Und wenn es nicht gut ist …

... ist es noch nicht das Ende: Eine Wasserburger CT-Spende und ihre (un)endliche Geschichte

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Heute die etwas andere Feierabend-Geschichte zum Nikolaus-Tag – und zwar zu unserem Hilfaktions-Rückblick für Tansania (wir berichteten): Nachfolgender, aktueller Bericht des gebürtigen Wasserburger Pfarrers und Mediziners, Dr. Thomas Brei, zum damals mitgelieferten CT, ein Computertomograph – es liest sich wie die Fortsetzung eines Romans mit dramatischen Szenen …

Mit dabei war auch ein Computertomograph (CT). Der riskante Containertransport – Verschiffung nach Tansania, Freigabe der Lieferung durch die Hafenbehörden und Weitertransport ins Landesinnere nach Mwanza – dauerte mehrere Monate und endete im Klostergarten der Klarissen-Schwestern am Wasso Hospital. Das war im Jahre 2016. Ende gut – alles gut? Von wegen! Wie ging es dann weiter?

Jetzt gab es also einen Container voll mit wertvollen Hilfsgütern – so weit so gut – und zwangsläufig kamen gleichzeitig verschiedene Fragen und Probleme auf:

Wie lässt sich eine sichere Installation und Verwendung des CTs organisieren? Welche Räumlichkeiten sind für den Betrieb eines CTs geeignet, noch dazu mit ununterbrochener Stromversorgung? Welche Zusatzgeräte sind notwendig? Wie und wann gelingt es Fachpersonal zu gewinnen, um die Untersuchungen durchzuführen und zu befunden? Wann kann das Klinikpersonal fortgebildet werden? Woher kommt das notwendige Geld?

Fragen über Fragen – aber der Reihe nach:

Ein CT in einem Entwicklungsland weckt natürlich Begehrlichkeiten. So verging anfangs viel Zeit mit zähen und teilweise vergeblichen Verhandlungen, als es darum ging, eine kostengünstige Installation und eine sozial angemessene Verwendung des Gerätes zu organisieren. Darüber hinaus musste ein Gebäude auf dem Klinikareal gebaut werden – das dauert auch und kostet Geld. Wir haben keinen fixen Haushalt, ich muss jede Spende erbitten und die Dinge separat finanzieren. Es geht bei uns nur in kleinen Schritten vorwärts …

Notwendiges Zubehör für den CT wie Drucker und Bleitüren mussten noch gekauft werden. Die Installation der Anlage erfolgte Ostern 2017 durch die Firma Siemens.

Dann überprüfte und inspizierte die Tanzania Atomic Energy Commission (TAEC) die Anlage erfolgreich. Das CT funktioniert wunderbar, lediglich die Elektroversorgung macht uns Sorgen. Der Notstrom-Diesel-Generator reagiert bei Stromausfällen nicht schnell genug auf die höhere Lastenanforderung, deshalb bricht das CT-Gerät die Untersuchung ab. Das Problem ist, dass durch Stromunterbrechungen oder Spannungsschwankungen wie die Röntgenröhre beschädigt werden kann.

So wurde es unumgänglich, eine zusätzliche Anlage zu kaufen, die eine permanente Stromversorgung gewährleistet, überwacht und verwaltet. Eine sogenannte Uninterupted-Power-Supply-Anlage (UPS) konnte allerdings erst im Februar 2018, nachdem entsprechende Spendengelder zur Verfügung standen, in Indien bestellt werden. Für die per Containerschiff gelieferte Anlage wollte die Behörde dann allerdings keine Befreiung von der Steuer erteilen.

Ich war finanziell nicht in der Lage und nicht willig, für diese rein mildtätige Spende 43 Prozent des Kaufpreises an den tansanischen Staat zu zahlen.

Es folgte eine Auseinandersetzung, die bis ins tansanische Parlament nach Dodoma, ins Gesundheitsministerium, an die Deutsche Botschaft und schließlich zum obersten Zoll- und Finanzamtschef Tansanias nach Dar es Salam führte.

Erst im August wurden die zwei vorausgehenden abschlägigen Bescheide annulliert und die Sache ging weiter an das Finanzministerium mit der Empfehlung auf Befreiung von der Steuer- und Zollzahlung. Diese wurde dann im September gewährt und die wertvolle Fracht wurde 1.200 Kilometer von Dar es Salam angeliefert.

Es folgten die Installationsarbeiten der UPS-Anlage durch einen Ingenieur der Firma Pacific Diagnostics. Aber auch hier verlief nicht alles reibungslos: Leider hatten wir am letzten Tag der Installationsarbeiten einen Wasserschaden und es kam erneut zu einer Verzögerung. Doch jetzt funktioniert es. Wir können die Scans ausdrucken und versenden.

Von Herzen bedanken wir uns für die großartige Spende, die den Menschen hier in diesem Teil Tansanias zu Gute kommt.

Und so endete eine Odyssee eines CTs für den guten Zweck – frei nach Oscar Wilde: Am Ende ist alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

Dr. Thomas Brei

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