Sommernacht und a Kino dazua

Und nun zum heutigen Feierabend unser Veranstaltungs-Highlight vom gestrigen Abend in der Rückblende: Ja, man konnte es kaum glauben – man saß tatsächlich beim großen Open-Air-Kinoabend am Stoa. Klar, alles a bissal anders ois „normal”, aber Rainer Gottwald und sein Team haben das Kino-Idyll unter freiem Himmel äußerst liebevoll hergerichtet. Trotz der Abstands-Auflagen ist’s gemütlich geworden – und mit den erlaubten 200 Besuchern geradezu familiär! Zum Auftakt gab’s gestern noch dazu einen Film, der besser nicht hätte passen können. Mit dem sympatischen Hauptdarsteller und Regisseur Uli Stirnat live vor Ort am Stoa und mit einer ganz wunderbaren Botschaft in der Corona-Zeit …

Fotos: Renate Drax

Kino-Chef Rainer Gottwald war sichtlich froh, dass es endlich losging gestern – unser Bild zeigt ihn links im Gespräch mit dem besonderen Gast des Abends, Hauptdarsteller und Regisseur Uli Stirnat aus Hamburg.

Sie überraschte und „riss mit” – die Doku „Reiss aus“. Abenteuer, die echt waren. Denn als Lena und Uli in Hamburg im Jahr 2014 den Motor ihres alten Land Rovers anlassen, haben sie einen Plan: Sie wollen in sechs Monaten bis nach Südafrika fahren. Den Plan, eine Doku darüber zu machen, den hatten sie nicht. Genau das macht die Doku heute aus … Und aus den sechs Monaten werden zwei Jahre, wobei sie ihr angepeiltes Ziel gar nicht erreichen. Denn unterwegs passiert viel – sehr viel.

In Marokko, in Mauretanien, an der Elfenbeinküste oder in Ghana – da gefällt es ihnen viel zu gut, um rasch weiterzufahren. Die Beiden klinken sich ein ins Leben der Einheimischen und demonstrieren, dass wahres Reisen etwas völlig anderes ist als das Abklappern von Sehenswürdigkeiten. Und dass das Glücklichsein anders geht, als so mancher wohl denkt in unserer Wohlstandsgesellschaft.

Ehrlich ist der Film mit faszinierenden Aufnahmen! Vor Rückschlägen und bitteren Krisen aber – da bleiben auch Lena und Uli nicht verschont …

Jetzt auf einem neuen Weg: Ulrich Stirnat hier am Stoa im Gespräch mit der Wasserburger Stimme, die er schon in Hamburg online kennengelernt hatte, wie er erzählte. Nämlich durch unsere Berichterstattung über seinen Film … 

Uli Stirnat gegenüber der Wasserburger Stimme: Vor der Fahrt im Jahr 2014 habe er einen Burnout gehabt – mit 28 Jahren. Gemeinsam mit seiner Freundin Lena habe er sich dann auf den Weg gemacht – die Jobs zuvor gekündigt.

Er habe keine Vorstellung davon gehabt, was ihn auf der Reise erwarten würde. Das längste, was er bis dahin kannte, waren sechs Wochen am Stück in den USA, mit seinen Eltern im Wohnmobil.

Was der Film einem am Ende mit auf den Weg gibt? Den Horizont sollte man erweitern, feststellen, dass das, was im eigenen Dunstkreis passiert, nicht unbedingt der Nabel der Welt ist.

Ja, es ist so – das Reisen bildet. Es weckt das Verständnis für andere Menschen. Mehr braucht man dazu gar nicht sagen.

Nur das vielleicht noch: Wie genügsam die Einheimischen in diesen Ländern der Doku sind. Mit so wenig. Und wie fröhlich sie sind, wie optimistisch. Genau das war die Botschaft gestern Abend. In Zeiten wie diesen.

Renate Drax