„Steter Tropfen höhlt den Stein“

Trotz geringer Chancen: Stadt will zwei neue Tempo-30-Bereiche ausweisen

Vor dem Altenheim Maria Stern und beim Luitpold-Gymnasium soll das Tempo gedrosselt werden. Darin waren sich die Mitglieder des Bauausschusses in der gestrigen Sitzung einig. Doch dem Vorhaben, das auf einen Antrag der Grünen zurückgeht, erteilte das Staatliche Bauamt Rosenheim im Vorfeld eine Absage. Weil Auf der Burg/Schmidzeile und auf der Salzburger Straße Durchgangsverkehr herrscht, kann dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht in Aussicht gestellt werden. Grund: Es müsse eine konkrete Gefahr vor den jeweiligen Einrichtungen bestehen. Damit allerdings will sich der Ausschuss nicht zufrieden geben und weitere Tempo-30-Zonen wie hier in der Tränkgasse (Foto) einrichten.

„Das heißt in etwa, dass ich aus der Türe heraustrete und direkt auf der Straße stehen würde“, übersetzte Zweiter Bürgermeister Werner Gartner den Begriff der „konkreten Gefahr“. Und die sei eben an beiden Stellen nicht gegeben, „obwohl ich das sehr begrüßen würde.“ Grundsätzlich sei festzustellen, dass alle Schulen und Altenheime im Stadtgebiet bereits in Tempo-30-Zonen gelegen sind. Mit Ausnahme des Gymnasiums und Maria Stern.

 

Das nahm auch Christian Stadler (Grüne), der mit seiner Fraktion am 10. November die Geschwindigkeitsreduzierung beantragt hatte, zur Kenntnis. „Wir hatten beim Antrag versehentlich von einer Tempo 30-Zone geschrieben, obwohl uns klar war, dass an einer Staatsstraße lediglich eine streckenbezogene Geschwindigkeitsbeschränkung möglich ist.“ Auch wenn der Eingang der jeweiligen Einrichtung nicht direkt zur Straße rausgehe, lösten sich Schüler und Besucher eines Altenheimes nicht wenige Meter nach der Türe in Luft auf, so Stadler weiter. „Die Gefahrenlage sehen wir deshalb in beiden Fällen durchaus als gegeben an: In der Salzburger Straße durch die fehlende Fahrradspur und die teils deutlich höheren Geschwindigkeiten, in der Schmidzeile und Auf der Burg durch die teilweise schlechte Übersichtlichkeit.” Man solle deshalb den Antrag zumindest weiter verfolgen.

 

Dem schloss sich auch der Bauausschuss an. Statt einer Tempo-30-Zone soll nun beim Landratsamt Rosenheim eine streckenbezogene Geschwindigkeitsbegrenzung beantragt werden. Dafür gibt es, laut Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann eine Sonderregelung. „Wir möchten das auf jeden Fall machen“, so Herrmann, „obwohl die Chancen dafür sehr gering sind.“ Aber so sei es auch zunächst bei der Ampel Auf der Burg gewesen, die jahrelang vorangetrieben und letztendlich doch installiert wurde. Außerdem stehe die Politik unter Druck, wenn es darum geht, Sicherheit beispielsweise vor Altenheimen zu gewährleisten. Die Stadtbaumeisterin: „Steter Tropfen höhlt den Stein!“

 

Als nächster Schritt sollen nun beide Standorte im Rahmen einer Verkehrsschau, bei der auch die Polizei dabei sein wird, hinsichtlich Tempo 30 überprüft werden.

 

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6 Kommentare zu “„Steter Tropfen höhlt den Stein“

  1. Ich kann die Meinung des staatlichen Bauamts Rosenheim nicht nachvollzieheh. Auch in Eiselfing wurde der Antrag auf Tempo 30 an der Ameranger Straße mit der gleichen Begründung “Durchgangsstrasse” abgelehnt. Genau diese Begründung müsste doch eigentlich für eine Begrenzung sprechen und nicht dagegen. Im Gegenzug werden auf Bundesstraßen Ampel errichtet.

    Wäre schön wenn der Gesetzgeber den Komunen hier mehr Entscheidungfreiheiten an die Hand gibt.

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  2. Die schon bestehende 30-er Zone Marienplatz, Tränkgasse, Max-Emanuel-Platz-Heisererplatz und Im Hag ist im übrigen auch NICHT zulässig. Hier hat sich die Stadt Wasserburg eigenmächtig über geltendes Recht hinweg gesetzt.

    Sicherlich ist die 30er Zone nicht schlecht und für die Verkehrssicherheit sinnvoll, aber gem. der StVO in dieser Form eben nicht zulässig, was entsprechende zuständige Behörden sicherlich bestätigen würden.

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    1. @ oana ders woas, über welches geltendes Recht hätte sich hier die Stadt hinweg gesetzt? Im Gegensatz zu Auf der Burg/ Schmidzeile (beide St2359) handelt es sich bei Marienplatz, Tränkgasse, Max-Emanuel-Platz und ff. nicht um Staatsstraßen.

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  3. Wer die Örtlichkeiten kennt glaubt nicht, dass auf der Burg/Schmidzeile und der Salzburger Straße die gleichen Bedingungen herrschen.

    In der Altstadt sollte generell eine 30 Zone gelten, keine 20 oder 50 Einschränkungen.

    Altstadt: dazu zähle ich alle Einfahrtsstrassen “ab Burgfrieden, ab Kreisel Busbahnhof und ab Altstadtbrücke, also alle unmittelbaren Altstadtzufahrten.

    Wer in einer dermaßen begrenzten und engen Zone (Wasserburger Altstadt) schneller fahren möchte, hat da nichts verloren.

    Wer Wasserburg auf schnellem Weg umgehen möchte, sollte die gute Umgehungsstrasse nutzen.

    Ausfahrt West oder Ausfahrt Ost:
    kein Ziel in der Altstadt bedarf einer DURCHFAHRT der Altstadt ohne einen relevanten Stopp/Halt.

    Also nur Durchfahren wegen Ersparnis von Zeit oder Kilometer ist ein Witz: von West nach Ost sind es ca 5 km und es kommt nicht zum Stau/Halten durchs Brucktor. Heißt man spart weder Zeit, Nerven und Benzin, sondern hat außenrum sogar Vorteile, die manchem vielleicht immer noch nicht bewusst sind.

    Viele wollen Wasserburg sehen und für Ihre Bedürfnisse nutzen und die wollen wahrscheinlich nicht “Durchrauschen”, ausser denen die gerne im Sommer mehr Aufmerksamkeit wollen, aber denen ist 30km wahrscheinlich lieber, werden dann besser beachtet und können besser gucken 🙂

    Salzburger Straße:

    Eine Fahrradspur wenigstens bergauf an der Salzburger Straße finde ich sehr sinnvoll, da der schmale Gehweg bzw. die Strasse bergauf für Radfahrer ungeeignet bzw gefährlich ist.

    Geschwindigkeitsbeschränkung unter 50km finde ich dagegen weniger sinnvoll, da die Ampel am Gymnasium und ein Vier-Kreuz-Zebrastreifen kurz dahinter Richtung Altstadt den Verkehrsfluss zu Schulzeiten ganz natürlich beeinflusst. Wer hier schneller fahren möchte, wird das tun, auch wenn hier nur 30km erlaubt wären. Daher wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung eher kontraproduktiv. Gleiches gilt für dir Rosenheimer Straße und die Mittelschule.

    Bleibt nur noch zu erwähnen:

    Kids, ein Zebrastreifen ist kein Freifahrtschein zum Überqueren sondern fordert auch ein Mitdenken beim Überqueren.

    @Eiselfinger
    “Wäre schön wenn der Gesetzgeber den Komunen hier mehr Entscheidungfreiheiten an die Hand gibt”

    Ja, gebe ich Ihnen recht. Mehr Entscheidungen basierend auf kommunalen Begebenheiten und Erfahrungswerten wäre oft sinnvoller und manchmal wahrscheinlich auch kostengünstiger und für den ansässigen Bürger eben auch eher nachvollziehbarer.

    Dazu braucht es aber viele Bürger aus Gemeinde-/Stadt- oder Landkreis, die sich dauerhaft und nachhaltig dafür engagieren, ansonsten bleibt’s bei einem Aufruf.

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  4. Günther Pfeffinger

    Eine Geschwinidgkeitsbegrenzung an den genannten Stellen halt ich für sinnvoll. Ich habe aber noch eine Anmerkung: Als sich die Stadt Wasserburg 2016 dem “Zweckverband kommunale Verkehrssicherheit Oberland” anschloss meinte Bgm. Kölbl noch: “Es gibt immer wieder Anmerkungen von Anwohnern, die zu hohe Geschwindigkeiten im Stadtverkehr bemängeln, dagegen können wir mit solchen Messungen etwas tun”, so Kölbl am Startschuss-Dienstag.”

    Ich frage mich, warum man an diesen neuralgischen Punkten (Kindergärten, Schulen, Altenheime) dann nicht mal ernsthaft versucht, mit Geschwindigkeitsmessungen für eine erhöhte Verkehrssicherheit zu sorgen. Stattdessen wird nahezu ausschließlich an Stellen gemessen, wo eindeutig der Profit und weniger die Verkehrssicherheit im Fokus steht. Beispiele: Ortsausgang beim Bauer Frischedienst, Burgau zwischen den zwei Kreiseln, B304 Innbrücke, B304 Reitmehring.

    Nicht falsch verstehen, hier sollte in jedem Fall auch gemessen werden. Wer aber in einer der einschlägig bekannten Blitzergruppen ist und das mitverfolgt, weiß, dass vor dem Gymnasium, den Kindergärten oder der Realschule kaum geblitzt wird. Warum ist das so?

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  5. Da würde ich doch mal den Klosterweg
    (Tempo 30 Zone) von 7.30 bis 8.15h vorschlagen. Hochfrequentierte Fussgaengerwege, Radfahrer, Busse (auch die fahren keine 30) und Schüler mit eigenem PKW, die es sehr eilig haben… Win, win. Mehr Verkehrssicherheit (vor allem für die vorbildlich gehenden, radfahrenden (teilweise noch kleinen Kinder) und mehr Dukaten für die Stadt. Wenn der Bgm da dann schon auf Arbeit wäre, oder wenigstens seinen Dienstopel nicht vor seiner Haustüre parken würde, wo aufgrund von Unterschreitung der Mindestfahrbahnbreite sowieso Parkverbot verordnet werden müsste, wäre auch schon ein geeigneter Platz für das Blitzer Auto gefunden.

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