Stadt will Bäume besser schützen

In Wasserburg gilt jetzt eine neue Verordnung - Emotionale Diskussion gestern im Stadtrat

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Poetisch, emotional und für einen kurzen Augenblick auch ausgesprochen hitzig verlief die Diskussion zur geplanten Baumschutzverordnung gestern im Wasserburger Stadtrat. Während Peter Stenger (SPD) erneut einen aktuellen Fall von Baumfrevel im Burgerfeld beklagte und Norbert Bourtesch (Bürgerforum) ein Hohelied auf den Baum sang, wollte Otto Zwiefelhofer (CSU) von der neuen Verordnung ganz und gar nichts wissen: „Überflüssige Bürokratie“ attestierte er der Satzung. Umweltreferent Lorenz Huber (Bürgerforum) hingegen knüpfte sein Amt an den Erlass der Satzung und drohte gar, als Referent zurückzutreten.

Der Erlass einer Baumschutzverordnung sei bereits „sehr strittig“ im Stadtrat beraten worden, erklärte Bürgermeister Michael Kölbl. Und es gebe auch immer wieder Anlass für viel Ärger. „In den letzten zwei Jahren haben uns so einige Baumfällaktionen wirklich erzürnt.“

Erneuten Ärger könne man mit der neuen Verordnung abwenden. „Die Satzung ist sehr pragmatisch und bürgernah. Sie fordert keine unmöglichen Dinge von den Bürgern“, so das Stadtoberhaupt. Man habe die Verordnung der Stadt Kolbermoor als Vorlage genutzt und sie auf Wasserburg umgemünzt. Kolbermoor habe damit gute Erfahrungen gemacht.

Kölbl dankte in diesem Zusammenhang dem Umweltreferenten der Stadt, Lorenz Huber, und Helmut Schmid von Bauamt, für deren geleistete Vorarbeit. Sie hatten zusammen die neue Satzung erarbeitet, die Huber bei der gestrigen Sitzung dem Stadtrat präsentierte: „Es geht nicht darum, die Bürger zu gängeln. Aber es ist einfach nicht tragbar, dass wir ständig vor vollendete Tatsachen gestellt werden.“ Da könne man sich das Amt des Umweltreferenten gleich sparen.

Huber weiter: „Es ist jetzt ja nicht so, dass kein Baum mehr umgeschnitten werden darf. Die Regelung gelte nicht für kleinere Bäume, sondern erst ab einem Meter Umfang auf einem Meter Höhe. Huber hatte zur Veranschaulichung einen Baum-Abschnitt dabei, der genau den Umfang veranschaulichte, ab wann künftig vor dem Umschneiden die Stadt zu informieren ist.

Der Umweltreferent: „Baumschutz ist auch Denkmalschutz. Und es geht uns darum, dass wir nicht immer blöd dastehen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Die Verordnung soll bewirken, dass man miteinander redet.“ Haftbar sei künftig übrigens der, der den Baum fällt, nicht der Besitzer des Grundstücks. „Wir wollen einfach eine Sensibilisierung gegenüber diesem Thema entwickeln“, so Huber. Es genüge eine einfache Anfrage bei der Stadt – ohne Beschluss im Stadtrat.

Otto Zwiefelhofer (CSU) sah das alles ganz anders: „Ich kann diesem Erlass nicht zustimmen, bin sogar absolut dagegen. Ich bin seit 1960 in Wasserburg und kann mich nicht erinnern, dass in dieser Zeit schützenswerte Bäume weichen musste.“

Für die Durchsetzung der neuen Verordnung sei ein erheblicher Kontrollaufwand nötig. „Da rollt schon wieder was auf die Verwaltung zu, die ohnehin für alles zu wenig Zeit hat.“ Außerdem sehe er das Fällen von Bäumen auf einem Privatgrundstück auch als Privatangelegenheit an.

„Das kann doch nicht sein, dass man mir auf meinem Grundstück verbietet, einen Baum zu fällen, den ich vor 50 Jahren selbst gepflanzt habe.“ Er wisse von mehr Klagen über zu viel Schatten und Laub, als über fehlende Bäume, so Zwiefelhofer. „Eine Baumschutzverordnung ist absolut überflüssig und produziert unnötige Bürokratie.“

Satzung – oder Rücktritt!

Es herrschte kurz Stille im Sitzungssaal, ehe der Bürgermeister trotz anderer Wortmeldungen erneut dem Umweltreferenten das Wort zur direkten Antwort auf Otto Zwiefelhofers Einwände erteilte. Und Huber wurde deutlich: „Wenn wir heute keine Satzung erlassen, dann gebe ich mein Amt als Umweltreferent zurück.“

Rückendeckung bekam Huber von nahezu allen Stadträten. Und Peter Stenger (SPD) hatte gleich auch ein aktuelles Beispiel parat, warum die Baumschutzverordnung nötig sei. „Heute wurden im Burgerfeld zwei kerngesunde Buchen mit einem und eineinhalb Metern Umfang einfach umgeschnitten.

Im Vorfeld waren dem Bauamt drei Birken zur Fällung gemeldet worden. Dann hat man die beiden großen Buchen auch noch gleich abrasiert. Das ist gelinde gesagt eine Unverschämtheit. So einfach darf das künftig nicht mehr gehen. Bäume bedeuten Leben. Jeder Baum gibt uns frische Luft. Jeder Baum gibt uns Lebensqualität.“

Norbert Bourtesch (Bürgerforum)  erinnerte an die Baumfällaktionen in Gabersee (wir berichteten) und an der Ponschabaustraße (Foto oben): „Was haben wir uns da geärgert und gestritten.“ Das könne man mit der neuen Satzung künftig vermeiden. Bourtesch poetisch: „Bäume sind Gedichte, die die Erde an den Himmel schreibt.“

 

Gegen zwei Stimmen verabschiedete der Stadtrat gestern schließlich die neue Baumschutzverordnung (klicken) …

 

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15 Gedanken zu „Stadt will Bäume besser schützen

  1. Der Vorstoß für eine neue Baumschutzverordnung ist grundsätzlich sicherlich sinnvoll und positiv zu bewerten. Wenn jedoch der zuständige Umweltreferent des Stadtrates sein Amt im Vorfeld gleich an das Abstimmungsergebnis knüpft, ist das meiner Meinung nach für eine sachliche Diskussion/Beratung definitiv nicht förderlich!

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    1. Ich bin froh, dass diese neue Baumschutzverordnung zustande kam, leider zu spät für die beiden schönen 50 Jahre alten Buchen mit zusammen ca 2000qm Blätterfläche im Innenhof der Wohnblöcke Brunnhuberstraße, Ecke Mozartstrasse. Als Eigentümer einer Wohnung war ich im September bei der Eigentümerversammlung mit Beschlussfassung zum Fällen der Bäume mit dabei. Da ich die Wohnung nicht selbst bewohne, wollte ich mich der Stimme enthalten. Eine Beschlussfassung ist aber nur möglich wenn alle stimmberechtigten Anwesenden zustimmen. Mehr als 90% der Eigentümer waren für die Fällung aller Bäume!
      Hauptsächliche Gründe: Zusätzliche Kosten für´s Zuschneiden, teure Gutachter wegen event. morschen Ästen, Schatten, Zusatzkosten für den Hausmeister und Firmen (erhöhter Laubabfall, Zweige entfernen und Dachrinnen reinigen ).Mein Vorstoß, dass 24 Parteien doch wenigstens 1 Buche erhalten könnten schlugen fehl. Auch wenigsten einen Teil des Stammes stehen zu lassen für Insekten wurde ignoriert. Von „Kostenverursacher, Gesundheitsgefährder (falls einem bei Sturm ein Ast auf den Kopf fällt! Logisch, man stellt sich ja ab Windstärke 6 unter einen Baum und wartet. . .:-)) Gefühlsdusler bis zur unsachlichen Argumentation waren die Vorwürfe! Um des Friedens willen habe ich daraufhin meine Zusage gegeben. Von Klima- Arten- und Umweltschutz haben wahrscheinlich schon viele gehört, aber wenn es an den eigenen Geldbeutel geht, dann sollen es doch lieber andere machen! Anstelle der Bäume könnte man ja jetzt Stellplätze bauen, war nur ein Vorschlag…..obwohl jeder Eigentümer über eine eigene Garage verfügt, aber bis zu den Stellplätzen bei der Kirche ist es unendlich weit, wenn dort das Zweitauto steht…..mein Dank an Herrn Lorenz Huber und seinen Helfern!

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  2. Da beschweren sich die Leute, dass Politiker nur lasch und leidenschaftslos sind, aber wenn einer sich richtig einsetzt für sein Gebiet und mit Leidenschaft dabei ist, ist es auch nicht recht

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  3. @Wasserburger, ich gebe ihnen vollumfänglich recht. Ich musste direkt schmunzeln als ich das gelesen habe. Hut ab vor dem Engagement und der Leidenschaft, aber „entweder ich bekomme was ich will, oder ich geh schmollen“ ist nicht unbedingt das Niveau, welches ich mir von einem erwachsenen Menschen wünsche….

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  4. ich denke die Drohung von Hr. Huber muss man vor dem Hintergrund sehen, dass er sich in jüngster Zeit mehrmals vor vollendete Tstsachen in Form von gefällten, kerngrsunden Bäumen gestellt sah. Diese Aktionen währen mit der Baumverordnung zu vermeiden gewesen. Vielleicht sieht er den tatsächlichen Sinn und Nutzen seiner Tätigkeit nicht mehr, wenn diese Verordnung nicht zustandekommt und hat es einfach satt immer wieder im Nachhinein zu Diskutieren, ohne eine wirkliche Handhabe gegen die Baumeigentümer zu haben. Das hat für mich dann eher was mit konsequentem Handeln als mit beleiditer Leberwurst zu tun. Denn wenn ich der Meinung bin, dass ich auf dem Posten, auf dem ich sitze nichts mehr ausrichten kann, dann ist es besser zu gehen…

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  5. Ich sehe das nicht als schmollen. Wenn man einen Auftrag hat, und viele Arbeiten dagegen, dann hat es keinen Sinn diese Arbeit weiter zu verfolgen. Dann ist das Amt überflüssig. Da würde ich auch sagen entweder es läuft jetzt richtig oder ich gehe

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    1. Was heißt hier „viele arbeiten dagegen?“ Es waren gerade mal zwei Stadträte, die dagegen gestimmt und wohl während der Diskussion dagegen geredet haben. Von allen anderen kam ja Unterstützung. Da finde ich es schon etwas überzogen, gleich mit dem eigenen Rücktritt zu drohen, v.a. wenn man selbst jahrelang gegen eine solche Baumschutzverordnung war.

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      1. Wenn jemand wie der Huber Lenz soviel Herzblut in die Gestaltung der Baumschutzverordnung hineinhängt,möchte natürlich auch daß seine Bemühungen mit Erfolg belohnt werden.Da kommt natürlich auch seine Wut gegenüber einigen Bauträgern mit rein,die die Stadt vor vollendete Tatsachen gestellt hat.Es soll eine „sanfte“ Verordnung sein die von den Bürgern akzeptiert wird.Probleme werden aber dann entstehen wenn später vom Stadtrat die Verwaltung kritisiert wird wenn sie den ein oder anderen Baum zum Fällen freigab.Und dann wird aus der „sanften eine harte“ für die es dann in der Bevölkerung kein Verständnis mehr gibtOb das dann noch im Sinne des Erfinders ist bezweifle ich.

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        1. Viele Leute hängen sich mit Herzblut in Sachen, ich denke da an z.B. an das Pflegepersonal, Arbeiter und Angestellte allgemein.
          Wir möchten alle, das unsere Bemühungen entsprechend unser Leistung mit Erfolg belohnt wird, da ist der werte Herr Huber nicht der einzige.
          Es geht hier nicht um die eigene Meinung eines Stadtangestellten sondern darum was die Allgemeinheit für sinnvoll hält.
          Aber mit Verlaub gesagt, nur weil es vielleicht nicht nach der, seiner eigenen, Nase geht, gleich bockig mit einer Aufgabe der Arbeit drohen, das ist einfach nur Kindisch und zeugt von unreife.
          Zu Recht hat da die Bevölkerung kein Verständnis und das glaube ich ist sehr wohl im Interesse der Bevölkerung.

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  6. Hallo, eine Baumschutzverordnung, nachdem die Baumrießen auf öffentlichen Flächen fast alle vernichtet wurden ……..warum nicht schon vor2 Jahren, wäre für öffentliche Bauvorhaben(Gabersee, Berufschule, Stadlergarten usw) sehr unbequem gewesen………zuerst Baugehnemigung dann feststellen, dass Schützenswerte Bäume stehen, das geht nur bei öffentlichen, Gemeindlichen…Bauvorhaben,
    Zeit is worn

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  7. Nicht nur die Rücktrittsdrohung irritiert. Auch die Aussagen von Herrn Z. Er hat also ernsthaft seit 1960 nie etwas mitbekommen….Wahnsinn.

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  8. Der eine schmeisst hin, weil er mit der Feuerwehr Probleme hat, der andere droht hinzuschmeissen, wenn seine Baumschutzverordnung nicht nach seinem Kopf durchgesetzt wird, was kommt als nächstes? (…)

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    1. .. ja hoffentlich werfen die bald hin, die mit unserem Steuergeld nicht richtig umgehen können und für die Pleite der Stadt verantwortlich sind..

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      1. Wenn ich mir die Kommentare so durchlese, sind wir inzwischen bei der Kommunalpolitik und nicht mehr beim Umweltschutz…?? Besprechungen sind selbstverständlich wichtig, aber es sollte doch dann auch zeitnah eine Entscheidung getroffen und ein Beschluss gefasst werden! Falls man von einer Besprechung zur anderen eilt, ehrenamtlich eingesetzt wird, aber nie etwas bewegen kann, nachträglich oder zu spät informiert wird, dann verstehe ich schon das man endlich Nägel mit Köpfen machen will, ansonsten seine Konsequenzen zieht! Schwätzer haben wir politisch genug, „Macher“ sind gefragt! Es kleben zuviele „Unersetzliche“ an Ihrem „Machtsessel“! Man kann alles zerreden, siehe Berliner Flughafen, Stuttgart 21, Dieselaffaire, Mautgebühren usw….kostet Unsummen, weil keine klare Entscheidung getroffen wurde/wird…mag sein das dieses Beispiel etwas hinkt, aber es trifft den Kern, “ Du bist in deiner Firma anerkannter Leistungsträger, bittest um Angleichung Deines Lohns und Dein Chef vertröstet Dich Jahr für Jahr auf´s Neue. . . Du kündigst und wechselst die Firma weil Du nicht bekommen hast was Du willst… nennt man das jetzt schmollen oder bockig sein….????

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  9. Wo samma denn??

    @HaWi, Herr Huber ist ein gewählter Stadtrat und in dieser Funktion führt er das Amt des Umweltreferenten aus. Natürlich kann ich durchaus verstehen, dass es bisweilen frustrierend sein mag, wenn eigene Ansichten und Ideen nicht ausschließlich auf Gegenliebe stoßen. Aber mit Rücktritt zu drohen ist meines Erachtens nach trotzdem albern. Noch dazu wo Herr Huber ja wirklich nur vereinzelte Gegenargumente aushalten musste und, wie man lesen konnte, breite Zustimmung erfuhr….

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