Was macht Corona mit dem Heimat-Fußball?

Seit Wochen, nein – seit Monaten ruht der Fußball in der Heimat. So lange schon und so lange noch, wie nie zuvor. Was macht das mit dem Fußball im Altlandkreis? Die Corona-Zwangspause macht deutlich: Fußball mit seinen festen Strukturen – zweimal Training die Woche, ein Spiel jedes Wochenende – passt nicht in die Zeit des Individualismus. Das Konzept, dass mindestens 14 Spieler an drei bis vier Wochenterminen zum Spaß an der Freude gemeinsam Zeit haben müssen, ist immer schwieriger umsetzbar bei jungen Leuten. Manche Trainer sagen, sie haben in den Telefonaten mit den Spielern schon bemerkt, dass sich der Fokus verschoben habe. Vielleicht ein Hausbau, die wachsende Familie oder ein anderes (sportliches) Hobby beginnen, den Fußball zu überlagern. Ganz zu schweigen von der eventuell schwindenden Fitness der Spieler. Was jetzt ganz besonders zählt, das ist das Engagement des Trainers. Sein Herzblut. Wir sprachen mit einem Fußballer und Coach durch und durch im Altlandkreis – Ex-Profi Slaven Jokic (Foto) vom Kreisklassisten SV Amerang

Die allergrößte Schwierigkeit war zu Beginn der Krise, dass überhaupt nicht absehbar war, wann es denn nur ein bisschen weitergehen wird mit dem Fußball, mit den Spielen in unseren Ligen. Das war zäh. Und komisch:

Die Zeit, in der der Sportplatz komplett gesperrt war, die war schon sehr komisch. Ich denke für uns alle – so wie auch die ganze Situation mit Corona für uns alle sehr komisch war und ist. Einfach fremd von heute auf morgen.

Die Spieler in Amerang haben dann verschiedenste Trainingspläne von mir erhalten – auch haben wir regelmäßig miteinander kommuniziert. Was besonders wichtig war. Den Kontakt zu halten, nichts abbrechen zu lassen – von Beginn an Spieler nicht zu verlieren in dieser so schwierigen Zeit. Das wäre das Schlimmste. Da musste und muss man was für tun als Coach. Ich setze alles daran, niemanden meiner Männer zu verlieren.

Sehnsüchtig haben wir auf den Trainingsbeginn gewartet. Deshalb: Als bekannt wurde, dass wieder in kleinen Gruppen trainiert werden kann, da haben wir gleich losgelegt. Da war ich als Trainer mit meiner sportlichen Leitung im SV Amerang sofort einig.

Das erste Training aber war mit all den vorgeschriebenen Auflagen dann ein wenig – sagen wir mal – kompliziert. Bis sich alle daran gewöhnt hatten – bis wir das Ein oder Andere angepasst hatten und aus den Erfahrungswerten der ersten Einheit Konsequenzen ziehen konnten im Aufbau. Seit dem läuft es ganz gut. Das Training wird von den Spielern hier bei uns in Amerang sehr gut angenommen. Das freut mich als Trainer natürlich sehr. Es ist das Licht am Corona-Horizont für mich.

Meiner Meinung nach kann man nämlich trotz der Auflagen und all der Beschränkungen sehr gut trainieren, weil man sogar die Möglichkeit hat, intensiver zu trainieren als im normalen Alltagstraining. Man muss es ja positiv sehen – und das ist wirklich was Positives! Im ‘normalen Training’ hat man nicht die Möglichkeit, mit einer derart hohen Frequenz zum Beispiel Torschüsse zu trainieren oder Passübungen so intensiv zu üben.

Ich denke, das Fußball-Training in der Corona-Zeit ist auch eine Chance für jede Spielklasse – es ist eben eine gute Möglichkeit, die Ballfertigkeit des Spielers enorm zu verbessern.

So viel zur Fitness. Das Andere aber, das ist natürlich der Hintergrund, dass es gefühlt noch eine Ewigkeit dauern wird, bis es überhaupt wieder losgehen kann mit den Spielen. 

Spiele, sie sind das Salz in der Suppe – sie fördern die Motivation. Und ohne dieses nahe Ziel ist es schwer, die Motivation hoch zu halten. Bis zum September, da ist noch lange hin. Zum Glück kann ich für den SV Amerang sagen, dass meine Spieler und auch ich als Trainer wenigstens dem gemeinsamen Training viel abgewinnen können.

Einfach ist die Zeit nicht, aber ich sehe meine Spieler – ich versuche ihnen das Training so angenehm wie möglich zu gestalten, so dass sie so viel Spaß wie möglich haben. Im normalen Trainings-Betrieb kommt die Anspannung vor wichtigen Spielen hinzu, die spezielle Vorbereitung auf den Gegner – jetzt fällt das weg.

Jetzt will ich viel mehr sehen, wie bewegt sich der Spieler auf dem Platz – mit und ohne Ball, wie profitiere ich als Trainer von genau ihm, diesem Spieler, durch seine Art, Fußball zu spielen.

Bis jetzt habe ich großes Glück mit meiner Mannschaft in Amerang. Dass es alle so gut annehmen und trainieren wollen unter diesen besonderen Voraussetzungen. Nur noch laufen, nur noch Konditionsübungen – ich persönlich würde das als Coach für einen Fußballer zu wenig finden.

Ich wünsche mir sehr, dass es beim SV Amerang so positiv weiter geht und wir alle bald wieder zu einer einigermaßen Fußballer-Normalität zurückkehren können. Vielleicht ja im September.

Interview: Renate Drax