Vom Biergarten bis zur Biotonne

Zahlreiche Wortmeldungen bei der gestrigen Bürgerversammlung in der Altstadt

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Es ging um Energie und Umwelt, um die Erhöhung des Strompreises bei den Stadtwerken, um Soziales, Bildung und Kultur, ums Bauen und ums Wohnen, um die Infrastruktur und letztlich auch um die Finanzen – in einem breit angelegten Referat zog gestern Bürgermeister Michael Kölbl bei der Bürgerversammlung für die Altstadt  eine rundum positive Bilanz zur Lage der Stadt Wasserburg. Zwar waren (zieht man Amts- und Würdenträger mal ab) insgesamt nur 61 Bürger ins Feuerwehrhaus gekommen, doch die nutzten ausgiebig die Gelegenheit, ihre Fragen und Anliegen dem Stadtoberhaupt auf kürzestem Wege vorzutragen.

GREINHOF

Der Erste war Bernd Joa. Er ärgert sich über die Parkplatzsituation in und rund um den Greinhof. „Da werden die Autos abgestellt, wie’s deren Fahrern gerade passt. Ich wurde Zeuge, wie der Rettungsdienst bei einem Einsatz nur zur Hälfte des Weges in den Hof fahren konnte. Die Polizei hatte mit ihrem Fahrzeug gar keinen Platz mehr.“

Markus Steinmassl, Chef der hiesigen Polizeiinspektion, der bei den Bürgerversammlungen stets zu Gast ist, sagte, ihm sei dieser Missstand durchaus bekannt. Man habe bereits ein Auge auf das Areal geworfen und werde verstärkt die Einhaltung von Park- und Halteverboten kontrollieren.

BIOTONNE

Eine Anwohnerin der Berggasse beklagte sich über den Zustand der Biotonnen. Gerade an heißen Sommertagen würden sich daran Massen an Maden ansammeln. „Der Gestank ist bisweilen unerträglich.“ Sie fragte an, ob die Biotonnen im Sommer in der Altstadt nicht wöchentlich geleert werden könnten.

Darüber müsse man diskutieren, so der Bürgermeister. Allerdings sei die wöchentliche Leerung auch eine Kostenfrage. „Ob das noch mit der aktuellen Grundgebühr zu vereinbaren ist, das bezweifle ich.“

 

Einen guten Tipp hatte Bernhard Schachner (links) von der Abfallberatung der Stadt: „Am besten ist es, wenn man in den Vorsortier-Eimer Tonerde gibt. Die ist am Wertstoffhof erhältlich.“ Und Altstadtbewohner Mario Irlbeck riet: „Einfach mal ein Auge auf den Kokosfilter im Deckel der Tonne werfen. Da ist meist der erste Madenbefall.“

SPERRZEIT

Natürlich ging es auch um die Sperrzeitregelung der Stadt. Nicht nur eine Gruppe Jugendlicher, die insgesamt ein zu dürftiges Angebot an Veranstaltungen für ihre Altersgruppe bemängelte, meldete sich zu Wort, sondern unter anderem auch Altstadtanwohner Markus Christandl: „Seit der Einführung der Sperrstunde ist die Altstadt am Samstagabend wie ausgestorben. Alle Kneipen sind leer. Kein Mensch geht mehr in Wasserburg weg.“  Und ein Jugendlicher ergänzte: „Wasserburg wird mehr und mehr zum Altersheim.“

Der Bürgermeister wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass man die Sperrzeit verlängert habe, weil es in der Altstadt nachts bisweilen untragbare Zustände gegeben habe. „Wir erinnern uns an zertrümmerte Fensterscheiben, an Schlägereien, Verunreinigungen und Lärmbelästigungen. Es gab keinen Montag, an dem ich nicht zahlreiche Beschwerden auf dem Tisch hatte.“

Die gesamte Situation habe sich jetzt aber entspannt. „Der Stadtrat denkt ernsthaft darüber nach, die Sperrzeiten versuchsweise wieder zu ändern.“ Am komenden Montag, 19. November, finde ein Sicherheitsgespräch mit den Gastronomen statt, anschließend könne das Thema eingehend diskutiert werden.

HOFSTATT UND VERKEHR

Natürlich kam auch wieder das Thema „Sperrung der Hofstatt“ auf den Tisch. Mehrere Altstadtbewohner wollten dazu den Sachstand wissen. Darunter Nico Huber: „Wie ist denn da jetzt der Planungsstand? Und was tut die Stadt eigentlich für die Fußgänger und Radlfahrer?“, war seine Frage. Der Bürgermeister erklärte dazu, dass derzeit die beiden Unterschriften-Listen auf dem Tisch lägen:Am 27. November ist die abschließende Bürgerbeteiligung zum ISEK. Da könnten dann alle Wünsche nochmals eingebracht werden. Kommen Sie zu diesem Termin“, forderte Kölbl die Fragesteller auf.

Nach der abschließenden Bürgerbeteiligung zum ISEK werde sich der Stadtrat mit den Detailfragen und deren Umsetzung beschäftigen.

Zum Thema „Radfahren in der Stadt“ meldete sich Bernd Meerstein: „Wir sind dabei, eine Ortsgruppe des ADFC zu gründen und wollen uns anschließend bei allen Belangen zum Thema Radfahren mit einbringen“, was der Bürgermeister durchaus begrüßte.

Insgesamt bemängelten einige Anwohner die schlechte Parkmoral in der Altstadt, die mangelhafte Überwachung des Parkverbotes vor allem in verkehrsberuhigten Bereichen, den Missbrauch von Sondergenehmigungen und die Ungleichbehandlung von Pkw- und Lieferverkehr.

Alexander Wildgruber vom Marienplatz: „Das kann doch nicht sein, dass ich brav meine 37 Euro Strafe zahlen muss, wenn ich zum Be- und Entladen meines Pkw keine andere Chance sehe, als mich kurz ordnungswidrig in eine Feuerwehranfahrtszone zu stellen, tagtäglich aber Lieferanten eines großen Gewandhauses ungestraft stundenlang ihre Lieferwagen dort abstellen.“

BURKHARDT UND BIERGARTEN

Am Ende der ausführlichen Fragestunde wollte noch ein Wasserburger wissen, was denn eigentlich auf dem Gelände der ehemaligen Essigfabrik Burkhardt geplant sei. Der Bürgermeister: „Wir beschäftigen uns im Stadtrat ab Dezember damit.“ Geplant sei noch nichts Konkretes. Allerdings werde man wohl bereits im kommenden Jahr mit dem Abriss der alten Gebäude beginnen. Ralf Basche schlug in diesem Zusammenhang vor, das Areal einer Zwischenlösung zuzuführen: „Vielleicht könnte man da ja mal kurzfristig einen Biergarten installieren, der Wasserburg an allen Ecken und Enden fehlt.“ Für seinen Vorschlag erhielt er ebenso Applaus wie Bürgermeister Michael Kölbl für seine Ausführungen.

 

 

Hier die Eckdaten zur Stadt Wasserburg, die der Bürgermeister gestern vor der Fragestunde vorgetragen hatte:

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13 Gedanken zu „Vom Biergarten bis zur Biotonne

  1. Und ein Jugendlicher ergänzte: „Wasserburg wird mehr und mehr zum Altersheim.“ Diese Aussage zeugt – bei allem Verständnis für die Feierlaune junger Menschen – doch von einer gewissen Respektlosigkeit älteren Mitbürgern gegenüber und verschließt die Augen vor demografischen Entwicklungen, die nun einmal Fakt sind. Etwas mehr Sachlichkeit in der Sperrzeit-Debatte von allen Beteiligten wäre wünschenswert!

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    1. Lieber Oidstoderer
      Dies war, denke ich mehr die Feststellung, dass in Wasserburg für die älteren und alten Menschen viel gemacht wurde in den letzten Jahren, was auch alle sehr gut finden.
      Leider ist es aber nun einmal Fakt, dass in Wasserburg für junge Erwachsene sehr wenig getan wird. Die ganze Entwicklung und Verordnungen der letzten Jahre geben mir den Eindruck, dass Jugendliche und junge Erwachsene in Wasserburg nicht gerne gesehen sind.
      Und mit der Sperrzeit ist noch ein Grund, in Wasserburg zu sein weggefallen. Nun einmal Fakt ist, dass seid der Sperrzeitverlängerung die jungen Menschen nicht mehr so oft nach Wasserburg kommen!
      Falls es eine Aufhebung oder Lockerung der Sperrzeit in naher Zukunft geben würde, wäre es auch sehr schön wenn der Stadtrat dazu auch ein öffentliches Statement abgeben würde – Pro Jugend und damit auch mit den Konsequenzen, dass es Abends auch mal ein bisschen lauter ist.
      Die Jugend und jungen Erwachsenen wohnen hier, machen ihre Lehre und gehen hier zur Schule und diese Bindung muss man Pflegen und noch mehr Angebote schaffen, diese Menschen sind die Zukunft von Wasserburg.
      Schöne Grüße
      Rainer Gottwald
      Kino Utopia

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      1. Schön wäre auch ein Statement der Jugendlichen und jungen bzw. jung gebliebenen Erwachsenen, dass es eben keine unweigerliche Konsequenz sein muss, dass es durch verlängerte Öffnungszeiten wieder „ein bisschen lauter“ wird, sondern dass man im Gegenteil bemüht sein will, als Gast Rücksicht walten zu lassen oder als Wirt bzw. Partyveranstalter seiner Verantwortung nachzukommen. Denn genau diese Rücksichtslosigkeit, die gerne in dem Satz gipfelt „wenns dir zu laut ist, zieh halt weg“, hat zum derzeitigen desolaten Zustand des Wasserburger Nachtlebens wesentlich beigetragen. Das schreibe ich wohlgemerkt als jemand, der von Anfang an gegen die Sperrzeitregelung war. Aber ein vollgekotzter Hauseingang wird nun einmal nicht dadurch erträglicher, wenn man sich vor Augen hält, dass einem da die „Zukunft von Wasserburg“ das Halbverdaute vor die Türe gelegt hat.

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  2. Schreinerbiker

    Biergarten auf dem Gelände Burkhardt, wie soll denn das funktionieren?
    Warmes Bier? Toilette im Inn? Ende vermutlich 2020.
    Eine Schnapsidee.

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    1. Es gibt so tolle Erfindungen wie einen Kühl- oder Toilettenwagen. Ja und selbst wenn es ihn nur bis 2020 geben würde, hätte man zumindest 2 Sommer einen Biergarten. Besser als nix! Und für die Palmen hätte man auch eine Verwendung…

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    2. Beim Inndammfest gibt es jedes Jahr viele schöne kleine „Biergärten“
      Es könnte sich doch jemand finden, der am Inndammweg irgendwo dann den ganzen Sommer geöffnet hat ?

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    3. @Schreinerbiker: Ich war auf der Versammlung, und da hat der Herr von einer „Zwischennutzung als Biergarten“ gesprochen bis klar ist, was mit dem Gelände passiert. Nicht mehr, nicht weniger. Nicht immer alles gleich als „Schnapsidee“ betiteln.

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  3. Wasserburgerin

    Wasserburg und Biergarten, des i eigendlich Vergangenheit. In da Oidstadt a greisligs Fetzingerhaus und bei den Bierkeller Bruckbräu a schiachs Parkhaus. Aba mir ham scheene Cafe’s und Kneipen zum drausen sitzen. Biergarten fahr i ausserhalb nach Rieden oder Rott, da gib’s so was no.

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  4. Schreinerbiker

    Am Inndammfest, Biergarten für einen Tag. Leben müssen die davon nicht.

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  5. Wasserburger Altstädter

    Wasserburg schmückt sich mit der 700 Jahre alten Tradition und der Entwicklung zu einer schönen Kleinstadt.
    Dass aber, in dieser langen Historie, die Kneipen wohl selten so fad und schlecht besucht sind, ist den Beschlüssen der letzten Jahre zuzuschreiben.
    Will sich Wasserburg eine (Klein)-Stadt nennen, muss sie sich auch darum kümmern Menschen in lockerer und ausgelassener Atmosphäre einen Raum zum Austausch zu geben.
    Die Wasserburger müssen sich treffen, streiten, verlieben und lachen.
    Wo geht das besser als in einer Kneipe?
    Zuhause vor dem PC und Internet eher nicht.

    Der Ball liegt bei der Stadtverwaltung….

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    1. Sperrzeitverordnung

      „Wasserburg wird mehr und mehr zum Altersheim“
      „Fakt ist, dass seit der Sperrzeitverlängerung die jungen Menschen nicht mehr so oft nach Wasserburg kommen!“
      „…ABENDS auch mal ein bisschen lauter ist“
      „… die Kneipen wohl selten so fad und schlecht besucht sind, ist den Beschlüssen der letzten Jahre zuzuschreiben.“
      „Die Wasserburger müssen sich treffen, streiten, verlieben und lachen.“

      Fakt ist aber auch, dass die derzeitige Sperrzeit keine sehr harte Regelung darstellt (s.u.). Ist es wirklich so, dass unter Woche bzw. am Wochenende die Sperrzeiten sooo gravierende Auswirkungen auf das Nachtleben haben, sich niemand mehr amüsieren, lachen, oder verlieben kann?
      Muss es wirklich sein, dass es Nachts zwischen 1.30 Uhr unter der Woche bzw. 3.00 Uhr am Samstag „ein bischen lauter wird“ und die Leidtragenden dafür Verständnis haben sollen.
      SPERRZEITVERORDNUNG
      http://www.wasserburg.de/de/stadt-buerger/stadtverwaltung/ortsrecht/sperrzeit/
      montags bis freitags von 1.30 Uhr bis 6.00 Uhr
      samstags, sonntags sowie an gesetzlichen Feiertagen von 3.00 bis 6.00 Uhr

      @Watercastle: Vielen Dank für den sehr treffenden Beitrag.

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      1. Liebe Leute,
        ich verstehe ja, wenn einem vor die Tür gekotzt wird oder Sachen beschädigt werden,
        dass derjenige nicht gerade erfreut ist. Das sollte auch nicht die Regel sein!!!

        Aber: Wir befinden uns hier in einer Stadt, die Altstadt ist nunmal der Kern von Wasserburg
        Ich verstehe die Aufregung nicht. War es vor 5, 10 oder 20 Jahren denn anders? Leiser? Schöner?
        Meiner Meinung nach nicht.

        Nur versucht heutzutage jeder seine Bedürfnisse durchzusetzen und schaut nicht nach links oder rechts!

        Das ist wohl der Zahn der Zeit. Lasst uns einen Kompromiss finden, mit dem alle leben können.
        Dazu gehören JUNG und ALT.

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  6. Also ich bin dafür, dass das Wort „Fakt“ durch einen automatischen Filter detektiert werden soll und der gesamte Beitrag dann gelöscht wird. Ich kanns nicht mehr hören/lesen, was alles „Fakt“ sein soll.

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