Tränen gelacht, tosend applaudiert!

Das Montagsbrettl und die Frage: Wer sind wir und wer kann uns das noch bestätigen?

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Tosender Beifall: Das Publikum im voll besetzten Festsaal des Inn-Salzach-Klinikums in Gabersee lachte Tränen gestern beim Montagsbrettl von Michael Altinger und seinen drei großartigen Gästen! Diesmal waren es Philip Simon, Frank Sauer und Chin Meyer. Doch es wurde nicht nur gelacht, es gab auch viel Nachdenkliches diesmal: In welcher Welt wollen wir leben? Und was haben wir noch mit ihr zu tun? Wer sind wir und wer kann uns das noch bestätigen?

Fotos: Renate Drax

„Scharf angemacht“ – das ist ein gepfeffertes Programm, geschrieben in ratternden Zügen, in verruchten Kneipen, in Hotelbars und fremden Betten, an befreundeten Küchentischen und in stylischen Cocktailbars. Frank Sauer aus Saarbrücken ist eigentlich ein Berliner und hat sich – aller Sprach-Querelen zum Trotz – umgehört. Und so tänzelte er mit Witz, Intelligenz und ziemlich überraschenden Wendungen leichtfüßig auf der Bühne durch das imaginäre Dickicht – vor allem durch das von Beziehungen. Sehr zur Freude des Wasserburger Publikums …

Vielleicht klappt’s ja tatsächlich alle elf Sekunden mit dem Verlieben – wie es die Werbung so verspreche – wahrscheinlich halt nur für einen Einzigen, immer den Gleichen. Und auch nur so lange, bis die Frage auftaucht: „Ist das hier noch eine offene Beziehung oder schon eine geschlossene Abteilung?“ Und dann kommt leider ja auch noch der Zahn der Zeit dazu. Damit traf Frank Sauer den Nagel auf den Kopf:

Der plötzlich Marathon-Laufende und einen Acht-Meter-Gasgrill-Besitzende – ähm, Partner – auch im Publikum sorgten diese Klischees für geradezu sensationelle Lach-Einlagen. Nicht zu vergessen, Männer mit den zwei Bohrmaschinen – was an dieser Stelle mal ein absoluter Insider ist … Das ausverkaufte Haus, es weiß Bescheid!

Bei Geld fängt der Spaß sowieso erst an. Das ist das Motto von Chin Meyer, Deutschlands bekanntestem Finanzkabarettisten (Foto oben), den man nicht nur aus der ZDF-Kabarett-Anstalt kennt. In seinem neuen Bühnenprogramm beleuchtet er mit Charme, Herz und fröhlicher Spontanität die uns umgebenden Schein-Welten. Ein Smarthome mache ihm Angst – ebenso Häuser aus dem 3D-Drucker. Warum künstliche Intelligenz, wenn die natürliche Intelligenz noch so in den Kinderschuhen stecke?

Der Kapitalismus-Versteher des Kabaretts hinterfragt dabei vor allem das Instrumentarium der Mächtigen, die Machthaberei, und was Macht mit uns macht. Politisch immer auf der Höhe der Zeit, findet er die Absurditäten im System, stochert lustvoll darin herum und klärt auf. So auch gestern in Wasserburg …

Er empörte sich gestern darüber, dass die Empörung über jeden möglichen Schwachsinn in unserer Gesellschaft Einzug um Einzug hält – unaufhörlich: Als Moderator des Abends hält sich der beliebte Kabarettist aus dem Altlandkreis jedoch stets zurück – denn im Mittelpunkt stehen immer dem Altinger Michi (Foto oben) seine Gäste im Festsaal des Klinikums!

Und sie passen bestens zusammen, sie begeistern das Publikum, sie lassen einen lachen und regen gleichzeitig zum Nachdenken an – jeder auf seine Art. Und diese Art war diesmal äußerst bunt gemischt. Darüber freute sich auch einmal mehr Dr. Theodor Danzl, Geschäftsführer des kbo-Inn-Salzach-Klinikums (unser Foto), der die Besucher gerne zu diesem so gelungenen Kabarett-Abend begrüßt hatte.

In welcher Welt wollen wir leben? Und was haben wir noch mit ihr zu tun? Wer sind wir und wer kann uns das noch bestätigen? Und: Tun wir das Richtige? In einer Zeit, in der es scheinbar mehr Fragen als Antworten gibt, zerlegte der niederländisch-deutsche Kabarettist im schwarzen Jeans-Maß-Anzug – Philip Simon (Foto oben) – sein Innerstes auf der Bühne, um die Bausteine zu erkennen, aus denen wir unsere Realität zimmern und unsere Weltsicht zementieren. Und er stellte fest – das bayerische Bier liebend und die Forstinger Hoibe fest umklammernd (unser Foto): Wir haben eine Menge Meisen.
In seinem neuen Programm forderte Philip Simon sein Wasserburger Publikum auf, im Gedankenstübchen mal wieder selber die Strippen zu ziehen. Denn Reflexion sei so viel mehr als nur ein unangenehmes Blitzen im Auge.

Staatsbürgerkunde mit Philip Simon ist drastisch und unterhaltsam: Mit den Waffen der Sprache, punktgenau und mit jeder Menge Humor seziert Philip Simon geradezu …

Rechtzeitig zum 70. Geburtstag der bundesdeutschen Staatsbibel stellte er im Festsaal die entscheidende Frage: Welche Ihrer 19 Grundrechte sind Ihnen die wichtigsten? Oder kann es sein, dass wir mehr über die zehn Gebote wissen als über unsere Verfassung? Dafür zeigte er der Gesellschaft symbolisch den Vogel. Im „Meisenhorst“, dem kollektiven Oberstübchen der Nation, müsse ein Perspektivenwechsel her. Heißt also als ultimative Botschaft:

Bitte den Blickwinkel mal ändern!

Starker Applaus für einen starken Abend!

 

 

 

 

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