„Solche Ställe nicht akzeptieren!”

Geplante Hähnchen-Mast in Schonstett: Riesenandrang bei Diskussions-Abend

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Großes Interesse beim Abend der neu gegründeten Bürgerinitiative Schonstett  mit über 220 Besuchern: „Bäuerliche Landwirtschaft oder Massentierhaltung?“ – so lautete das Thema. Anlass der Veranstaltung war ein Maststall für etwa 30.000 Hähnchen, der in Schonstett geplant ist (wir berichteten). Sprecherin Regina Liedl erklärte bei der Begrüßung, dass neben der persönlichen Betroffenheit über diese konkrete Baumaßnahme die BI auch allgemein die Entwicklung der Landwirtschaft und speziell die Tierhaltung kritisch hinterfragen wolle, da die zunehmende industrialisierte Agrarpolitik negative Auswirkungen auf Luft, Boden, Wasser und Gesundheit habe …

Für den Kreisverband Rosenheim von Bündnis 90 / die Grünen als Veranstalter lobte Kreisrat Leonhard Hinterholzer die Bürgerinitiative für ihr Engagement und übernahm die Moderation.

Als erste Referentin betrachtete Gertraud Angerpointner von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft das aus ihrer Sicht zerrüttete Verhältnis zwischen den Bauern und den Verbrauchern sowie der Politik. Eine große Verantwortung für die aufgeheizte Stimmung trage der Bauernverband, so Angerpointner, der die Naturschützer fast immer als Feinde und die Bauern als Opfer darstelle, anstatt gemeinsam neue Wege zu suchen.

Ludwig Maier von der ÖDP ging nochmal auf das erfolgreiche Bürgerbegehren „Rettet die Bienen ein“, welches sich nicht gegen die Bauern richte, sondern auf gesetzlicher Grundlage, wie es in der Bayrischen Verfassung stehe, dem Artenschutz Rechnung tragen wolle. Da die landwirtschaftliche Fläche hier den größten Anteil habe, sei daher die Zielrichtung die Landwirtschaft gewesen und durch ein Koppelungsverbot könne auch nicht Bezug auf andere Gesetze genommen werden.

Gisela Sengl, Landtagsabgeordnete der Grünen, wies auf die vordringliche Aufgabe der Landwirtschaft hin, gesunde Lebensmittel zu erzeugen und nicht nur Mais für Biogasanlagen herzustellen. Dabei sollten die Produkte möglichst ökologisch erzeugt werden, tiergerecht sein und regional vermarktet werden. Außerdem habe die Landwirtschaft eine große soziale Funktion, für eine lebendige Dorfkultur. Daher müsse die Politik die Weichen so stellen, dass alle bäuerlichen Betriebe in Bayern erhalten bleiben können.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde lebhaft – aber fair – über falsche Entwicklungen in der Landwirtschaft, angebliche Schuldzuweisungen und über die Verwendung von Antibiotika in der Landwirtschaft diskutiert.

In seinem Fazit für die Veranstaltung wies Leonhard Hinterholzer von den Grünen nochmal auf die Verantwortung von uns allen hin: Ob Bauern oder Verbraucher, Bauernverband oder Politiker, wir alle stehen in der Verantwortung für die zukünftigen Generationen, unsere Erde nachhaltig zu bewirtschaften und nicht auszubeuten.

Petra Rehm von der BI Schonstett betonte bei der Verabschiedung die Entschlossenheit, für eine bäuerliche Landwirtschaft in und um Schonstett zu kämpfen und solche Ställe nicht zu akzeptieren.

Die Bürgerinitiative Schonstett bedankte sich herzlich bei den Referenten mit kleinen Präsenten aus regionalen Produkten.

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Ein Kommentar zu “„Solche Ställe nicht akzeptieren!”

  1. Was absolut nicht geht ist, wenn die Kinder des Landwirts in der Schule angefeindet werden!

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