Showdown bei Flutlicht

Es ist angerichtet. Die gesamte Bayernliga-Süd wartet gespannt auf das Duell, die ganze Region fiebert darauf hin und in den Wasserburger Cafés gibt es diese Woche nur ein Thema: Das Spitzenspiel zwischen dem FC Pipinsried und dem TSV 1880 Wasserburg. Das Duell Erster gegen Zweiter elektrisiert seit Tagen die Fußballfreunde aus Nah und Fern. Der Medienrummel ist auch größer als normal, ein besonderes Spiel eben.

Dass es heute. Freitag, 19.30 Uhr, in der Wasserburger Altstadt zu diesem Showdown kommt, war vor der Saison so nicht zu erwarten. Die Löwen hatten als Aufsteiger – wie auch im Vorjahr – den Klassenerhalt als Saisonziel ausgegeben. Da mit Torhüter Dominic Zmugg und Michael Barthuber lediglich zwei Neuzugänge in der Startformation stehen und ansonsten nur junge Spieler geholt wurden, die für die Zukunft aufgebaut werden, schien diese Zielsetzung vernünftig. Zumal der Kern des Kaders ansonsten zum Großteil aus Spielern besteht, die schon seit der Kreisliga dabei sind. So ist eine Mannschaft gewachsen, mit der sich Stadt und Altlandkreis identifizieren können, deren Heimspiele den größten Zuschauerzuspruch in der Region erfährt. Gegen Pipinsried haben die Löwen die Aktion „Tausend plus“ gestartet, mit der sie einen neuen Zuschauerrekord aufstellen wollen. „Wir freuen uns auf dieses Spiel, die Kulisse wird bestimmt hervorragend. Dass wir am elften Spieltag nur einen Punkt hinter Pipinsried liegen, war so nicht zu erwarten“, so Trainer Leo Haas.

Angesichts des Pipinsrieder Ausnahmekaders wäre so ein Gedanke wohl als zu vermessen eingeordnet worden. Der Verein aus dem Dachauer Hinterland hat nach dem Abstieg aus der Regionalliga eine Mannschaft zusammengestellt, die Fußballexperten mit der Zunge schnalzen lässt. 19 Spieler gingen, darunter zwar Feinfüße wie Kasim Rabihic (Türkgücü München), dafür wurden 18 Neue geholt. Und diese 18 Neuen haben es in sich. Angefangen mit Muriz Salemovic (ehemals Regionalliga beim FC Memmingen), der sich das Amt des Spielertrainers mit Fabian Hürzeler (60 München) teilt, konnte Manager Robert Plesche einen begnadeten Spielmacher und erfolgreichen Trainer (Aufstieg mit dem TSV Landsberg in die Bayernliga) in Personalunion verpflichten. Da ein Spielmacher nicht genug war, wurde mit Steffen Krautschneider vom FC Schweinfurt einer der begehrtesten Spieler Frankens verpflichtet. Der von Bayernligameister Türkgücü München verpflichtete Viererpack mit Torjäger Pablo Pigl (ehemals Erfurt), Neu-Kapitän Stephan Thee (Unterhaching, Osnabrück), Christoph Rech (Wacker Burghausen) und Luka Odak (Erfurt, Unterhaching) steht mit all seiner Profierfahrung stellvertretend für die Klasse dieses sagenhaft guten Bayernligakaders. Dass Odak bis zur Winterpause aus beruflichen Gründen pausiert, fällt nicht weiter ins Gewicht, da mit Fabian Müller vom Chemnitzer FC ein 208-maliger Zweitligaspieler während der Saison nachverpflichtet wurde. Diese Liste an Hochkarätern wäre beliebig fortsetzbar.

Nach zwei Unentschieden in den ersten drei Spielen kommt der FCP immer besser ins Rollen und ist bislang als einzige Mannschaft ungeschlagen. 5:1, 5:0, 5:0, 5:0 lauteten die letzten Ergebnisse. „Wir müssten eigentlich deutlich mehr Tore machen“, so Plesche, der dennoch mit dem Saisonverlauf äußerst zufrieden ist. Während die Pipinsrieder Social Media-Abteilung im Vorfeld der Begegnung mit kleinen Sticheleien die psychologische Kriegsführung begann, zollt Plesche den Innstädtern „höchsten Respekt“ und lobt die geleistete Arbeit des TSV in den letzten Jahren. Mit dem Selbstverständnis eines Topfavoriten stellt Plesche aber auch klar: „Wir fahren nach Wasserburg, um zu gewinnen“. Die Favoritenrolle wäre somit geklärt.

JAH