Weiterhin hohe Aufklärungsrate

Kriminalitäts- und Einsatzlage: Jahresbilanz der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim

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Die Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim mit nachgeordneter Kriminalpolizeistation Miesbach blickt wieder auf ein ereignisreiches, aber auch erfolgreiches Jahr zurück und zieht am Rande der Sicherheitsgespräche des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd eine positive Bilanz.

Auch im Zuständigkeitsbereich der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim und der Kriminalpolizeistation Miesbach war das Jahr 2018 wieder arbeitsintensiv und von einer Vielzahl verschiedenster Einsätze und Ermittlungsverfahren geprägt. Die beiden Dienststellen bearbeiten einen Großteil der Delikte der mittleren und schweren Kriminalität in der Stadt und im Landkreis Rosenheim sowie im Landkreis Miesbach.

Alle Vergehen und Verbrechen werden in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) aufgeführt.

Der Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim, Kriminaldirektor Bernd Hackl, erläutert hierzu: „Im Jahr 2018 wurden bei der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim insgesamt 1.349 Fälle bearbeitet, bei einer beachtlichen Aufklärungsquote von 86,3 Prozent.

Die deutlich kleinere Kriminalpolizeistation Miesbach bearbeitete 211 Fälle und erzielte eine Aufklärungsquote von hervorragenden 93,4 Prozent.

Die nachfolgenden Ausführungen zeigen eine Übersicht von herausragenden Fällen und Tätigkeiten in den einzelnen Kommissariaten der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim und bei der Kriminalpolizeistation Miesbach, und versuchen auch, die Tätigkeiten der einzelnen Kommissariate zu erläutern, da nicht in allen Kommissariaten Ermittlungsarbeit verrichtet wird.“

So ist das Kommissariat 7 (Zentrale Dienste) an beinahe allen Fällen im gesamten Zuständigkeitsbereich beteiligt, beispielsweise im Rahmen der Spurensicherung durch die Angehörigen des Erkennungsdienstes, aber auch bei der Auswertung von sichergestellten Mobiltelefonen oder Computern im Rahmen der Regionalen Beweismittelsicherungs- und Auswertestelle (RBA). Bei diesem Kommissariat werden auch Erkennungsdienstliche Behandlungen durchgeführt, im Jahr 2018 waren dies über 300.

Das Kommissariat 1 (Verletzung höchstpersönlicher Rechtsgüter) ist insbesondere für Straftaten gegen das Leben, Brände und Explosionen sowie Sexualdelikte zuständig.

Im August 2018 beispielsweise vergewaltigten zwei zunächst Unbekannte eine junge Frau, die sich in der Gabelsbergerstraße auf dem Nachhauseweg befand. Nach nicht einmal 72 Stunden konnte die bei der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim eingerichtete Ermittlungsgruppe „Gabel“ zwei Somalier als Täter ermitteln und festnehmen. Die beiden Männer wurden mittlerweile zu sieben Jahren und sechs Monaten beziehungsweise acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Ein schwieriges Deliktsfeld stellen Brände mit zum Teil sehr hohen Schadenssummen dar. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass die meisten Beweismittel häufig ja auch verbrannt und damit zerstört sind.

Nur exemplarisch darf eine schwere Brandstiftung vom 14. Juni 2018 in Rosenheim beim Brückenberg erwähnt werden, bei der ein Bewohner eines Mehrfamilienhauses nebenbei auch noch eine Vielzahl von weiteren Hausbewohnern in Lebensgefahr brachte. Der Täter konnte gerade noch festgenommen werden, als er versuchte, in seine Heimat Bosnien auszureisen und wurde mittlerweile zu einer Haftstrafe von neun Jahren verurteilt.

Eine der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben im Kommissariat 1 ist jedoch die Bearbeitung von Tötungsdelikten.

Am 16. März 2018 streckte ein Mann am Salinplatz in Rosenheim eine junge Frau mit mehreren Schüssen nieder. Der Täter konnte von Zeugen bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden. Anschließend kam er in Haft. Der Täter ist mittlerweile vom Schwurgericht Traunstein zu neuneinhalb Jahren Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes verurteilt worden.

Dass Tötungsdelikte nicht immer sofort erkennbar sind und eine gehörige Portion Erfahrung und Fingerspitzengefühl bei der Bewertung von Sachverhalten erforderlich ist, zeigt ein versuchtes Tötungsdelikt vom 25. August 2018 in Högling. Dort lag eine schwer verletzte Person auf der Fahrbahn und man musste zunächst von einem Verkehrsunfall mit anschließender Unfallflucht ausgehen. Einiges erschien jedoch merkwürdig, so dass bei der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim mit Unterstützung durch weitere Dienststellen die Ermittlungsgruppe „Högling“ gegründet wurde. Nunmehr besteht der Verdacht, dass der Verletzte bewusst mit dem Fahrzeug angefahren, umgeschubst und über eine weite Strecke mitgeschleift wurde, so dass ein versuchtes Tötungsdelikt mit einer wesentlich höheren Strafandrohung im Raum steht.

Herausragend ist auch noch ein zweifaches versuchtes Tötungsdelikt vom 31. Oktober 2018 in Kolbermoor, bei dem der Täter zwei Hausbewohner mit einem Messer schwer verletzte. Auch er konnte am nächsten Tag festgenommen und inhaftiert werden. Zur Fahndung nach dem Täter und zur weiteren gerichtsverwertbaren Bearbeitung wurde die Ermittlungsgruppe „Farrenpoint“ errichtet.

Das Kommissariat 2 (Eigentumskriminalität) der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim bearbeitet Delikte wie Raub, Erpressung, Einbruchs- und Diebstahlsserien.

„Klassische“ Raubüberfälle auf Banken oder Sparkassen sind im hiesigen Bereich eher selten zu registrieren; häufig ist das Kommissariat 2 mit Einbrüchen beziehungsweise Einbruchserien beschäftigt.

Schon im Juni 2017 ereignete sich in Bad Aibling ein Einbruch in einen Edeka-Markt, bei dem die Täter über das Dach ins Gebäude eindrangen. Dabei wurde eine große Menge Zigaretten im Wert von mehreren Zehntausend Euro entwendet. Im Jahr 2018 stellte sich heraus, dass dieser Einbruch zu einer bundesweiten Serie gehören dürfte. Durch die Festnahme von vier Bandenmitgliedern auf frischer Tat in München nach einem ähnlich gelagerten Einbruch konnte auch das Delikt in Bad Aibling geklärt werden.

Eine weitere Einbruchserie begann Anfang März 2018 in Rosenheim. Auch hier wurde schnell erkennbar, dass ein Seriendelikt vorlag; die Täter spezialisierten sich offenbar auf Reisebüros und Bäckereien, aber auch mehrere Thermen im Rosenheimer Umland wurden angegangen. Durch umfangreiche Überwachungsmaßnahmen konnten vier Straftäter inhaftiert und insgesamt etwa 25 Einbrüche geklärt werden.

Das Kommissariat 3 (Vermögens- und Wirtschaftskriminalität) ist eines der personalstärksten Kommissariate innerhalb der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim. Der Grund hierfür liegt darin, dass dieses Kommissariat quasi als Alleinstellungsmerkmal mehrere überregionale Zuständigkeiten hat. Es bearbeitet beispielsweise Korruptionsdelikte und Delikte des Abrechnungsbetrugs im Gesundheitswesen im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, also auch im Zuständigkeitsbereich der Kriminalpolizeiinspektionen Traunstein und Weilheim.

Die Ermittlungsverfahren im Bereich der Wirtschaftskriminalität sind nicht selten durch eine Dauer von mehreren Jahren gekennzeichnet.

So arbeitete beispielsweise eine Ermittlungsgruppe knapp drei Jahre an einem Verfahren, in dem es um die betrügerische Abrechnung von Ärzten mehrerer Kliniken einer Gruppe ging. Der Schaden beziehungsweise betrügerische Gewinn wurde durch Abrechnung von eigentlich nicht zutreffenden Positionen aus der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) erzielt und war erheblich. Die Verfahren gegen die betroffenen Ärzte wurden mittlerweile gegen Zahlung von hohen Geldauflagen eingestellt. Gegen die übergeordnete Aktiengesellschaft wurde ein Bußgeldbescheid in Höhe von 450.000 Euro erlassen.

Das Kommissariat 4 (Rauschgiftdelikte) konnte am 9. März 2018 zwei 19-Jährige in Untersuchungshaft bringen, die im Verdacht des Rauschgifthandels standen. Dabei wurden ungefähr 600 Gramm Marihuana sichergestellt. Weiter wurde – neben vielen anderen Delikten – gegen etliche Personen ermittelt, die im Rahmen der Schleierfahndung auffielen und in internationalen Reisezügen versuchten, teilweise hohe Mengen verschiedenster Betäubungsmittel zu schmuggeln.

Im Kommissariat 5 (Staatsschutz) wird die sogenannte politisch motivierte Kriminalität bearbeitet. Hier ergab sich im Jahr 2018 ein besonders herausragendes Ermittlungsverfahren, das die Einrichtung einer Ermittlungsgruppe (EG „Steinbach“) erforderte. Am 17. März 2018 ereignete sich ein versuchter Brandanschlag gegen eine Asylantenunterkunft in Nußdorf am Inn, wobei die Täter zunächst unbekannt waren. Nach akribischen Ermittlungen gerieten zwei junge Männer in Verdacht, die – wie von den beigezogenen „Profilern“ vermutet –  in der Tatortgemeinde wohnten. Die intensive Spurensuche  und -auswertung machte sich dann schnell bezahlt. Die beiden jungen Männer konnten beweiskräftig überführt und inhaftiert werden. In ihren Wohnungen wurden umfangreiche Beweismittel gefunden, die nicht zuletzt auf eine rechtsgerichtete Gesinnung hindeuteten. Beide Täter wurden zu jeweils drei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Das Kommissariat 8 (Kriminaldauerdienst) ist ein ebenfalls personalstarkes Kommissariat, da diese Beamtinnen und Beamten im Schichtbetrieb rund um die Uhr im Dienst sind und im ersten Angriff fast alle Straftaten, für die eine Zuständigkeit der Kriminalpolizei besteht, bearbeiten. Dass hierbei ein sehr breites fachliches Spektrum erforderlich ist, versteht sich von selbst.  Der Kriminaldauerdienst ist quasi die „Feuerwehr der Kriminalpolizei“ und häufig erster Ansprechpartner der Kolleginnen und Kollegen von der Schutzpolizei.

Dieses Kommissariat ist ein relativ junger Bestandteil der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim und hat zum 1. Juli 2018 sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert.

Das Kommissariat 10 (Grenze) bearbeitet überwiegend bedeutsame und schwerwiegende Delikte der grenzüberschreitenden Kriminalität, beispielsweise internationale Kfz-Verschiebungen, Urkundenfälschungen oder Waffendelikte.

Dass im südbayerischen Raum durch organisierte Tätergruppen vieles gestohlen und aufgrund der hervorragenden Verkehrsverbindungen und der Grenznähe umgehend außer Landes geschafft wird, zeigt ein Fall vom 23. Oktober 2018 deutlich: Hier konnten von Kräften der sogenannten Schleierfahndung sechs moldauische Staatsangehörige mit einem Klein-Lkw mit Anhänger festgestellt werden, die augenscheinlich unter anderem gestohlene Mountainbikes, Mobiltelefone, Sportbekleidung, Werkzeuge, Alkoholika und Elektrogeräte mit sich führten. Die weiteren Ermittlungen des Kommissariats 10 ergaben, dass die Festgenommenen überwiegend auch falsche Personalpapiere vorlegten und schon mehrfach wegen ähnlicher Delikte aufgefallen waren.

Sozusagen jüngstes Mitglied in der Kripo-Familie ist das Kommissariat 11 (Cybercrime). Zwar wurden auch schon vorher im Rahmen einer Arbeitsgruppe beim Kommissariat 3 Cybercrime-Delikte bearbeitet, jedoch machte es das stetig steigende Kriminalitätsaufkommen in diesem Bereich erforderlich, bayernweit eigene Kommissariate auszuweisen. Dies geschah zum 1. März 2017 mittels einer Organisationsverfügung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern. Das Kommissariat 11 bearbeitet unter anderem Delikte des Computerbetrugs, der Computersabotage und Datenveränderung.

Im Jahr 2018 wurde hier beispielsweise ein umfangreiches Ermittlungsverfahren gegen eine Person bearbeitet, die illegal Programme eines Privatsenders abgezweigt und an hunderte von Geschäfts- und Privatkunden weiterverkauft hat. Dabei entstand ein rechnerischer Schaden in Millionenhöhe.

Im Landkreis Miesbach bearbeitet die Kriminalpolizeistation Miesbach eigenständig alle Delikte, für die die Kriminalpolizei zuständig ist, abgesehen von wenigen zentralen Zuständigkeiten der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim. Die Bandbreite der Arbeit, die bei der Kriminalpolizeistation Miesbach geleistet wird, ist also ähnlich groß wie bei der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim.

Bereits im Herbst 2017 ereignete sich im Tegernseer Tal eine Serie von sechs Einbrüchen, wobei unter anderem auch ein Tresor entwendet wurde. Durch einen DNA-Treffer in Frankreich gerieten zwei Rumänen, 32 und 33 Jahre alt, in Verdacht. Die folgenden umfangreichen Ermittlungen der Kriminalpolizeistation Miesbach im Rahmen einer Ermittlungsgruppe (EG „Tresor“) brachten umfangreiche Beweismittel zutage. Am 3. Oktober 2018 konnten auf Initiative der Ermittlungsgruppe die beiden Rumänen und weitere Tatverdächtige in Sachsen und in Hamburg festgenommen werden. Ihnen werden nun insgesamt 74 Einbrüche im Bundesgebiet mit einem Gesamtschaden von knapp 500.000 Euro vorgeworfen.

Einer weiteren Ermittlungsgruppe bei der Kriminalpolizeistation Miesbach (EG „Maske“) gelang am 19. Dezember 2018 die Ermittlung und Festnahme von fünf Männern im Raum Ingolstadt, nach dem am 13. Oktober 2018 ein Geschäftsmann in Rottach-Egern Opfer eines Raubüberfalls geworden war. Es stellte sich heraus, dass der Raubüberfall eine „Auftragsarbeit“ eines der vier Festgenommenen war, da dieser meinte, Forderungen an den Überfallenen zu haben. Die anderen drei Personen hatten in dessen Auftrag den Raubüberfall begangen, bei dem das Opfer verletzt wurde.

 

Abschließend erklärt Kriminaldirektor Bernd Hackl: „Das Jahr 2018 war für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einmal mehr ein sehr ereignisreiches und mit hoher Arbeitsbelastung verbundenes Jahr. Im Übrigen kann bereits jetzt prognostiziert werden, dass das Jahr 2019 ähnlich verlaufen wird. Auch im laufenden Jahr sind wir bereits jetzt sehr stark im Einsatz für die Sicherheit und Ordnung gefordert, und haben bereits einige Ermittlungsgruppen einrichten müssen.“

 

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