Wasserburger Geschichte verstehen …

Stadtentdeckerin Irene Kristen-Deliano und ihr Roman „Der Reifenschwinger“

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Noch vor gut einem Jahr, Anfang März 2019, tanzten die Wasserburger Schäffler auf unseren Plätzen und Straßen. Sie waren diejenigen, die nach der Pest-Epidemie im 17. Jahrhundert die Lebensfreude für die Bevölkerung zurück brachten. Zu diesem Schäfflerjahr hatte Irene Kristen-Deliano – Wasserburgs StadtEntdeckerInn – den Roman „Der Reifenschwinger“ veröffentlicht.

Für viele Zuschauer war dieses Ereignis, das nur alle sieben Jahre stattfindet, eine lustige Sache. Schon deshalb, da dieser Tanz in der Faschingszeit von Heilig-Drei-König bis Faschingsdienstag aufgeführt wird.

Die einzelnen Tanzfiguren stecken aber voll Symbolkraft.

Beginnend mit der „Schlange“, die giftige Dämpfe, sprich die Pest – der unsichtbare Feind – in Stadt und Land bringt. Gefolgt von der „Laube“, dieses Zusammenrücken der Schäffler versinnbildlichte, wie das eigene Heim zum vermeintlichen ‘Gefängnis’ wird. Des Weiteren die Kreuzfigur, das Kreuz als Schutzsymbol, um nur einiges zu nennen. Es folgen noch sieben Tanzformen.

Irene Kristen-Deliano: Damals dachte ich nicht, dass ich jemals eine Situation erleben würde, welche dem Roman ähnlich ist.

Der Roman Reifenschwinger erzählt unter anderem von Maßnahmen zum Einhalt der Seuche, welche die Stadt vor knapp 400 Jahren ergriffen hat, um der Lage Herr zu werden.

Mit welchen Ängsten, Zweifeln, apokalyptischen Prophezeiungen und wirtschaftlichen Nöten der Einzelne zu kämpfen hatte. Wo sollte er Kraft und Hoffnung schöpfen? In der Hochphase der Epidemie war er sechs Wochen im Haus gefangen, angewiesen auf die Hilfe von außen. Auch damals gehörten Solidarität, Freundschaft und Hilfsbereitschaft jenseits der Standesunterschiede zum alltäglichen Überleben.

Tücher vor Mund und Nase, siebenmal siebenundsiebzig Schritte Abstand halten, Verbot von Märkten, nur die Salzfahrer waren noch unterwegs.

Gehen wir durch die Stadt Wasserburg, so legt die Kanzel in St Jakob Zeugnis ab, die Kirche nach der Pest neu „ausputzen“ zu lassen, jedes Jahr wiederholen die Wasserburger um den Namenstag des Hl. Sebastian (20.Januar) das Pestgelübde. Der Blasiussegen hat lange Tradition hier in der Stadt, er wird am 3. Februar gespendet und schützt vor Halskrankheiten und allem Bösen.

Gerade in diesen Tagen besteht die Chance, sich die Menschen vergangener Zeit ins Gedächtnis zu rufen, wie sie fernab von Telefon, TV und  Social Media diese Herausforderung gemeistert haben.

Kristen-Deliano: Die jetzige Ausgangsbeschränkung bietet eine Möglichkeit, während des Lesens des Romans Wasserburger Geschichte hautnah zu verstehen.

„Der Reifenschwinger“ – 9783939078555 – auch per Post zu beziehen …

creAstro-Verlag oder I.Kristen-Deliano@gmx.de

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