Seit Monaten Vollbeschäftigung

Arbeitslosenquote so gering wie in keinem Januar zuvor - Ab 55 nicht ganz so rosig

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Die Arbeitslosenzahl ist so niedrig wie zuletzt Anfang der 1980er Jahre in einem Monat Januar. Das meldet die Agentur Rosenheim am heutigen Donnerstagvormittag. Zudem melden die Betriebe weniger neu zu besetzende Stellen. Im Landkreis Rosenheim liegt die Arbeitslosenquote aktuell bei 2,7 Prozent – mit 0,1 Prozentpunkten noch ein wenig besser als im Januar 2018. Die Zahl der Arbeitslosen insgesamt für den Landkreis liegt bei 3.760.

Hier sind 2 529 Männer und Frauen bei der Hauptagentur in Rosenheim arbeitslos gemeldet, 593 mehr als im Vormonat Dezember. Das Jobcenter Landkreis Rosenheim kümmert sich um 1 231 arbeitslose SGB II-Kunden, 73 mehr als im Dezember. Insgesamt betreut das Jobcenter 3 295 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 2 600 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

„Die kälteren Temperaturen und der Schnee machen sich – wie um diese Jahreszeit üblich – auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Januar im ganzen Agenturbezirk um 1.400 auf 8.430 Personen angestiegen (Vergleichsmonat des Vorjahres: 8 990).

Viele Beschäftigte aus witterungsabhängigen Berufen haben schon vor Weihnachten eine Kündigung erhalten und sich nun bei uns arbeitslos gemeldet“, sagt Dr. Nicole Cujai, die Leiterin der Rosenheimer Arbeitsagentur. „Die Stimmung auf dem Arbeitsmarkt ist aber weiterhin gut: Viele Betriebe haben ihren saisonbedingt gekündigten Beschäftigten gleich eine Wiedereinstellungszusage gegeben, da sie ihre langjährigen, guten Mitarbeiter nicht verlieren wollen.“

Da in den typischen Bau- und Außenberufen überwiegend Männer arbeiten, ist die Arbeitslosenquote im Januar bei Männern höher als bei Frauen: Sie ist bei Männern im vergangenen Monat um 0,8 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent angestiegen (Zahl der arbeitslosen Männer insgesamt: 4 910), während sie bei den Frauen lediglich um 0,2 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent geklettert ist (Zahl der arbeitslosen Frauen insgesamt: 3 530). So hat sich die Arbeitslosenzahl in der Baubranche im Betrachtungszeitraum knapp auf 890 verdoppelt und im Bereich Land-, Forst-, Tierwirtschaft, Gartenbau kletterte die Anzahl der Betroffenen um 83 Prozent auf 350.

Cujai weiter: „Die Arbeitslosenquote liegt mit 2,8 Prozent (0,5 Prozentpunkte mehr als im Vormonat) um 0,2 Prozentpunkte unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Sie ist damit so gering wie in keinem Januar zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Wert unterschreitet im Agenturbezirk Rosenheim seit April 2018 die 3,0-Prozent-Marke, die landläufig der Definition von Vollbeschäftigung entspricht.“

Die Agenturleiterin sagt mit Blick auf die einzelnen Personengruppen: „Leider profitieren vor allem etwas ältere Menschen vergleichsweise wenig von der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt: Während bei den unter 25-Jährigen die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um 20,6 Prozent zurückgegangen ist und auch bei den Ausländern (-3,8 Prozent) und den Langzeitarbeitslosen (-7,6 Prozent) ein Minus zu verzeichnen war, ist die Arbeitslosigkeit bei den über 55-Jährigen im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent angestiegen. Diese Personengruppe macht inzwischen einen Anteil von 26 Prozent an den Arbeitslosen aus (Januar 2018: 24 Prozent)“, erklärt Cujai und fügt hinzu:

„Wir wollen Arbeitgeber verstärkt auf die Potenziale, Erfahrungen und Kompetenzen älterer Arbeitnehmer aufmerksam machen. Um sich unkompliziert kennenzulernen, gibt es beispielsweise die sogenannte Probearbeit. Wenn Arbeitslose eine neue Beschäftigung aufnehmen, kann unter bestimmten Voraussetzungen ein sogenannter Eingliederungszuschuss gezahlt werden, quasi eine finanzielle Unterstützung während der Einarbeitung,“ sagt die Agenturleiterin und an die Unternehmen gewandt: „Geben Sie den routinierten Arbeitskräften eine Chance und profitieren Sie und Ihre Mitarbeiter von deren Wissen und Erfahrung. Der Arbeitgeberservice berät Sie unter der kostenfreien Servicenummer 0800 4 5555 20.“

Die Agenturleiterin wirft einen Blick auf den Stellenmarkt:

„Die Unternehmen im Agenturbezirk Rosenheim, der Stadt und Landkreis Rosenheim sowie die Landkreise Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen umfasst, haben der Agentur für Arbeit Rosenheim im Januar 760 zu besetzende Stellen neu gemeldet, 220 weniger als im Vormonat und 140 weniger als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Insgesamt sind für den regionalen Arbeitsmarkt 4 840 zu besetzende Arbeitsplätze registriert (Vormonat: 5 160; Vergleichsmonat des Vorjahres: 4 420), 4 620 davon sind sozialversicherungspflichtig und 4 660 sofort zu besetzen. Gesucht werden vor allem Fachkräfte, die aber in einigen Bereichen schon rar sind“, sagt Cujai.

Die Agenturleiterin betont wie wichtig es für junge Menschen ist eine betriebliche Ausbildung zu machen und durch den Berufsabschluss als Fachkraft die Grundlage für eine gute berufliche Zukunft zu legen. Mit Blick auf den Ausbildungsmarkt sagt sie: „Aktuell sind bei der Agentur für Arbeit Rosenheim 2 000 Bewerber für Lehrstellen gemeldet, 260 weniger als vor einem Jahr. Dem gegenüber stehen 2 600 offene Ausbildungsstellen, 50 weniger als im Vergleichszeitraum des vorherigen Berichtsjahres.

Die meisten offenen Lehrstellen gibt es mit 390 in den Verkaufsberufen, wie Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer, Fachverkäufer Bäckerei- oder Fleischerei sowie in der Lebensmittelherstellung und -verarbeitung (220), für Fleischer und Köche, in den Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen (220), die auch den Industriemechaniker und den Kfz-Mechatroniker beinhalten, sowie in den Hotel- und Gaststättenberufen (200), in den Mechatronik-, Energie- und Elektroberufen (180) sowie für Industriekaufleute und Kaufleute Büromanagement (170) und in den Medizinischen Gesundheitsberufen, beispielsweise für Medizinische – und Zahnmedizinische Fachangestellte (170).“

Cujai weist auf die Unterstützungsmöglichkeiten der Agentur für Arbeit während der Ausbildung hin und nennt die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH), eine Art Nachhilfeunterricht für den Schulstoff während der Ausbildung, oder die Einstiegsqualifizierung (EQ). „Jugendliche können unter der kostenlosen Servicenummer 0800 4 5555 00 oder per E-Mail an Rosenheim.Berufsberatung@arbeitsagentur.de gleich einen Gesprächstermin mit einem Berufsberater ausmachen,“ sagt sie.

Der Arbeitsmarkt in den weiteren Regionen des Agenturbezirkes Rosenheim:

Ø  Für die Stadt Rosenheim errechnet sich eine Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent (Vormonat: 3,9; Januar 2018: 4,7 Prozent). Derzeit sind 1 504 Bürger ohne Arbeit. Bei den SGB III-Kunden, die durch die Agentur für Arbeit in Rosenheim betreut werden, erhöhte sich die Arbeitslosenzahl um 131 auf 796. Für 708 arbeitslose SGB II-Kunden, 23 mehr als im Dezember, ist das Jobcenter Rosenheim Stadt zuständig. Insgesamt betreut das Jobcenter 2 163 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 1 740 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

Ø  Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen weist im Januar mit 2,4 Prozent (Vormonat: 2,0; Januar 2018: 2,7 Prozent) die niedrigste Arbeitslosenquote im Agenturbezirk auf. Das entspricht 1 700 beschäftigungslosen Bürgern. Davon sind 1 216 Männer und Frauen, 327 mehr als vor einem Monat, bei der Agentur für Arbeit in Bad Tölz und Wolfratshausen gemeldet. 484 Betroffene, sieben mehr als im Dezember, sind beim Jobcenter Bad Tölz-Wolfratshausen arbeitslos registriert. Insgesamt betreut das Jobcenter 1 943 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 1 513 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

Ø  Im Landkreis Miesbach sind derzeit 1 469 Bürger als arbeitslos registriert, was einer Quote von 2,7 Prozent (Vormonat: 2,3; Januar 2018: 3,0 Prozent) entspricht. Davon sind 1 072 arbeitslose Männer und Frauen bei der Agentur für Arbeit in Holzkirchen gemeldet, 239 mehr als im Vormonat. Für die Betreuung der Arbeitslosengeld II – Empfänger nach dem SGB II ist der Landkreis Miesbach als “zugelassener kommunaler Träger” (optierende Kommune) zuständig. Beim Jobcenter sind 397 Arbeitslose gemeldet, sechs mehr als im Dezember. Insgesamt betreut das Jobcenter 1 058 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 836 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

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