Wann ist man zu bekifft zum Autofahren?

Der Wasserburger Rechtsanwalt Bastian Wernthaler rät zu größter Vorsicht

image_pdfimage_print

Es gibt eine immer mehr um sich greifende Diskussion, ob der Konsum von Cannabis nicht gesellschaftlich zu sehr verteufelt wird, während Alkoholkonsum als „gesellschaftsüblich gilt“. Eines ist dabei unstrittig: Kraftfahrer, die unter dem deutlichen Einfluss von berauschenden Mitteln (egal welchen) stehen, sind eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer und sich selbst. Die Grenzwerte beim Alkohol sind allgemein bekannt, aber wann ist man eigentlich „zu bekifft“ fürs Lenkrad? Dazu unser Rechtsexperte, der Wasserburger Anwalt Bastian Wernthaler:

„Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden, dass bei einer den analytischen Grenzwert von 1,0 ng/ml erreichenden THC-Konzentration im Blut auf ein objektiv und subjektiv sorgfaltswidriges Verhalten geschlossen werden kann. Wie beim Alkohol ist also nicht schon beim Nachweis eines nur sehr geringen Wertes auf eine Fahruntüchtigkeit zu schließen. Ab 1,0 ng/ml liegt aber in der Regel mindestens eine Ordnungswidrigkeit vor.“

Wernthaler weiter: „Problematisch für Konsumenten ist, dass der Abbau von THC abhängig von der persönlichen Konstitution des Betroffenen, der Art des Konsums und der Wirkstoffkonzentration des jeweiligen Produkte sehr unterschiedlich lange dauern kann. Anders als beim Alkohol sind Faustformeln wie „spätestens 36 Stunden nach dem letzten Konsum kann man wieder fahren“ nicht anwendbar.“

Zwar billige der Bundesgerichtshof zu, dass auch eine höhere THC-Konzentration im Blut straffrei sein kann, wenn der Konsument „nach gehöriger Selbstprüfung“ seine Fahrtüchtigkeit als gegeben ansieht. „Wie diese Selbstprüfung aber aussehen soll, verrät das Gericht nicht“, so der Rechtsanwalt.

„Gerade die erstinstanzlichen Gerichte sehen meist die Grenze von 1,0 ng/ml als absolut gegeben an und verurteilen ab dieser Grenze ohne genauere weitere Prüfungen. Ich kann also nur anraten, sehr lange nach dem „Kiffen“ auf das Führen eines Kraftfahrzeugs zu verzichten oder den THC-Wert medizinisch abklären zu lassen. Wer regelmäßig THC konsumiert, sollte eigentlich gar nicht mehr ans Steuer gehen. Andernfalls droht zumindest Fahrverbot und die Anordnung der MPU“, so der Wasserburger Strafverteidiger Bastian Wernthaler.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 Gedanken zu „Wann ist man zu bekifft zum Autofahren?

  1. Ganz einfach, keine Drogen im Straßenverkehr -> alles gut

    Antworten
    1. Die gesetzlichen Regelungen sind ein Witz, das ist ja das Problem. 1,0 ng/ml sind in etwa vergleichbar mit einem Bier vor 3 Tagen. Niemand fährt wirklich bekifft, wenn er diesen Wert hat. Das Gesetz gehört dringend geändert

      Antworten