Vier für Haag

Bürgermeisterkandidaten präsentieren sich bei Podiumsdiskussion

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Riesenandrang am Samstagabend: Gut 300 Interessierte wollten sich im restlos besetzten „Grandls Hochzeitsstadl“ diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen. Einen Monat vor der Kommunalwahl steckten die vier Bürgermeisterkandidaten Sissi Schätz (SPD), Bernd Schneider (CSU), Klaus Breitreiner (Freie Wählergemeinschaft) und Josef Hederer (Parteifreie Wählergemeinschaft) gemeinsam auf einer Bühne ihren politischen Kurs ab.

Dabei nahm das Quartett Stellung zu den vier Themenkomplexen Gewerbe und Wirtschaft, Ortsmitte, Bauen und Wohnen sowie Soziales und Kultur. Um die Fairness zu garantieren, wurde per Auslosung bestimmt, in welcher Reihenfolge die Redner die Debatte mit einer persönlichen Vorstellung eröffnen konnten.

 

Sichtlich beeindruckt vom großen Publikum verwies Klaus Breitreiner (44) auf seine jahrelange Vereinstätigkeit sowie seine berufliche Kompetenz als Projektleiter und Betriebswirt, mit der er ins Rennen um den Bürgermeistersessel geht. Als eine „große Ehre“ bezeichnete es Bernd Schneider (58) für das Amt des Gemeindeoberhauptes zu kandidieren, mit dem er „Haag voranbringen“ wolle. Amtsinhaberin Sissi Schätz (55) skizzierte kurz ihre politischen Erfolge der letzten sechs Jahre und rückte die sozialen Themen in den Vordergrund, die ihr am Herz lägen. Josef Hederer (59) will im Falle seiner Wahl auf offene Kommunikation setzen sowie auf Vielfalt und regionale Versorgung.

 

Gewerbe

Beim Thema „Gewerbe“ verwies Breitreiner auf über 400.000 Quadratmeter unerschlossene Fläche und mahnte, dass Firmen wegzögen, wenn sie keinen Baugrund vorfänden. Ähnlicher Ansicht zeigte sich der CSU-Kandidat: „Wir müssen den Dialog mit den Firmen suchen, sodass sie am Ort bleiben!“ Um auch den Tourismus als Finanzquelle zu nutzen, will sich Schneider für ein Hotel einsetzen ebenso wie für einen Gewerbepark. Flächen, die noch als Baugrund ausgewiesen werden können, sieht die Bürgermeisterin nur noch im Westen der Grafschaft und setzt dabei auf Vielfalt statt auf ein großes Unternehmen. Hederer will behutsam vorgehen: „Wir brauchen kein Wachstum auf Teufel komm raus.“ Wenn das Profil Haags geschärft würde, wäre die Gemeinde auch attraktiv für die Wirtschaft.

Ortsmitte

Beim jahrelang kontrovers diskutierten Thema „Ortsmitte“ nimmt Bernd Schneider die Hauptstraße ins Visier. „Wir wollen den Leerstand dort bekämpfen und alle Beteiligten an einen Tisch holen.“ Für den Zehentstadl wünscht sich der CSU-Mann eine multifunktionelle Nutzung und nicht nur ein Kino. Dem widersprach Schätz: „Mit Kino, Cafés und einer Kleinkunstbühne wird der Zehentstadl vielseitig genutzt werden.“ Den Durchgangsverkehr möchte die Bürgermeisterin reduzieren, allerdings dabei ein Parkplatzkonzept miteinbeziehen. „Und das muss ausgeklügelt sein“, so PWG-Kandidat Hederer; „denn Haag lebt davon, dass die Leute reinfahren.“ Bevor Baumaßnahmen an der Hauptstraße beginnen, will sich Breitreiner für eine Entlastungsstraße neben der B12 einsetzen, „sonst weicht der der Verkehr anderweitig aus.“

Einer Verkehrsberuhigung erteilten Schätz und Schneider gleichermaßen eine Absage.

Was die Neugestaltung des Schlosshofes betrifft, sprach Schätz von einem gelungenen Konzept. „Barrierefreiheit, Veranstaltungsmöglichkeiten und Sicherheitsaspekte sind berücksichtigt, wir können dieses Jahr starten, „so die Bürgermeisterin. Gut im Zeitplan sei man auch bei der Sanierung von Hallenbad und Turnhalle.

Bauen und Wohnen

Handlungsbedarf sahen allen Kandidaten beim Thema „Bauen und Wohnen. Um dem Siedlungsdruck zu begegnen, sollen laut Sissi Schätz Ende 2020 die ersten Grundstücke ausgewiesen werden. Die Gemeinde werde 30 Prozent kaufen und zum Selbstkostenpreis abgeben. Doppelhaushälften etwa würden an der Fliederstraße, in Oberndorf und am Lerchenberg entstehen. Die Versorgung mit regenerativer Energie will Hederer vorantreiben und: „Wir brauchen auch bezahlbare Wohnungen!“ Und zwar dringend, wie es auch Breitreiner sieht: „Derzeit gibt es keine freien Wohnungen!“ Eine kommunale Wohn- und Baugesellschaft könne laut Schneider Abhilfe schaffen: „So kann man auch Wohnungen an Bedürftige vergeben.“ Dieser Idee widersprach allerdings Schätz, die eine schlanke Verwaltung vorzieht. Den Baubestand zu nutzen sieht Hederer, der etwa das alte Schulhaus in Oberndorf miteinbeziehen möchte.

Allen Baumaßnahmen gemein soll eine Nutzung solarer Energie sein, wenn es nach dem CSU-Mann geht. „Das sollte man fest vorschreiben“, so Schneider, „Haag kann da ein Vorreiter sein.“ Davon allerdings hält Breitreiner nichts: „Das kann sich nicht jeder leisten.“ Förderprogramme von Land und Bund könnten da hilfreich sein

Kultur

Was die Kultur betrifft, sieht Hederer zunächst „geschliffene Edelsteine“ wie das Herbstfest und die Straßenfeste, aber auch „ungeschliffene“ wie den Schlosshof. Zu wenig für das Herbstfest sei nach Meinung von Breitreiner getan worden, das Straßenfest, das nur einen Tag dauere, habe etwa 2018 rund 40.000 Euro gekostet. Um die 72 Haager Vereine künftig besser einzubinden, will er im Falle seiner Wahl einen „Verein der Vereine“ schaffen. Das sieht wiederum Schneider ähnlich, die Vereine seien besser miteinzubeziehen – auch „um Geld etwa für das Herbstfest einzusammeln“ (Breitreiner)

 

Weitgehend Einigkeit herrschte bei den Bürgermeisterkandidaten beim Thema „Tafel“. FWG-Mann Breitreiner: „Räumlichkeiten sind da – das kann Haag stemmen.“ Dem stimmt auch Schneider zu, wenn Bedarf da sei. Den gäbe es im Einzelfall, so Sissi Schätz, allerdings müsse Ware, die übrig bleibt, auch entsorgt werden. In die Pflicht nehmen will Hederer die Supermärkte, die zu bestimmten Uhrzeiten preisgünstig Lebensmittel an Berechtigte verkaufen sollten.

 

 

Hederer.

 

Breitreiner.

 

Schätz.

 

Schneider. 

 

Zum Abschluss der Diskussion wurde dem Quartett nochmal die Gelegenheit gegeben, persönliche Schwerpunkte zu setzen. Für Breitreiner ist das vorrangig die Sanierung von Hallenbad und Turnhalle. „Als Bürgermeister werde ich die Kalkulation auf den Kopf stellen. Wenn die Sanierung teurer als ein Neubau ist, werde ich Baustopp verhängen!“

CO2-neutraler Heizungsbau steht für Schneider auf der Agenda: „Darauf soll die Gemeinde Einfluss nehmen. Bad, Schulen und Turnhalle könnten mit Hackschnitzelheizung betrieben werden.“

Als ihr großes Thema betrachtet Bürgermeisterin Schätz die Nachhaltigkeit. So sei ein sensibler Umgang mit Flächen angezeigt, leerstehende Gebäude zu nutzen oder das Car-Sharing Konzept auszubauen. Auch Treffpunkte für Jugend und Senioren seien zu schaffen.

Ins selbe Horn stieß Hederer. „Als Bürgermeister werde ich umwelt- und sozialverträgliche Bedingungen schaffen.“ Als Beispiel nannte er eine regionalisierte Versorgung mit Lebensmitteln.

 

Durchs Programm führte Heike Duczek (OVB Rosenheim). Musikalisch wurde der Abend von der „Schlossturm Musi” umrahmt.

 

CF/Fotos: WS

 

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