„Unglaublich, aber wahr”

Unterhaltsame Zeitreise durch 150 Jahre Politik mit Christian Ude bei der Wasserburger SPD

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Eine unterhaltsame Zeitreise durch 150 Jahre Politik in Bayern bot Christian Ude mit seinem neuen Programm „Öha! Und andere Geständnisse“ im voll besetzten Saal der Wasserburger Paulanerstuben.

Christian Ude gilt als ein Urgestein der SPD. 21 Jahre lang war der gebürtige Münchner Oberbürgermeister in seiner Heimatstadt. Seit 2014 ist er deren Ehrenbürger. Der 2013 verstorbene Dieter Hildebrandt sagte einst über ihn „er ist der einzige Kabarettist, der nebenbei eine Großstadt regiert.“ Ude empfand dies als „Ritterschlag vom Größten der Zunft“. Dabei mache er doch eigentlich gar kein Kabarett. Er erzähle nur wahre Geschichten, die das Leben selbst geschrieben hat. Und als viermaliges Münchner Stadtoberhaupt hatte er sehr viel zu berichten.

Christian Ude erwies sich dann auch als amüsanter Erzähler. Manchmal unglaublich, aber dennoch wahr, seien seine Erlebnisse in seiner Zeit als Politiker und Münchner Oberbürgermeister gewesen. „Alles ist auch tatsächlich so passiert und kann mit Dokumenten, Protokollen und Fernsehaufzeichnungen belegt werden“, wie Ude glaubhaft versicherte.

Geistreich und scharfzüngig führte er seine Zuhörer durch 150 Jahre Bayerische Geschichte bis in die Gegenwart, mit vielen amüsanten Fakten, die den Historikern oft nur eine Randnotiz wert sind. Unvergessen ist für ihn Georg von Vollmar, der Gründer der bayerischen SPD. „Damals hatten sich in kleinen Hinterzimmern die Sozialdemokraten zusammengerottet, nicht viel anders als heute. Manche hatten sogar Karl Marx zitiert; und dass Arbeiter ein Buch lesen, war ja höchst verdächtig“, so Ude. Georg von Vollmar und seine Ideen wurden vor allem vom Klerus auf das Heftigste bekämpft. Weil aber der glühende Katholik 1868 freiwillig in die päpstliche Armee eingetreten war, um Papst Pius IX vor den Truppen Garibaldis zu verteidigen, hatte sich von Vollmar vor allem bei der ländlichen Bevölkerung gehörigen Respekt erworben. Aus Rom wieder zurück in Bayern zog von Vollmar dann später von Dorf zu Dorf, um für die Sozialdemokratie zu werben.

Ude berichtete auch von Kurt Eisner, dem Anführer der Novemberrevolution. Am 8. November 1918 hatte Eisner den Freistaat Bayern ausgerufen. Bis zu seiner Ermordung im Februar 1819 war Eisner Bayerns erster Ministerpräsident. „Ihm verdanken wir den Freistaat, was Ministerpräsident Söder in seiner 40-minütigen Rede zum 100-jährigem Freistaat-Jubiläum geflissentlich vergaß“, so Ude.

Weiter ging die spannende Zeitreise durch fünf Jahrzehnte Münchner Nachkriegsgeschichte. Ude erzählte Anekdoten vom „Schwabinger Toni“, ein Ur-Bayer wie aus dem Bilderbuch. Wer ins Medienhaus des Münchner Merkurs wollte, musste zuerst am „Schwabinger Toni“ vorbei, der dort als Pförtner beschäftigt war. Bei den Bürgerfesten Münchner SPD war der „Schwabinger Toni“ manchmal der einzige Gast, Hauptsache es gab ein Bier und eine Brotzeit. Politiker hätten ja die Wahnvorstellung, dass die Menschen sie anfassen wollen, meinte Christian Ude selbstironisch.

 

Foto: Münchens Alt-OB Christian Ude und Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl. Text und Foto: Wolfgang Janeczka

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