Wendeverkehr: Das gab’s schon 1992

Hausbesitzer in der Schustergasse nimmt Stellung zur geplanten Sperrung in der Altstadt

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Die geplante Sperrung der Schustergasse auf Höhe der Jakobskirche (wir berichteten), mit der der Durchgangsverkehr in der Altstadt reduziert werden soll, ist seit Ende Juni wohl das am meisten diskutierte, lokale Thema in Wasserburg. Befürworter und Gegner tauschen öffentlich Argumente aus. Eine Bürgerinformation war überdurchschnittlich gut besucht. Jetzt hat sich ein Hausbesitzer in der Schustergasse an Nachbarn und die Öffentlichkeit gewandt. Er warnt vor dem Chaos, das sich schon Anfang der 90er Jahre durch einen Wendeplatz am Ende der Herrengasse eingestellt hatte. 

„Als einer der letzten ,Eingeborenen’ der Altstadt und Bewohner des Hauses Schustergasse 15 an der Stirnseite der Herrengasse habe ich eine über 70-jährige Übersicht über die Verkehrsverhältnisse in der Schuster- und Herrengasse.

Nie waren diese bisher so chaotisch wie zu Zeiten des damals so genannten Förtsch-Kreisels. Das war ein mit weißer Markierfarbe ausgeführter Kreis von etwa einem Meter Durchmesser, um den sich der Wendeverkehr an der Stirnseite der Schustergasse winden sollte, die damals 1992 schon einmal zur Sackstraße gemacht worden war”, schreibt Max Seitz.

Jede Freifläche auf der Zufahrtseite sei damals zugeparkt gewesen, „auch die Wendeflächen, weil man so gut wie keine Chance hatte, auf die Ausfahrtseite zu kommen. Mit etwas Lieferverkehr war schnell alles verkeilt, alle versuchten dann schon vor dem Kreisel zu wenden und damit war das Chaos perfekt.

Wenn ich mich recht erinnere, hatte diese Lösung keine lange Lebensdauer. Na gut, heute gibt es Rettungs- und Löschhubschrauber, so haben wir Anwohner im Notfall noch eine gewisse Überlebenschance”, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Der Hausbesitzer weiter: „Die paar ,Schaufahrer’, die man gelegentlich in der Altstadt sehen kann, haben noch nie gestört. Sie fallen halt am meisten auf – und das werden sie weiterhin tun.”

Das Foto (oben) vom Juni 1992 zeigt die Verkehrsverhältnisse an der Ecke Schuster- Herrengasse vom Haus des Herrn Seitz aus – in Richtung Herrengasse. Der „Förtsch-Kreisel“ schaut unter dem roten Pkw raus.

Dazu Max Seitz: „Ohne mehr Kontrolle als bisher wird sich durch den ,Pfosten’  trotz einer offiziellen Sperrung der Verkehr in der unteren Schustergasse in beiden Richtungen vermehren.” Dies gelte seiner Ansicht nach auch rings um die St. Jakobskirche in beiden Richtungen und auf den Gehsteigen in der Färbergasse und Schustergasse. Seit der Gehsteigabsenkung sei das ja kein Problem mehr.

Für die Wendebereiche und die neue zweispurige Verkehrsführung könnten der Platz vor dem Anwesen Sandl mindestens teilweise sowie die bewirtschafteten Freiflächen vom „Weißen Rössl“, von „Kebap World“ an der oberen Schustergasse und von „Frau Stelze” in der oberen Herrengasse zumindest teilweise wegfallen. Seitz: „Wenn das Chaos groß genug ist, geht das ganz einfach und schnell, weil dann eben die nächsten Anträge der Gastronomen nicht mehr genehmigt werden.”

Das Fazit von Max Seitz: „Ohne zusätzliche Kontrolle wird der Pfosten nicht die gewünschte Erleichterung bringen. Mit mehr Kontrolle braucht man eigentlich die Verkehrsführung nicht ändern. Und solange es Parkplätze in der Innenstadt gibt, wird sich am Suchverkehr nichts ändern. Er wird nur chaotischer werden.”

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15 Kommentare zu “Wendeverkehr: Das gab’s schon 1992

  1. Schreinerbiker

    Sehr guter Artikel von einem “Eingeborenen”. Bin selbst in der Altstadt geboren und aufgewachsen, kann dem nur zustimmen!

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  2. Schön, wenn sich auch mal Leute zu Wort melden, die nicht erst seit 2-3 Jahren in Wasserburg leben.
    Wobei der Sachverhalt dem Stadtrat ja eigentlich bekannt sein sollte…..

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  3. Manfred Förtsch

    Auch wenn der 1992 angesprochene Versuch eines Kreisels in der oberen Herrengasse mit meinem Namen erwähnt wird, kann ich mir kaum vorstellen dass dies meine Idee war. Sicher ist diese Möglichkeit im Jahre 1992 entstanden, da in diesem Bereich zu schnell gefahren wurde bzw. zu viele Durchfahrer unnötigen Verkehr in den Verkehrsberuhigten Bereich brachten. Zu dieser Zeit wurden durch den Verkehrsplaner Billinger mehrere Optionen zur Verkehrsminderung vorgestellt wie z.B. Sperrung des Durchgangsverkehr im Bereich Heiserer Platz. Alle diese Versuche waren jedoch fast ausschließlich das Ergebnis von Interessen einzelner Altstadtbewohner, die möglichst den Verkehr nicht in der Altstadt haben wollten. Dass eine Kleinstadt wie die Altstadt von Wasserburg a. Inn mit nur 2300 Bewohnern durch solche Vorgehensweisen bald ausgehungert und dabei das Geschäftsleben ruiniert wird hat man früh erkannt. Stattdessen wurden 2 Parkhäuser an beiden Stadteingängen gebaut, für die kostenloses Parken bis vor einem Jahr angeboten wurde. Solange Parkplätze im Kernbereich der Altstadt verfügbar sind wird der Park- Suchverkehr auch durch einen Pflock nicht weniger werden, zumal der einfahrende Verkehr zum Wendeplatz auch wieder in gleicher Richtung ausfährt.
    Ich hoffe dass dieser Versuch möglichst bald wieder eingestellt wird und warne vor zu vielen Veränderungen, die schon im Vorfeld der Überlegungen keine Verbesserungen erkennen lassen.

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  4. Schreinerbiker

    Nachtrag: Bin in der Hofstatt aufgewachsen, hatten damals noch keine Umgehungsstraße. Bin heute schon weit über 60. Meine damaligen Spielkameraden und ich haben es trotzdem überlebt. Palmanoanlage war ja nicht weit.

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  5. Respekt Herr Seitz, solche Leute gehören eigentlich in den Stadtrat und nicht ……

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  6. Auf dem Land müssen viele Menschen viel mehr Verkehr aushalten als Stadtmenschen! Da drängeln sich riesen LkW’s durch enge Dörfer! Wenn man in der Nähe der berühmten 304er, 12er usw. wohnt herrscht Tag und Nacht mehr Lärm als in der Stadt! In eine Stadt fahren einfach Autos zum Einkaufen und darüber sind die Leute, die davon leben sehr froh! In vielen Städten sterben Läden in Fußgängerzonen immer mehr aus! In heutiger Zeit wo viele bequem vor dem Computer sitzen und ihre Einkäufe im Netz tätigen, fördert man doch somit noch mehr! Jeder will nur noch kurze Wege zu den Geschäften! Und Verkehrschaos mit rumrangieren auf enger Fläche will schon gleich gar niemand! Eine Stadt muss doch leben! Und wer sich darüber beschwert kann sich gerne mal in einem kleinem Dorf niederlassen und da mal den Verkehr aushalten! Dann weiß man wie ruhig es in der Stadt sein kann! Brummis sind ein anderes Kaliber!

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  7. @somoker: ja, ganz genau, das ist das, was wir im Stadtrat unbedingt brauchen – noch mehr Männer über 70, die bevorzugt von früher erzählen. Dass die dann evtl. den Unterschied zwischen einem Mini-Kreisel (vgl. Foto aus dem letzten Jahrhundert) und einem Wendehammer (laut Bürgerversammlung von neulich aktuell geplant) nicht kennen, nimmt man da doch gerne billigend in Kauf.

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  8. Ich verstehe ehrlich gesagt wie so oft nicht die künstliche Aufregung, die hier hochkocht. Ich halte die Pfostenlösung für eine einfache, kostengünstige und pragmatische Lösung, die den Verkehr auf das absolut notwendige Maß beschränkt. In die Herrengasse und Färbergasse wird künftig nur noch derjenige reinfahren, der unbedingt muss oder dem ein zeitaufwändiges Rumkurven in der Altstadt nicht zu blöd ist. Ich verstehe auch nicht, wieso die Geschäftsinhaber und ein großer Teil der Befürworter des Mottos “Freie Fahrt für freie Bürger” nicht die Riesenchance für die lokale Wirtschaft erkennen (wollen): Besucher und Bewohner von solch schönen Altstädten schätzen es zunehmend, wenn sie ohne Belästigung durch den Autoverkehr in aller Ruhe ihr Geld in Geschäften und Lokalen ausgeben können. Es ist schlicht bequem und zeitsparend, seine Einkäufe zu Fuß oder mit dem Rad in der Altstadt erledigen zu können. Warum ist das so schwer zu verstehen? Und wäre es nicht klug, genau diesem Klientel entgegen zu kommen? Wenn die Wasserburger Geschäftswelt tatsächlich der Meinung ist, dass das einzige Argument für den Konsum in der Altstadt eine Erreichbarkeit per Auto ist, ist das meiner Meinung nach ein vollkommen überholtes Konzept, das definitiv nicht in die heutige Zeit passt. Mir fehlen nach wie vor Visionen des WFV, wie das wirtschaftliche Umfeld in der Wasserburger Altstadt in der Zukunft aussehen soll. Und auch für die Verkehrslösung wurde kein Gegenvorschlag vorgelegt. Ein Weiterso wie bisher ist definitiv keine Lösung. Die Altstadt erstickt im Verkehr. Und mir als Altstadtbewohner geht das auf die Nerven.

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  9. @Manfred Braun: Lieber Herr Braun, Ihre Argumentation ist für einen, der offenbar in der Altstadt von Wasserburg wohnt, durchaus nachvollziehbar und wird auch immer wieder gerne verwendet. Das Problem dabei: 95 Prozent der Kunden im Einzelhandel von Wasserburg kommen nicht aus der Altstadt, sondern aus dem Burgerfeld, der Burgau, Babensham, Griesstätt, Edling, Eiselfing – schlicht aus dem ganzen Altlandkreis. Sollen die ihr Bettzeug zur Reinigung bei Klobeck zu Fuß oder mit dem Radl nach Wasserburg anliefern? Sollen die ihre Skiausrüstung beim Enzinger kaufen und diese dann auf dem Gepäckträger nach Pfaffing fahren? Es ist schön für Sie, lieber Herr Braun, wenn Sie alles zu Fuß erledigen können. Da sind Sie in einer wirklich glücklichen Position: Jung genug, nicht behindert und mit Altstadtwohnung. Ein Traum! Denken Sie doch bitte auch mal an die Menschen, denen es nicht so ergeht – wir leben immer noch auf dem Land und nicht in einer Großstadt, wenn Sie als einer der wenigen Alt-Städter das auch nicht so wahrnehmen mögen ….

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  10. @Herr Karl (es wäre allerdings schön, wenn man ohne Pseudonym schreibt): Es kommen merkwürdigerweise immer die gleichen Fallbeispiele bei diesem Thema. Fallbeispiele, die noch dazu nicht besonders überzeugend sind. Skifahrer sollten wohl kräftig genug sein, um ein paar Ski ins Parkhaus zu tragen. Ich habe mir sagen lassen, dass man auch bei Ausübung dieses Sports mitunter die Ski eine gewisse Strecke tragen muss. Und auch das Tragen von Bettwäsche dürfte für einen weit überwiegenden Teil der Bevölkerung kein unüberwindbares Hindernis darstellen. Allzumal beides maximal ein- bis zweimal pro Jahr anfällt. Und selbst wenn: Beide Geschäfte sind nach wie vor mit dem Auto erreichbar, wenn auch nicht mehr so bequem wie vorher. (Beim Enzinger zieht das Argument überhaupt nicht; da ändert sich nämlich rein überhaupt nichts.) Es geht ausschließlich um das Beschränken des Autoverkehrs auf das absolut notwendige Maß. Es wird gerne und immer wieder um Verständnis für die Nicht-Altstadtbewohner geworben, die angeblich immer und alles in der Altstadt mit dem Auto erreichen müssen. Wo bleibt eigentlich das Verständnis für die Altstadtbewohner, die vom komplett unnötigen und überflüssigen Autoverkehr zunehmend genervt sind? Ist es wirklich immer unzumutbar, das kurze Stück von den Parkhäusern in die Altstadt zu gehen? Wie gesagt: Für uns Altstadtbewohner ist das gelebter Alltag. Und ich denke, dass wir Altstadtbewohner wesentlich mehr Geld in den Wasserburger Geschäften und Lokalen lassen, als ein Skifahrer aus dem Umland, der alle paar Jahre Ski kauft.

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  11. @Herr Karl: gibt es da eine Quelle oder einen Beleg für die Behauptung mit den 95%? Ich kann mich nämlich nicht daran erinnern, bei einem Einkauf in einem Wasserburger Geschäft schon mal nach meinem Wohnort gefragt worden zu sein. Darum wäre interessant, wer solche Zahlen wie erhoben hat. Frei erfundene oder auch nur nach eigenem Ermessen grob geschätzte Zahlen hingegen würden der Diskussion keinen Dienst erweisen.

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  12. “Alle diese Versuche waren jedoch fast ausschließlich das Ergebnis von Interessen einzelner Altstadtbewohner, die möglichst den Verkehr nicht in der Altstadt haben wollten…” (Zitat Manfred Förtsch weiter oben)

    Besser kann man es nicht ausdrücken!

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  13. Erst die Sperrstunde für Kneipen und Bars, dann am Besten noch alle Autos aus der Stadt verbannen.
    Was soll das denn bitte werden, wenn es fertig ist ?

    Macht nur so weiter, dann habt ihr irgendwann euere Ruhe in Wasserburg.

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  14. Es gibt ja immer noch die Parkhäuser! Kann man da als Nicht-Altstadtbewohner seine skiausrüstung oder Bettwäsche oder ähnliches nicht hintragen? Ich bin auch altstadtbewohnerin und als solche darf man durchaus auch mal sagen, dass der viele Verkehr und die verstopfte Stadt nervt! Man muss sich meiner Meinung nach auch nicht entschuldigen, dass man (noch).nicht alt und gebrechlich ist und es darf trotzdem nerven. Allerdings ist meiner Meinung nach der geplante Pfosten nicht die Lösung des Problems dadurch wird es noch mehr Chaos geben
    denke ich. Es ist meiner Meinung mach toll dass Herr Seitz sagt, was er denkt und erfahren hat. Dürfen über 70 Jährige nicht mitreden? Wo samma denn???

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  15. Thomas Wilsmann

    Ich habe es bereits mehrfach als Facebookpost oder Leserbrief geschrieben, aber es scheint niemand zur Kenntnis genommen zu haben: es wäre für die Altstadtanwohner fairer, wenn sie ein Privileg beim abendlichen Parksuchverkehr hätten. Es ginge ganz einfach, nämlich so wie in fast allen Städten mit einer lebhaften Kneipen- und Kulturszene: Für Besucher der Stadt müssen die Parkplätze bis mindestens 21Uhr kostenpflichtig bleiben, die Anwohner bekommen gegen eine gewisse Gebühr Parklizenzen, die ab 17 oder 18 Uhr gelten. Dann wäre der Anreiz für auswärtige Besucher geringer, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren, und die Chance für Anwohner, nach der Arbeit vor der Wohnung einen Parkplatz zu finden größer. Die Autos der Anwohner werden in der Regel abends kaum noch bewegt, damit würde es automatisch ruhiger. Und den auswärtigen Besuchern würde es wenig schaden, sich abends vor und nach dem Besuch des Kinos, der Kneipe oder des Speiselokals die Beine zu vertreten und zum Gries oder den Parkhäusern zu gehen.

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