Sie saßen zu Dritt im Unfallauto

Nach Tod der jungen Fußgängerin in Aschau: Geflüchteter Fahrer festgenommen

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Der schwere Verkehrsunfall im Landkreis mit Unfallflucht, bei der am vergangenen Sonntag eine 23-Jährige als Fußgängerin auf dem Heimweg von einer Disco in Aschau ums Leben gekommen ist, ist geklärt: Wie das Polizeipräsidium am heutigen Dienstagmittag meldet, wurde am gestrigen Montag der mutmaßliche Fahrer (27) des flüchtigen Pkw festgenommen und das Tatfahrzeug sichergestellt. Auch gegen zwei Mitfahrer (22 und 23) im Unfall-Pkw werde wegen unterlassener Hilfeleistung und versuchter Strafvereitelung ermittelt …

Noch am Unfalltag, Sonntag, 6. Januar, wurde die Ermittlungsgruppe „Schneefall“ beim Kommissariat K1 der Kriminalpolizei Rosenheim gebildet.

Unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft wurde von den Ermittlern der Kripo, die von Beamten der Polizeiinspektion Prien, einem Unfallfluchtfahnder der Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim und Beamten der Operativen Ergänzungsdienste (OED) Rosenheim unterstützt wurden, nichts unversucht gelassen, den Fall rasch zu klären.

Die 23-Jährige war am Sonntag gegen 3.45 Uhr in Aschau zu Fuß von der Diskothek „Eiskeller“ in Richtung Ortsmitte gegangen – während ihr Begleiter auf dem Gehweg ging, hatte die junge Frau dabei die Fahrbahn gewählt, offenbar weil diese bei den winterlichen Straßenverhältnissen besser geräumt war, so die Polizei.

Zwischen den Ortsteilen Hohen- und Niederaschau wurde die 23-Jährige dann von einem in gleicher Richtung fahrenden Fahrzeug erfasst und durch die Wucht des Aufpralls auf die Gegenfahrbahn geschleudert, wo sie schwerst verletzt liegenblieb. Der Fahrer fuhr ohne anzuhalten weiter in Richtung Ortsmitte. Der Begleiter des Unfallopfers kümmerte sich bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes um seine Bekannte.

Das Unfallopfer wurde in einer Spezialklinik in Vogtareuth notoperiert, im Laufe desselben Tages erlag die junge Frau in der Klinik ihren Verletzungen.

Ein an der Unfallstelle sichergestelltes Fahrzeugteil führte noch am Unfalltag zur Überprüfung von rund 80 Fahrzeugen der Marke VW Golf, Typ VI. Unzählige weitere dieser Überprüfungen hätten in den nächsten Tagen folgen sollen. Großflächig wurde am Unfallort der Schnee von der Fahrbahn abgetragen und eingelagert, um später noch kleinste Beweisstücke daraus sondieren zu können.

Den entscheidenden Schritt in Richtung Klärung des Verbrechens brachten Auswertungen verschiedener Videokameras. Sie führten die Kripo zu drei Personen, die in der Nacht auf Sonntag ebenfalls Gäste in dem Club in Hohenaschau gewesen waren, in der sich auch das Unfallopfer und ihr Begleiter aufgehalten hatten.

Die Drei wurden am gestrigen Montag festgenommen. Ein 22-Jähriger und eine 23-Jährige saßen zur Unfallzeit als Mitfahrer im VW Golf, gegen sie besteht der Verdacht der unterlassenen Hilfeleistung und der versuchten Strafvereitelung. Sie wurden nach ihrer Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt. Die 23-jährige Frau hatte zuvor bei der Polizei angerufen und mitgeteilt, dass am VW Golf, dessen Halter ihr Vater sei, das in den Medien gezeigte Fahrzeugteil fehle.

Gegen den mutmaßlichen Fahrer, einen 27-Jährigen, der in Aschau wohnt, stellte die Staatsanwaltschaft Traunstein einen Haftantrag.

Gegen den Mann, der die deutsche und die rumänische Staatsbürgerschaft besitzt, besteht der Verdacht des versuchten Totschlags durch Unterlassen, der fahrlässigen Tötung und des unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Die Fahrereigenschaft zur Unfallzeit hatte er zuvor bei seiner Vernehmung durch die Kripo eingeräumt. Er wird im Laufe des heutigen Nachmittags dem Ermittlungsrichter vorgeführt.

UPDATE des Polizeipräsidiums um 15.40 Uhr:

Der Richter erließ gegen den 27-jährigen Fahrer einen Haftbefehl, er wurde in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.