Wegen Julian, Nicole und den Dire Straits

Leidenschaft, die Liebe zu Vinyl und ein klein bisschen Mut – das sind die Zutaten, mit denen Alfred Zaller seine berufliche Erfüllung gefunden hat. In wenigen Wochen eröffnet der Salzburger in den Räumen an der Berggasse in Wasserburg, Ecke Ledererzeile: „Frödy Records“, wo sich alles um Musik drehen wird. Schwerpunkt: Die gute, alte Schallplatte.

Von Chris Fritz

Wer das Geschäft betritt, das jetzt schon inoffiziell geöffnet hat, begibt sich auf eine Reise in die musikalische Vergangenheit. LPs, Singles, Musikkassetten, Plattenspieler, alte Musikanlagen und Vintage-Gitarren lassen die Zeit stillstehen und sorgen augenblicklich für Tiefenentspannung.

Und das ist genau das Konzept von Alfred „Frödy“ Zaller. „Jeder, der mich hier besucht, soll sich wohlfühlen“, wünscht sich der 44-Jährige, der sich damit einen Lebenstraum erfüllt und Überzeugungsarbeit leisten will, „analoge Musik klingt besser als digitale.“

Dabei ist Zaller eigentlich ein Kind der digitalisierten Musik, denn nur sechs Jahre nach seiner Geburt begann der Siegeszug der CD, die die Vinylplatte verdrängte. „Natürlich haben mich CDs, MP3 und Co. begleitet“, sagt der Salzburger, „aber ich habe immer wieder Platten gekauft.“

Dass es mittlerweile rund 10.000 sind, darunter wertvolle First-Press-Raritäten, die Zaller zum Großteil online anbietet, hat er auch seinem Sohn Julian zu verdanken. Denn als Zaller junior vor vier Jahren geboren wurde, erinnerte sich Frödy an die Kinderschallplatten im Keller, die nun wieder zum Einsatz kamen. „So bin ich wieder zum Plattenspieler gekommen und habe meine Sammlung stetig erweitert“, erinnert sich der 44-Jährige.

Vor allem auf Plattenbörsen wird Zaller fündig und hier kommt Nicole ins Spiel, die der Grund dafür ist, dass der Musikladen in Wasserburg eröffnet. Denn vor einem Jahr hat Zaller seine heutige Lebensgefährtin auf einer Börse in der Münchner Tonhalle beim „Diggen“ kennengelernt – das Durchblättern der LPs auf der Suche nach musikalischen Schätzen.

„Ich hab ihr meine Visitenkarte gegeben und sie kam wenig später auf Urlaub nach Salzburg“, sagt Frödy. Mittlerweile sind er und Nicole nach Pfaffing gezogen. „Die Liebe hat mich nach Bayern und Wasserburg gebracht“, schmunzelt Zaller, der das südländische und künstlerische Flair der Inn-Stadt bewundert.

Dass er seine zweite große Liebe, die Musik, zum Beruf machen würde, spürte Zaller immer intensiver. „Schon als Jugendlicher war ich musikbegeistert, bin ständig auf Konzerte“, berichtet er. Vor allem die Musik der Dire Straits zieht ihn in ihren Bann. „Sie sind meine Favoriten“, betont er, „aber darüber hinaus ist mein Musikgeschmack breit gefächert.“ Eine Vorliebe hat er auch – wen wundert’s – für Austro-Pop wie Wolfgang Ambros oder STS.

Im Laden wartet auf den Kunden jedenfalls eine riesige Auswahl aus allen Genres. Neben den Vinyl-Platten wird Zaller auch Musikkassetten, Tonbänder, Hifi-Geräte, Verstärker, Lautsprecher, Musikbücher und -magazine, aber auch zeitgemäßes Equipment wie Bluetooth-Boxen anbieten. Schilder und weitere Artikel aus Blech, echt antik oder reproduzierte, werden für Retro-Atmosphäre sorgen.

Auch Instrumente sollen verkauft werden, „aber das steckt noch in den Kinderschuhen.“ Kunden können auch ihre Tonträger zum Kauf anbieten – solange sie in gutem Zustand sind. Die Platten, die Zaller verkauft, werden vorher extra in einer Plattenwaschmaschine gereinigt, um höchsten Klanggenuss zu garantieren.

Und fürs Wohlfühl-Flair wird es eine kleine, stylische Küche mit Kaffee und Softdrinks to go geben.

Natürlich: Zaller ist Realist und sich im Klaren darüber, dass er mit „Frödis Records“ eine kleine Marktnische besetzt. „Es soll natürlich wirtschaftlich funktionieren“, meint er, „aber ich bin bodenständig, muss nicht zehn Mal im Jahr in den Urlaub. Wichtig ist es mir, glücklich zu sein.“

Für Aufsehen sorgt er schon jetzt. Immer wieder blicken Fußgänger neugierig ins Schaufenster und erst kürzlich kam ein Urlauber und kaufte ein Buch über die Rolling Stones sowie zwei Stones-Platten.

Im Moment ist Zaller noch mit der Einrichtung seines Ladens beschäftigt. Zur offiziellen Eröffnung im September, spätestens im Oktober soll ein DJ auflegen. „Ich kann mir auch für die Zukunft vorstellen, DJs einzuladen oder Bands auftreten zu lassen“, sagt Zaller. Entsprechende Gespräche mit der Stadt hat der Musik-Aficionado schon geführt …