Von einem, der auszog, Wirt zu werden

Jürgen Stillner feierte 400 Jahre „Grosswirt" und viele Wasserburger waren mit dabei

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Des ziagt se ganz schee! Bis Mirskofen in Niederbayern ist der Wasserburger gut eine Stunde mit dem Auto unterwegs. Hinter Landshut liegt die malerische Ortschaft, die zum Markt Essenbach gehört. Und dorthin hat es Jürgen Stillner aus Pfaffing verschlagen. Einen, der im Wasserburger Stadtleben bekannt war wie ein bunter Hund. Und das ist er jetzt in seiner neuen niederbayerischen Heimat auch. Dort hat der 51-Jährige nämlich eine besondere Passion. Er ist Wirt aus Leidenschaft.

 

Ob Süddeutsche Zeitung oder Bayerischer Rundfunk – über Jürgen Stillner und seinen „Grosswirt“ hat quasi bereits die gesamte bayerische Journaille berichtet. Und das aus gutem Grund: Er hat das Wirtshaus zu seinen ureigensten Wurzeln zurückgeführt – als Treffpunkt für Jung und Alt, für Vereine und für den gemeinen Wirtshausbruder am Ort genauso wie für den anspruchsvollen Mittagsgast. „Wirt zu sein, das ist für mich mehr als nur Bier auszuschenken“, sagt der Oberbayer, den sie in Niederbayern alle nur den „Willi“ nennen. „Keine Ahnung, woher ich den Namen hab‘. Aber er hat sich eingebürgert.“

 

Nach Mirskofen kam Jürgen „Willi“ Stillner durch die Liebe. Seine Frau, mit der er zwei Kinder hat, stammt dorther. Und seinem Schwager gehört der „Grosswirt“, der über ein Jahr leer stand, bis die Stillners über Nacht die Idee hatten, Wirtsleute zu werden.

Und das mit Erfolg. Über acht Jahre gibt es den  „Grosswirt“ jetzt unter Regie von Jürgen und seiner Frau Sigi. Und vergangenes Wochenende gab’s richtig was zu feiern: 400 Jahre hat die Tafernwirtschaft mittlerweile auf dem Buckel. Eine ehrwürdige Zahl, bedenkt man das Wirtshaussterben der letzten Jahrzehnte in Bayern.

Vier Tage lang herrschte beim Wirt in Mirskofen ein Mordsandrang. Alleine zum Maibaumaufstellen kamen über 1000 „Grosswirt“-Fans. Dass das Traditionsstangerl jetzt nach dem Aufstellen etwas schief aussieht, ist für den Wirt kein Beinbruch, sondern eher Programm: „Der Maibaum steht nicht schief, sondern der ist schief“, lacht der „Willi“, dessen Herz auch an den anderen Festtagen zum 400-jährigen Bestehen höher schlug:

Ob Kabarettabend, Seifenkistenrennen oder Volkstanz – alle Feierlichkeiten waren bestens besucht. Ein echter Höhepunkt: Die Rosenheimer Band „Lenze und de Buam“ spielten im eigens aufgestellten Bierzelt vor dem Gasthaus auf. „Quasi ein Gruß aus meiner oberbayerischen Heimat.“ Einen zweiten brachte zum Jubiläum übrigens der Unertl-Weißbräu Alois aus Haag mit.

 

Zum Abschluss der Feierlichkeiten gastierte am Sonntag zum vierten Mal die Bairische Komödie Wasserburg in der historischen Wirtschaft. Nach dem Mittagstisch spielte sie im gut besuchten Bierzelt die umjubelte Premiere der neuen Volkstheater-Komödie „Der verschmähte Liebhaber oder Die Schlacht von Kraglfing“, die ab 1. Juni auch im Freilufttheater am Stoa bei Edling zu sehen sein wird.

Der „Willi“ genoss die Tage sichtlich, auch weil er jede Menge Besuch aus der alten Heimat bekam. In die zieht es ihn hin und wieder zurück. Dann ist er mit seinem alten Kombi in Stadt und Altlandkreis unterwegs und kauft Wasserburger Biere ein: „Unertl, Forstinger, Baderbräu – alles saugut!“, sagt der ehemalige EDV-Experte und Politik-Student, der mit seinem Einkauf dann in Mirskhofen Wasserburger Biertage veranstaltet. Eine von Dutzenden Ideen, die der „Willi“ in seinem Wirtshaus verwirklicht. Dort gibt es nicht nur den klassischen Flohmarkt, das traditionelle Musikantentreffen oder den Konzertabend, sondern auch bayerisch-irische Pub-Abende – bunt muss es halt sein. So bunt, dass es zu einem bunten Hund wie dem „Willi“ passt …. HC

 

Mehr zum „Willi“ gibt’s beim BR …

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