Was will uns der Künstler sagen …?

Wurde dieses Bild von Karl Hofmann in der Datenbank des Museums falsch „verschlagwortet"?

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In den Beständen des Museums Wasserburg befindet sich seit Jahrzehnten eine Radierung, die Rätsel aufgibt. Zu sehen sind Musiker am Dempfeck und einige, als Kasperl verkleidete Kinder. Die Arbeit stammt aus der Hand des Wasserburger Amtsrichters, Zeichenlehrers und Künstlers Karl Hofmann. Doch was wollte dieser mit dem Bild ausdrücken: Fasching auf dem Marienplatz? Doch warum wirken die Erwachsenen so unbeteiligt? Das Museum freut sich über Lösungen, Ideen und Anregungen. Vielleicht wissen die alten Wasserburger ja mehr?

Das Bild zeigt fünf Musiker und ihren Dirigenten am Dempfeck, also der Kreuzung Marienplatz –  Bruckgasse – Schmidzeile.

In den 1920er Jahren befand sich im Haus am Marienplatz mit dem Turmerker die Druckerei Dempf. Gegenüber im alten Mauthaus, das zum Bräu im Winkel gehörte und heute die Hausnummer Marienplatz 25 trägt, waren im Erdgeschoss Läden untergebracht. Durch ein Fenster sieht man einen Handwerker bei der Arbeit. Drei als Kasperl verkleidete Kinder kommen dazu.

Gegenüber sitzt eine Dame beim Stricken auf der Bank vor dem Haus. Neben ihr hebt ein Hund sein Bein – typisch für die ironischen Arbeiten Hofmanns. Ein gut gekleidetes Paar flaniert völlig unbeteiligt aus dem Bildhintergrund herüber. Ein weiteres reckt die Köpfe aus dem Turm des Dempfhauses und die Dame kommuniziert mit einem Herrn auf der Straße. Womöglich gehört er zu den Musikern und bittet um eine Gabe. 
Doch was hat es mit dem Bild auf sich? Wer waren die Musiker und was wollen uns die verkleideten Kinder sagen?

Karl Hofmann (1880-1967) erhielt nach dem Ersten Weltkrieg eine Stelle als Amtsrichter in Wasserburg (1920-1930). Zwischen 1920 und 1927 zeichnete er romantisierende Aquarelle und idyllisch-humorvolle Straßenszenen der Altstadt. Hofmann orientierte sich bei den Staffage-Figuren an Karikaturen von August Geigenberger. Der spätere Bildhauer Willi Ernst nahm bei ihm Zeichenunterricht. 

Bisher wurde die Radierung unter dem Stichwort „Faschingstreiben“ in der Datenbank des Museums verschlagwortet. Doch kann das sein? Aus der Kirmayer-Chronik und einigen alten Ausgaben der Heimat am Inn weiß man, dass die Kinder am UDO, dem Unsinnigen Donnerstag, tagsüber verkleidet umherzogen.

Die Erwachsenen feierten am Donnerstagabend, am Sonntag nach dem Umzug oder am Nachmittag des Faschingsdienstags auf den Plätzen der Stadt. Aber hier wirken die Erwachsenen so unbeteiligt. Die Protagonisten tragen keine warme Kleidung, wie das für den Spätwinter notwendig wäre und selbst eines der Kinder schaut die Musiker fragend an. Auch der Stand der Sonne, die Sonne steht hoch im Westen, weist auf einen späten Nachmittag im Sommerhalbjahr hin …

 

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5 Kommentare zu “Was will uns der Künstler sagen …?

  1. Vielleicht handelt es sich um Musiker und Gaukler eines Wanderzirkus, die am Gries ihr Lager aufgeschlagen haben.

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  2. Fragt den Sammer Helmut, der is do dabei! Der woa des no! Tarrahhh! 🙂

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  3. Das Bild zeigt die Situation der Musiker. Es stellt eine Gruppe von heruntergekommen Gestalten dar, die die beste Zeit ihres Lebens schon hinter sich haben. Nur seltsam gekleidete Kinder und reudige Streuner interessieren sich für sie.

    Personen, die ihnen ein paar Heller für die Musik geben könnten, beachten sie nicht und unterbrechen ihre Arbeit nicht mal. Das Glück verläßt sie in Gestalt des Kaminkeheres am rechten Bildrand. Ich denke die Situation ist nicht abhängig von einer Jahreszeit oder vom Fasching.

    Die Aussage des Bildes lässt sich auch problemlos in die Gegenwart verlagern. Heute würden die Musiker an dieser Stelle nicht von Kötern, sondern von SUV’s bedroht oder ihre Musik würde von stampfenden Bässen übertönt. ;-}

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    1. Ich interpretiere das Bild auch ähnlich. Mit Faschingstreiben hat es m. E. nichts zu tun. Es dürfte sich um reisende Straßenmusiker handeln, die als Clowns verkleideten Kinder gehören wohl zu der Gruppe. Die 20er Jahr waren durch den Weltkrieg und die Inflation für viele Menschen von Armut geprägt, was die dürren Gestalten der Musiker zum Ausdruck bringen.

      Die wohl genährten Bürger auf dem Bild fühlen sich, so mein Eindruck, von den wohl ortsfremden Musikern eher gestört als betört. Deswegen wird der Klingelbeutel auch nicht besonders reichhaltig gefüllt worden sein.

      Der entschwindende Kaminkehrer ist ein Symbol mehr für das fehlende Glück der Musikanten in dieser Zeit in einer Kleinstadt. Der attackierende Hund steht vielleicht auch für eine gewisse Fremdenfeindlichkeit. Bemerkenswert sind auch die beiden Personen im Erker des Dempf-Hauses: Während der Mann eher den Eindruck macht, als würde er gleich zum Schimpfen anfangen, hat seine Frau wenigstens etwas soziale Kompetenz und wirft (hinter seinem Rücken) eine Münze in den Beutel. Das Werk Hofmanns hat nichts mit Faschingstreiben zu tun, sondern ist ein Stimmungsbild aus den nicht goldenen 20er Jahren mit sozialkritischer Komponente.

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  4. Vielen Dank für die guten Interpretationen. Ihr habt uns weitergeholfen.

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