„Varianten sind besorgniserregend”

Die aktuelle Corona-Lage: Wochenbericht des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim

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„Leider ist in der Stadt und im Landkreis Rosenheim der robuste Abwärtstrend des Infektionsgeschehens gestoppt. Wir sehen seit Mitte Februar einen Wiederanstieg der Fallzahlen und der 7-Tage-Inzidenz. Die Stadt hat bereits am 5. März die Marke von 100 in der 7-Tage-Inzidenz überschreiten. Der Landkreis verharrt aktuell im hohen zweistelligen Bereich. Wir beobachten im Gesundheitsamt eine klare Trendumkehr in der Region zum Negativen hin.” So bewertet Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, die aktuelle Corona-Lage im Wochenbericht des Amtes, der heute veröffentlicht wurde.

Darin weist das Gesundheitsamt Rosenheim darauf hin, dass der seit Ende Dezember bestehende klare Trend für eine Abschwächung des Infektionsgeschehens in der Region gestoppt ist und die 7-Tage-Inzidenz seit Mitte Februar wieder ansteigt. In der Stadt Rosenheim wurde der niedrigste Wert der 7-Tage Inzidenz am 18. Februar mit 36,2 erreicht und liegt aktuell bei 138,5. Im Landkreis Rosenheim stieg dieser Wert von 42,5 am 13. Februar auf 80,0 am 11. März.

Seit dem letzten Wochenbericht wurden dem Gesundheitsamt Rosenheim täglich zwischen 16 und 61 neue Fälle gemeldet, dies bedeutet eine Zunahme im Vergleich zum letzten Wochenbericht.

Besorgniserregende Varianten

„Zunehmend gewinnen die besorgniserregenden Varianten des Coronavirus auch in der Region an Bedeutung: Nachdem nunmehr viele Labors das Testverfahren einer variantenspezifischen PCR-Untersuchung etabliert haben, werden dem Gesundheitsamt zunehmend bestätigte Fälle der britischen Variante (B1.1.7.) gemeldet. Bislang wurden dem Gesundheitsamt 482 Fälle einer bestätigten besorgniserregenden Variante gemeldet. Seit dem letzten Wochenbericht wurden 152 Fälle der britischen Variante von zuvor positiv in der PCR getesteten Personen gemeldet. Bislang ist in der Rosenheimer Region weiterhin lediglich ein bestätigter Fall der Südafrika-Variante aufgetreten, über den bereits berichtet wurde. Die brasilianische Mutation wurde nicht nachgewiesen”, so das Gesundheitsamt.

Für Verdachtsfälle sowie bestätigte Fälle einer besorgniserregenden Variante gelten strengere Infektionsschutzmaßnahmen: Neben einer 14-tägigen häuslichen Quarantäne, die nicht verkürzt werden kann, ist für die Beendigung der Quarantäne zusätzlich ein negatives Testergebnis erforderlich. Diese Maßnahmen gelten auch für die engen Kontaktpersonen der Kategorie eins.

Infektionsschutzmaßnahmen

Trotz steigender Fallzahlen kann das Gesundheitsamt weiterhin die positiv Gemeldeten tagesaktuell telefonisch und schriftlich über ihre Infektion informieren und die erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen anordnen. Auch die engen Kontaktpersonen können zeitnah kontaktiert und ebenfalls eine häusliche Quarantäne angeordnet werden.

Dr. Hierl:

„Aus meiner Sicht stehen wir am Beginn einer dritten Welle.

Große Sorge bereitet uns die Verbreitung der besorgniserregenden Varianten. Bei etwa der Hälfte der im März gemeldeten Fälle wird im Labor mittlerweile die britische Variante festgestellt.

Die besorgniserregenden Varianten können den Verlauf der Pandemie verschlimmern, zu einer schnelleren Verbreitung der Infektionen, zu schwereren Verläufen, zu erhöhter Sterblichkeit und zu einer Überlastung der Intensivstationen führen.

Unklar ist momentan die Datenlage, ob von einzelnen Varianten auch eine schlechtere Schutzwirkung der Impfung resultieren kann.”

Der Leiter des Gesundheitsamtes weiter: „Weiterhin liegt es in der Verantwortung des Einzelnen, die weitere Entwicklung der Infektionszahlen zu beeinflussen: Die bekannten Regeln – Kontaktreduktion, mindestens 1,5 Meter Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Masken tragen und lüften – sind konsequent einzuhalten, um die Ausbreitung der Virusvarianten zu verlangsamen. Auf Reisen sollte derzeit unbedingt verzichtet werden.“

Infektionsquellen

Infektionsübertragungen ereignen sich weiterhin überwiegend im privaten Umfeld, das zirka 74 Prozent der bekannten Infektionsursachen ausmacht. Etwa 14 Prozent fallen auf den Arbeitsplatz. Vereinzelt (zirka zwei Prozent) kommt es zu Infektionserkrankungen in Einrichtungen wie Kliniken, Pflege- und Behindertenheimen. Als Lichtblick sieht das Gesundheitsamt, dass kaum mehr Infektionen bei Bewohnern von Heimen auftreten. „Dies ist ein großer Erfolg der Impfungen in den Einrichtungen“, so Hierl.

Es ereignen sich auch wieder einzelne Fälle und Ausbrüche in Schulen und Kitas (zirka fünf Prozent). Auf den Freizeitbereich fallen etwa fünf Prozent der Fälle.

Impfungen

Insgesamt sind zirka 34.600 Impfungen seit Impfstart vor allem in Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern sowie dem gemeinsamen Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim auf der Loretowiese erfolgt. 23.501 davon waren Erstimpfungen, 11.050 Zweitimpfungen. Insgesamt 8.214 dieser Impfungen wurden in stationären Einrichtungen sowie betreuten Wohnformen in Stadt und Landkreis Rosenheim verabreicht.

Es wird darauf hingewiesen, dass für die Impfung gegen COVID-19 eine Registrierung unter https://impfzentren.bayern zu erfolgen hat. Es darf sich bereits jeder impfwillige Bürger registrieren, unabhängig von der Priorisierung nach der Coronavirus-Impfverordnung und der jeweiligen Mobilität. Besteht ausnahmsweise keine Möglichkeit zur Internetnutzung, ist auch eine telefonische Registrierung bei der Impfhotline unter der Rufnummer 08031/ 365 8899 möglich. Vorrangig soll die Registrierung jedoch online vorgenommen werden. Sobald Termine verfügbar sind und die jeweilige Priorisierungsgruppe an der Reihe ist, werden die registrierten Personen automatisch per E-Mail bzw. SMS benachrichtigt. Bisher haben sich 68.320 Menschen auf der Registrierungsplattform angemeldet.

Die Impfberechtigung muss am Impftag belegt werden (zum Beispiel mittels eines gültigen Ausweisdokuments oder einer Arbeitgeberbescheinigung). Ein Formblatt für eine Arbeitgeberbescheinigung und eine Bestätigung für enge Kontaktpersonen von schwangeren und nicht in einer Einrichtung befindlichen pflegebedürftigen Personen kann auf der Homepage des Landkreises Rosenheim heruntergeladen werden.

Um Warteschlagen vor dem Impfzentrum zu vermeiden, werden die Bürgerinnen und Bürger mit Termin gebeten, pünktlich zu erscheinen.

Seit dem 1. März können Personen mit seltenen Erkrankungen, die in der jetzigen Impfverordnung wegen ihres relativ seltenen Vorkommens und damit verbundener ungesicherter Evidenz noch nicht berücksichtigt wurden, Anträge bei der neu eingerichteten Bayerischen Impfkommission (www.impfkommission.bayern) einreichen. Diese prüft, ob der Antragsteller mit hoher oder erhöhter Priorität Anspruch auf eine Schutzimpfung gegen COVID-19 hat. Eine Einordnung in die höchste Priorisierungsgruppe ist jedoch nicht möglich.

Fallzahlenentwicklung

Seit dem letzten Wochenbericht vom vergangenen Freitag wurden dem Gesundheitsamt 297 neue Fälle (letzten Freitag: 281) für Stadt und Landkreis Rosenheim gemeldet. Bisher sind insgesamt 14.039 Fälle von COVID-19 in Stadt und Landkreis Rosenheim aufgetreten (Landkreis: 11.031, Stadt: 3.008). Mittlerweile wurde bei mindestens 12.595 Personen eine ‘Genesung’ dokumentiert.

477 Personen (475) sind bis zu diesem Zeitpunkt mit oder an der Erkrankung gestorben (Landkreis: 424, Stadt: 53).

Von den Verstorbenen waren 15 (15) Personen unter 60 Jahren. 328 (326) Verstorbene waren über oder gleich 80 Jahre alt. Dem Gesundheitsamt wurden zwei Personen gemeldet, die seit dem letzten Wochenbericht verstorben sind. Die Personen waren über oder gleich 80 Jahre alt, sie waren nicht in einem Heim untergebracht.

Bislang wurden dem Gesundheitsamt 482 Fälle (Landkreis 395, Stadt 87) (letzten Freitag: 330) einer bestätigten besorgniserregenden Variante gemeldet. In einem Fall handelt es sich um die südafrikanische Variante (B1.351), über den bereits berichtet wurde, in allen anderen Fällen um die britische (B.1.1.7). Hiervon wurden dem Gesundheitsamt seit dem letzten Wochenbericht 152 Fälle (143) gemeldet.

Alle Fälle sind bei der Gesamtfallzahl von COVID-19-Fällen enthalten, der Anteil der besorgniserregenden Varianten an der Gesamtfallzahl seit dem letzten Wochenbericht beträgt 51,2 Prozent.

103 (103) COVID-19-Patienten werden aktuell in Stadt und Landkreis Rosenheim stationär behandelt. Hiervon befinden sich 17 Patienten (18) mit schweren Verläufen auf einer Intensivstation.

Die 7-Tage-Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner während der letzten 7 Tage) liegt mit Stand heute (0 Uhr) für die Stadt Rosenheim bei 138,47 (91,27), für den Landkreis Rosenheim bei 79,98 (85,33) – wir berichteten bereits am Morgen.

Der Altlandkreis (Rosenheimer Gebiet) im Überblick

 

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