Vier Jahrzehnte im Dienst der Schule

Peter Rink, Leiter des Luitpold-Gymnasiums, geht im Sommer in den Ruhestand - Eine Bilanz

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„Ich liebe diesen Beruf. Und trotzdem freu’ ich mich natürlich auch ein bisschen auf die Zeit danach. Zwei Seelen wohnen da in meiner Brust.” Der das sagt, war 40 Jahre im Schuldienst und hat am 31. Juli seinen letzten Tag als Lehrer. Peter Rink, Schulleiter des Wasserburger Luitpold-Gymnasiums, tritt mit Ende des Schuljahres in den Ruhestand. Für die Wasserburger Stimme zieht er Bilanz – eine sehr persönliche.   

Peter Rink ist Jahrgang 1952. Doch man sieht ihm seine 67 Jahre nicht an. Die runde Brille auf der Nase, ein Lächeln im Gesicht – der gebürtige Berliner hat sich allzeit etwas Jugendlich-Schelmisches bewahrt. So zumindest kennen ihn Kollegen und Schüler und nicht zuletzt wohl auch viele  Wasserburger, immerhin ist der Schulleiter auch noch Vorsitzender beim Heimatverein und aktives Mitglied bei den Rotariern.

Sein beruflicher Werdegang begann mit dem Studium in Erlangen. Dorthin verschlug es ihn nach dem frühen Tod des Vaters 1972. „In Erlangen lebten damals meine Brüder”, so Rink, „deshalb zog ich da erstmal hin.”  Germanistik, Geschichte und politische Wissenschaften suchte sich Rink für sein Studium aus, das er 1975 in Freiburg fortsetzte, wo er 1977 auch sein Examen ablegte.

Dann ging es zurück nach Erlangen. Erste berufliche Stationen folgten als Referendar in Schwabach und Pegnitz. Dort verbrachte er dann auch die ersten Jahre seiner Lehrerlaufbahn. Doch dann er wollte etwas vom Leben sehen, „einen fremden Kulturkreis von innen, meinen eigenen von außen.” Es folgte ein radikaler, geografischer Kurswechsel – Rink ging 1986 nach Ägypten, wurde Lehrer an der Deutschen Schule in Alexandria, führte dort die deutsche Reifeprüfung ein. Später ging’s für das Auswärtige Amt nach Beirut. „Meine libanesischen Jahre gehören zu den schönsten und interessantesten in meinem Berufsleben”, so Rink, der auch heute dem Libanon noch eng verbunden ist und mit den Rotariern ein Schulprojekt in Angriff genommen hat (wir berichteten).

Insgesamt verbrachte Rink vierzehn Jahre im Ausland, ehe er 2004 Schulleiter am Gymnasium in Tutzing am Starnberger See wurde, wo er bis 2005 blieb. „Ich habe da so einiges mitgemacht. Das war ein Stahlbad, was mir dann aber bei meiner Schulleiter-Stelle in Wasserburg auch viel geholfen hat”, sagt Rink, der sich gerne an die ersten Tage in Wasserburg erinnert: „Personal- und Elternbeirat haben mich vorab zu einem Gespräch eingeladen. Ich kannte Wasserburg vorher nicht. Das Gespräch dauerte zwei Stunden, dann hat die damalige Vorsitzende des Elternbeirats und heutige Stadträtin Edith Stürmlinger den entscheidenden Satz gesagt, an den ich mich noch bestens erinnere: Herr Rink, ich glaub, wir können uns das mit Ihnen vorstellen.” 14 Jahre Wasserburg folgten. „Zusammen mit denen im Libanon sicherlich die schönsten in meinem Berufsleben.”

Nach 40 Jahren Schuldienst ist jetzt im Sommer Schluss. Und was bleibt? „Sehr viel Dankbarkeit. Ich habe mit vielen jungen, netten Menschen zusammengearbeitet. Ich freute mich auf die tägliche Auseinandersetzung mit ihnen und glaube, das ist mir ganz gut gelungen – zumindest meistens”, sagt Rink schmunzelnd. Er habe sich in Wasserburg zusammen mit seiner Frau stets sehr wohl gefühlt und viele echte Freunde gefunden.

Zu den Höhepunkten in seinem Berufsleben befragt, erinnert sich der Wasserburger Schulleiter gerne an seine Zeit in Pegnitz. „Dort habe ich die Studienreisen in die DDR angestoßen. Das gab’s bis dahin an keiner Schule in Bayern. Ich kann mich noch gut an die Skepsis bei der Schulleitung und beim Kultusministerium erinnern, die aber letztlich grünes Licht gegeben haben.” Was Rink besonders freut: „Die Studienfahrten gingen damals in so attraktive Länder wie Frankreich, Italien und England – trotzdem haben sich im ersten Jahr gleich 25 Schüler für die DDR-Reise angemeldet. Das war einfach toll.”

Von 1980 an machte Rink übrigens auch mit Leidenschaft Schultheater. „Immer wieder habe ich Schüler dazu animiert, Rollen zu spielen, Stücke neu zu deuten. Ich habe regionale Theaterfestivals ins Leben gerufen und durchgeführt, habe in Alexandria ein großes Musical mit 250 Teilnehmern inszeniert, habe in Neufahrn mit meinem Musikkollegen Musiktheater gespielt, was sehr erfolgreich war. Erst nach meiner Neufahrner Zeit 1998 habe ich damit aufgehört. Mein Herz und meine Seele gehörten aber immer dem Theater und der Musik. Vielleicht fördere ich an unserer Schule deshalb auch gerne alle Genres von Theater und Musik.”

Hat der erfolgreiche Pädagoge auch mal etwas nicht geschafft? „Ja, den Doktortitel. Das sollte offenbar nicht sein. Ich wollte meine Doktorarbeit über die Geschichte der DDR schreiben. Merkte aber zu spät, dass ich zu dieser Zeit quasi in einer stasi-verseuchten Schlangengrube war. Dort wurde alles unternommen, damit ich die Arbeit nicht erfolgreich beenden konnte. Das mit der Stasi habe ich allerdings erst nach dem Mauerfall recherchieren können.” (Foto: Peter Rink 1979)

Und wie geht’s jetzt weiter? „Am 24. Juli gibt’s eine Abschiedsfeier, am 26. die Zeugnisse, am 31. ist für mich Schluss, dann kommt mein Nachfolger. Die Stelle wurde kürzlich bayernweit ausgeschrieben.”

Die Füße will Rink im Ruhestand aber längst noch nicht hochlegen. „Ich bleibe aktiv beim Heimatverein, organisiere weiter unsere Fahrten, die sehr erfolgreich sind. Da ist schon eine große Wertschätzung zu spüren, allein, wenn ich auf die Zahl der Anmeldungen schaue.”

Und dann ist da ja auch noch das libanesische Projekt. „Im März geht’s mit den Rotariern wieder runter. Wir bauen nahe Beirut eine Berufsschule. Es ist finanziell alles in trockenen Tüchern. Die Auswahl der Lehrkräfte ist meine nächste Aufgabe. Dann müssen wir die auf den Unterricht vorbereiten.”

Mit dem Schulprojekt will Rink auch ein Beispiel für andere Projekte geben. „Wir bekommen die Flüchtlingsproblematik langfristig nur in den Griff, wenn wir den Menschen in ihren Heimatländern eine Zukunftsperspektive geben. Über berufliche Bildung schaffen wir Heimat. Wer eine Heimat hat, verlässt diese nicht so einfach. Da gibt’s jetzt für uns noch viel Arbeit.” Von Ruhestand kann also nicht die Rede sein …

HC

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