Spannende Möbel-Geschichten

Objekt des Monats Juni des Museums Wasserburg - Sonderführung

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Schlafende Symbole: Ein schlichtes Himmelbett wird durch kunstvolle Verzierungen zu einem Kunstwerk mit einem Bekenntnis zu Gott, Liebe und Treue. Braune Wellen, der sogenannte Kammstrich, ziehen sich über alle großen Flächen des Himmelbetts und schaffen so auf dem hellen Untergrund aus Weichholz eine warme, gemütliche Atmosphäre: Es handelt sich um ein bäuerliches Bett aus der Reihe der sogenannten Haager Möbel, das mit diversen Zeichen und Symbolen ausgestattet ist – das Objekt des Monats Juni im Museum Wasserburg. Spannende Möbel-Geschichten werden im Rahmen einer Sonderführung mit dem Thema „Möbel, eine verständliche Leidenschaft“ am Samstag, 6. Juli, um 14 Uhr im Museum Wasserburg erzählt.

Die Seitenwände sind mit Mustern aus roter und beiger Farbe versehen, die Intarsien nachahmen. Auf dem Fußbrett entsteht aus den Mustern ein freies Feld, indem sich mehrere rote Tulpenranken befinden. Auch das Kopfbrett weist ein solches Feld auf, in dessen Mitte sich allerdings zwei Herzen mit den Ziffern 3 3 nah aneinanderschmiegen, darunter die Jahreszahl 1805. Die Unterseite des auf zwei Baluster-Säulen ruhenden Himmels zeigt ebenfalls eine freie Fläche, darin Tulpen sowie ein IHS-Monogramm und die Nägel Christi in weiß und rot. Die christliche Symbolik sollte die Schläfer vor Gefahren schützen.

Fuß- und Kopfbrett zeigen die Nutzung des Bettes auf. Die roten Tulpen stehen in der Blumensprache für tiefempfundene Liebe – genauso wie die beiden Herzen in der Symbolsprache. Mit der Beschriftung 3 3 wollten sich die Schläfer der gegenseitigen Treue versichern, denn „drei“ steht hier, der ländlichen Aussprache folgend, für „trei“ = treu. Hier schlief also ein Ehepaar, das nach der angegebenen Jahreszahl 1805 heiratete. Das Brautpaar, dem das Bett gehörte, ist heute leider nicht mehr bekannt.

Die fehlende Bemalung im unteren Bereich des Kopfbrettes zeigt des Weiteren die Schlafgewohnheiten im Mittelalter und der Frühen Neuzeit auf. Da bis zur Erfindung der modernen Heiztechnik im 18/19. Jh. (Verbreitung im privaten Wohnungsbau erst ab ca. 1900) noch häufig mit offenem Feuer geheizt, gekocht und auch gearbeitet wurde, litten viele Menschen an Atemwegserkrankungen, die durch den Rauch ausgelöst wurden.

Diese erschwerten vor allem im Liegen das Atmen, weswegen man dazu überging, halb im Sitzen zu schlafen. Eine Bemalung im unteren Teil des Kopfbrettes wäre durch den täglichen Gebrauch relativ schnell abgerieben worden.

Fotos: Museum Wasserburg

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