Wackelt Förderprogramm für Geburtshilfe?

RoMed-Klinik Wasserburg erfüllt Kriterium nicht - Rund eine Million Defizit jährlich

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Die Geburtshilfe-Station am Bad Aiblinger Krankenhaus ist bereits seit einem halben Jahr geschlossen (wir berichteten ausführlich). Wackelt jetzt auch in Wasserburg in der RoMed-Klinik die Fachabteilung „Gynäkologie und Geburtshilfe“? Zumindest erfüllt das Wasserburger Krankenhaus ein Kriterium für ein Förderprogramm nicht, was den Landkreis, Betreiber der RoMed-Kliniken, ziemlich ärgert.

Und um das geht’s dabei:

Der Landkreis Rosenheim bemüht sich um Leistungen aus dem neuen Förderprogramm „Zukunftsprogramm Geburtshilfe“. Dieses hatte die Bayerische Staatsregierung kürzlich beschlossen. Um ab 2018 in den Genuss möglicher Fördergelder zu kommen, änderte der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung den so genannten Betrauungsakt. Einstimmig wurde beschlossen, dass die RoMed-Klinik Wasserburg das Defizit der Fachabteilung „Gynäkologie und Geburtshilfe“ in Zukunft gesondert ausweist.

Das neue Förderprogramm stellt jährlich bis zu einer Million Euro in Aussicht, um das Defizit einer Geburtshilfeabteilung auszugleichen. Voraussetzung ist, der Landkreis übernimmt mindestens 15 Prozent des Defizits.

Um in den Genuss dieser Förderung zu kommen, muss ein Landkreis mehrere Bedingungen erfüllen. So muss das Krankenhaus im ländlichen Raum liegen. Es darf nicht mehr als zwei Einrichtungen mit der Fachrichtung Gynäkologie und Geburtshilfe in einem Landkreis geben und pro Jahr sollen mindestens 300 und höchstens 800 Geburten stattfinden. Diese Bedingungen erfüllt die RoMed-Klinik in Wasserburg.

Trotzdem kann der Landkreis Rosenheim derzeit nicht auf eine finanzielle Unterstützung hoffen, denn eine vierte Bedingung wird nicht erfüllt. Sie lautet, die jeweilige Klinik muss mindestens die Hälfte aller Neugeborenen im Landkreis versorgen. Landkreisbürgerinnen bringen jährlich rund 2.200 Babys zur Welt. Die RoMed-Klinik in Wasserburg müsste demnach rund 1.100 Babys versorgen. Damit scheitert das Haus zweifach, denn tatsächlich werden in Wasserburg jährlich zwischen 600 und 700 Kinder geboren – also nicht die Hälfte aller Landkreiskinder – und wenn es tatsächlich 1.100 wären, würde die Obergrenze von 800 überschritten.

Dieses Ausschlusskriterium sorgte im Kreistag für Unmut. Landrat Wolfgang Berthaler bat deshalb die beiden Landtagsabgeordneten Otto Lederer und Klaus Stöttner, sich der Sache anzunehmen und zu versuchen, dieses Kriterium zu verändern.

Landrat Berthaler gibt trotz der Schwierigkeiten bei der Förderung der stark defizitären Einrichtung vorerst Entwarnung: Nach Auskunft von Berthaler entsteht in der Geburtshilfeabteilung der RoMed-Klinik Wasserburg jährlich ein Defizit von rund einer Million Euro. Berthaler fügte an: „Wir tragen dieses Defizit gerne, eine Schließung ist kein Thema.“

Keine Probleme gibt es mit einer zweiten Säule des neuen Förderprogramms. Demnach sollen Landkreise und kreisfreie Städte einen Zuschuss von 35 bis 40 Euro pro Neugeborenem erhalten.

 

 

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8 Gedanken zu „Wackelt Förderprogramm für Geburtshilfe?

  1. Da sieht man wieder wie krank unser Wirtschaftssystem ist, die gesamte Gesundheitsversorgung muss sofort raus aus dem marktwirtschaftlichen Wettbewerb, private Anbieter, börsennotierte Gesundheitsunternehmen, private Krankenversicherer sind der bösartige Tumor dieser Gesellschaft.

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    1. Liebe Mädchen und Frauen
      Wenn es sicher ist, dass Ihr ein Kind bekommt, reserviert euch in Rosenheim einen Entbindungsplatz, (auch Wasserburg ist bis dahin geschlossen)
      sonst könnte sein, dass man Euch nach Brandenburg schickt, weil da im Krankenhaus- XXL- gerade ein Platz frei ist ???????
      Planwirtschaft nach DDR Vorbild, gell, liebe Angie ??????????

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      1. @Senior
        Wenn man ohne Scheuklappen liest, dann kriegt man mit, dass es hier um das Förderprogramm „Zukunftsprogramm Geburtshilfe“ der Bayerischen Staatsregierung geht. Angela „Angie” Merkel ist geschäftsführende Kanzlerin Deutschlands und nicht Mitglied der Bayerischen Staatsregierung.

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    2. Es völlig daneben (um härtere Worte zu vermeiden) beispielsweise private Physiotherapeuten, die Schön-Kliniken und andere private Anbieter von Gesundheitsleistungen als „bösartigen Tumor dieser Gesellschaft” zu bezeichnen. Ich empfinde solche engstirnigen, beleidigende, Haß säende Kommentare als ein Übel.

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  2. Habe ich richtig verstanden, dass bei den Förderbedingungen mehrere sind, die einander ausschließen? Wenn das so ist – ich zweifle grade an meinem Verstand – dann kann es sich doch nur um einen Schildbürgerstreich des Kreistags handeln. Wie kann das funktionieren, dass in den höchstens 2 Geburts-/Gynäkologischen Stationen im Landkreis je maximal 800 und gleichzeitig 1100 Geburten sein müssen? Auch soll ja mindestens die Hälfte der Geburten in einer der Kliniken stattfinden. Ergo, die Andere erhält wahrscheinlich keine Förderung, da es wohl kaum zu steuern ist, dass dort die andere Hälfte der Geburten ist.
    Unsere Hebammen können sich ohne Festanstellung ihren Beruf nicht mehr leisten, da nach Abzug der Versicherung nur ein Taschengeld übrig bleibt. Eine Entbindungsstation nach der anderen wird geschlossen. Wo und wie bitte schön sollen Frauen ihre Kinder im reichen Deutschland zur Welt bringen? Ach ja, es gibt ja einen Präzedenzfall: Maria hat Jesus mangels anderer Möglichkeit auch im Stall entbunden und es ist alles gut gegangen. Weiter so du profitgieriges Deutschland in deiner Menschenverachtung und beim Tanz um’s goldene Kalb. Frohe Weihnachten!

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    1. An MEINEM Verstand zweifle ich nicht. Jedoch an dem der Verantwortlichen.

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    2. Und ich zweifle an der Lesekompetenz mancher Kommentatoren. Aus den Sätzen: >>Der Landkreis Rosenheim bemüht sich um Leistungen aus dem neuen Förderprogramm „Zukunftsprogramm Geburtshilfe“. Dieses hatte die Bayerische Staatsregierung kürzlich beschlossen.<< könnte man eigentlich mühelos herauslesen, dass es sich um ein bayernweites Förderprogramm handelt, dessen Förderbedingungen von der Staatsregierung und nicht vom Kreistag beschlossen wurden. Inwiefern sollte das also ein Schildbürgerstreich des Kreistages sein? Auch die Staatsregierung mag sich bei den Förderbedingungen manches gedacht, eine Sondersituation wie bei uns (einer der sowohl flächen- als auch einwohnermäßig größten Landkreise Bayerns fusioniert seine Kreiskliniken mit dem Klinikum einer kreisfreien Stadt zu einem Klinikverbund mit vier Häusern für eine Bevölkerung von insgesamt weit über 300.000 Einwohnern) aber offensichtlich nicht auf dem Schirm gehabt haben. Bei kleineren Landkreisen bzw. kleineren Klinikverbünden, die im Jahr vielleicht 1.000 bis 1.500 Geburten zu verzeichnen haben, werden die genannten Kriterien ganz gut funktionieren. Von dem her ist es nur richtig, dass sich der Landkreis um eine Anpassung der Förderbedingungen bemühen will.

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      1. ..das eine Geburt defizizäter sein kann ist das eigentlich traurige, wir sollten uns es in jedem Fall leiten können am Standort Wasserburg und Aibling eine Gynäkologie und Geburtshilfe zu haben.
        Wie ich schon mal vor einiger Zeit gesagt haben es sind die BWLer die uns alles vorrechnen und dann auch noch recht bekommen bei den hochstudierten unsozialen und meist narzistischen Staatssekretären.
        Meiner Meinung nach gehts hier um unsere Kinder und die die noch kommen also darf es schon mal was Kosten, für Panzer und Bausünden haben wir ja auch Geld.

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