser aus Auen und Nassflächen!

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  2. Ich sehe schon die nächsten Milliarden fließen

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    1. Ernsthaft? Sind die Landwirte jetzt auch an der Trockenheit schuld? Wie man in Allem und Jedem einen Grund finden kann um einen LW-kritischen Kommentar zu schreiben ist schon faszinierend. Was soll das? Schön langsam wirds lächerlich…

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      1. Helmuth Meixner

        RISIKEN! Allgemeine Risiken, die oft sogar bekannt waren. Sehr lange bekannt!

        Mal zu viel Wasser, mal zu wenig. Mal zu viel Viren, mal zu wenig. Einen Grund zum Jammern findet man immer.

        Wer`s genauer wissen will, der suche im Web z.B. nach: Deutscher Bundestag Drucksache 17/12051 17. Wahlperiode. Da findet man ein kleine Auswahl dazu, wie man RISIKEN zur Akte legt und dann jammert ……

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      2. Was hier wirklich “ernsthaft” ist – das ist euer Problem.
        Wo ist in meinem Kommentar eine Schuldzuweisung? Wo ist hier eine LW-Kritik? Das ist doch nicht normal oder?

        Genau das ist das Problem mit den Landwirten. Ihr zieht aus jedem Kommentar eine nicht geschriebene Anti-Bauern-Weisheit, damit ihr euch schön als Opfer präsentieren könnt. Ihr seid den ganzen Tag nur auf der Suche nach Worten, die ihr so umdrehen könnt, dass ihr die armen armen Bauern seids.

        Wenn ihr statt jammern arbeiten würdet, könntet ihr doppelt so viel produzieren und den Preis halbieren. Mir reichts allmählich auch, dass ich hier Trilliarden Euros an Subventionen zahlen muss und dann auch für eine Packung Milch so einen uvnerschämt hohen Preis. 😉 Nix für ungut.

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  3. Die Böden sind bei uns leider tatsächlich flächendeckend drainiert und entwässert. Dazu gehören v.a. Felder, Wiesen, Äcker und Wälder. Dadurch und durch unsere “moderne” Landwirtschaft wird die Wasserspeicher Kapazität des Bodens enorm beeinträchtigt und verschlimmert eine solche Trockenperiode.
    Hinzu kommt der fehlende Wasserrückhalt durch zerstörte Moore und Flächenversiegelung durch ein Bau -/Gewerbegebiet nach dem Nächsten…

    Wir werden deshalb auf lange Sicht nicht ein grundlegendes Umdenken und Renaturierungen herum kommen.

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    1. Es ist geradezu beschämend mit welcher flächendeckender Dummheit selbsternannte landwirtschaftliche Spezialisten der Menschhiet ihre Weisheiten beibringen wollen. Was schreiben sie dann, wenn wie letztes Jahr in Norddeutschland ,die Kartoffeln nicht gerntet werden konnten wegen Dauerregen, oder kein Weizen gesät werden kann wie zuletzt in England und USA.Aus Corona wird nichts gelernt.Der Kloopapiereffekt kann jederzeit bei den Nahrungsmitteln eintreffen.

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  4. Gerade jetzt sollten wir froh um jede Kuh sein, die noch in Bayern steht.
    Ich bin dankbar für jeden einzelnen Landwirt, den wir noch haben.
    Hoffentlich regnets nächste Woch gscheid!
    Mei Garten ist naturnah, nicht dräniert und dennoch turbotrocken.

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  5. Der Landwirt ist das kleinste Rädchen in diesem bizarren System….

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