Die „Stille Nacht“ gibt’s nicht für alle

Wenn man am Heiligabend nicht mit der Familie feiern kann - Wasserburger erzählen

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Christbaum schmücken, Festtagsbraten verspeisen und Weihnachtslieder singen. Heiligabend ist jedes Jahr ein ganz besonderes Beisammensein mit der Familie. Doch nicht alle können das Fest der Liebe mit ihren Liebsten gemeinsam verbringen. Manche Berufstätige müssen auch an Weihnachten arbeiten, um beispielsweise für unsere Sicherheit zu sorgen oder sich um unsere Gesundheit zu kümmern. Fällt Heiligabend dann ins Wasser? Wir haben uns mit Wasserburgern unterhalten, wie es ist, am 24. Dezember abends nicht mitfeiern zu können …

Brigitte Rottenwalter (40), stellvertretende Stationsleitung im RoMed-Klinikum Wasserburg:

„Ich bin schon seit über 20 Jahren in diesem Beruf tätig und für mich ist es ganz normal, auch an Weihnachten zu arbeiten und mich um Patienten zu kümmern. Meine Kollegen und ich versuchen, unseren Patienten den Heiligabend so angenehm wie möglich zu gestalten. Was ich besonders schön finde, ist, wenn am Nachmittag die Bläsergruppe der Stadtkapelle Wasserburg auf ein Ständchen im Krankenhaus vorbeikommt. Zu Hause werden die Bescherung und das Weihnachtsessen, je nach Dienstzeiten, einfach nach vorne oder hinten verschoben.“

 

Markus Steinmaßl (46), Inspektionsleiter der Polizei Wasserburg:

„Da ich schon seit längerer Zeit als Leiter der Dienststelle tätig bin, musste ich das letzte Mal vor zirka 15 Jahren an Heiligabend arbeiten. Zum Glück sind an dem Abend erfahrungsgemäß keine größeren Einsätze und alles ist etwas ruhiger. Natürlich ist es nicht so schön, dieses Fest nicht mit der Familie feiern zu können, aber man muss das Beste daraus machen. Beispielsweise holt man sich halt dann mal besseres Essen, als einen Cheeseburger. Ansonsten haben wir damals die Bescherung auf den späten Nachmittag verschoben, so dass meine Kinder ihre Geschenke in meinem Beisein und wirklich an Weihnachten bekommen. Das Weihnachtsessen mit der Familie und Verwandten wurde dann immer auf den nächsten Tag verlegt.“

 

Georg Schmaderer (45), Kommandant der Feuerwehr Wasserburg:

„In meinem Beruf muss man 24 Stunden, sieben Tage die Woche einsatzbereit sein, natürlich auch an Weihnachten und den Feiertagen. Wir verbringen den Tag eigentlich wie jeder andere auch zuhause bei unserer Familie. Man muss halt immer damit rechnen, einen Anruf zu bekommen und sofort los zu müssen, egal ob während der Bescherung oder dem Essen. Man hofft immer, dass man nicht zu einem Einsatz muss, voraussehen kann man es natürlich nicht.“

 

Christine Stocker-Hoyer (59), Besitzerin des „Lutz und Christine – Das Back- und Kochhaus“:

„Ich finde das Arbeiten an Weihnachten überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil – ich freue mich auch an diesem Tag arbeiten zu können. Unsere Gäste sind da immer so fröhlich und gut gelaunt, das freut mich sehr. Und überhaupt muss man sich von Anfang an darüber bewusst sein, in der Gastronomie auch an Feiertagen arbeiten zu müssen. Wir haben ja an Weihnachten auch nur bis 15 Uhr geöffnet, danach gehen auch wir nach Hause zu unserer Familie. Aber ein großes Problem ist es für mich auf gar keinen Fall.“

 

Franz Bachleitner (48), Heimleiter des Caritas-Altenheims Wasserburg:

„Ich selber muss als Heimleiter an Weihnachten nicht arbeiten, bin aber für die Diensteinteilung zuständig, auch an Weihnachten. Die Mitarbeiter wissen um den Bedarf an fachgerechter Pflege, 365 Tage im Jahr und 24 Stunden jeden Tag, die ganze Woche, deshalb fühle ich mich nicht sonderlich schlecht dabei, die Miterabeiter dementsprechend einzuteilen. Man kann sich auch im Vormonat bereits Wunschtermine freihalten, dennoch erwartet die Kollegialität eine gewisse Fairness bei der Aufteilung der Feiertage. Besonders an Weihnachten ist das Altenheim auf viele Besucher vorbereitet und die warmherzigen Kontakte sind immer etwas Besonderes. Im Rahmen unserer Bewohnerorientierung steht somit der ältere Mensch auch und besonders zu kirchlichen Festtagen wie Weihnachten im Mittelpunkt.“

 Lisa Triesch

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8 Gedanken zu „Die „Stille Nacht“ gibt’s nicht für alle

  1. Natürlichen wissen die Mitarbeiter in einem Pflegeheim, dass auch am Heiligabend gearbeitet werden muss. Aber spass macht es ihnen vieleicht trotzdem nicht. Ich bange jedes Jahr wieder, und bin froh, wenn sich meine Kollegen ohne Kinder erbarmen und diesen Dienst übernehmen…

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    1. Ehemaliger Pfleger

      Sehe ich genauso, ich habe NIE „gerne“ an einem Feiertag oder Wochenende gearbeitet und Spass hat die Arbeit sowieso nur selten gemacht.
      Bin froh dass ich raus bin und kann jedem nur dazu raten, man hat eine ganz andere Lebensqualität!

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      1. Sehr geehrter „ehemaliger Pfleger“,
        wenn Sie eh nie Spass an Ihrer Arbeit hatten, verstehe ich nicht, warum Sie diese Arbeit gewählt haben. Jede (Un-) Tätigkeit, die nicht freiwillig gemacht wird beeinträchtigt auf Dauer die Lebensqualität. Würde mich interessieren, für was Sie sich alternativ entschieden haben.
        Gesegnete Feiertage!

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        1. Ehemaliger Pfleger

          Ich habe diese Arbeit gewählt da ich den Lügen der Politik zu lange geglaubt habe dass es auf absehbare Zeit deutliche Verbesserungen in dieser Branche gibt. Das Gegenteil war und ist der Fall.

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          1. Ehemaliger Pfleger

            Achja alternativ habe ich mich, stark vereinfacht dargestellt, dafür entschieden an diversen Börsen mein Geld für mich arbeiten zu lassen, dank dem Bitcoin bin ich heute ein reicher Mann, Glück muss man eben auch mal haben.

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  2. Lieber Franz, ich kann hier nur für mich reden und sehe nicht alles so wie „ehemaliger Pfleger“

    Aber zum Teil kann ich seinen Groll schon nachvollziehen. Das Einzige, was mich noch in diesem Arbeitsbereich hält, ist der Spaß, den mir meine Arbeit macht.

    Und der kann einem bei den Arbeitszeiten, z.B. 6:00 Uhr Dienstbeginn zum Frühdienst bis 21:00 Uhr arbeiten bei Spätdienst, auch an Feiertagen, Wochenenden …
    Und dann noch hoffen, dass keiner krank wird, sonst heißt es einspringen, Überstunden wegen Personalmangel und das Ganze bei nicht gerade üppiger Bezahlung …
    schon mal vergehen.
    Viekleicht auch so gründlich wie dem „ehemaligen Pfleger“

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  3. Liebe Maria,

    ich würde mich gerne weiter mit Dir oder „ehem. Pfleger“ unterhalten, denke aber, hier ist die falsche Plattform. Gerne können wir über die „Wasserburger Stimme“ email Adressen austauschen, dann muß es nicht die ganze Welt lesen.

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    1. Lieber Franz, ich denke, ich für meinen Teil habe zu diesem Thema gesagt, was ich sagen wollte und es war nichts dabei, was nicht alle wissen dürfen.
      Wenn Sie dem noch etwas hinzuzufügen haben, kontaktieren Sie mich gerne über die Wasserburger Stimme.

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