Sechs Fragen an die Bewerber

Stiftung Attl: Wie denken die Bürgermeisterkandidat an Menschen mit Handicap?

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Mehr als 400 wahlberechtigte Bewohner leben in der Stiftung Attl, dazu kommen fast 1100 Angestellte, die in der Einrichtung, zu der auch die Inntal-Werkstätten, ein Förderzentrum sowie zwei Integrationshorte gehören, arbeiten. Die Stiftung schickte sechs Fragen an Michael Kölbl (SPD) sowie an seine Herausforderer Heike Maas (CSU) und Christian Stadler (Bündnis 90/Die Grünen). Sie wollte wissen: Wie stehen die drei Wasserburger Bürgermeisterkandidaten zu Inklusion von Menschen mit Behinderung und zu Barrierefreiheit?  Hier die Antworten:

1. Waren sie schon einmal in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, und wenn ja, in welcher?

Michael Kölbl, SPD: Ich war schon sehr oft in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und kenne natürlich die Stiftung Attl, den Betreuungshof Rottmoos, den Einrichtungsverbund Steinhöring und einige Einrichtungen mehr. Ich bin auch ehrenamtlich für Menschen mit Behinderung aktiv (siehe Frage 4).

Christian Stadler, Bündnis 90/Die Grünen: Ich war natürlich schon oft in Attel und komme durch meine Tätigkeit im Bauamt des Landratsamt Mühldorf auch regelmäßig in die dortigen Einrichtungen (z.B. Au am Inn, Stiftung Ecksberg, Ramsau, Malseneck). Beeindruckend finde ich dabei immer wieder die sehr engagierten Mitarbeiter, die hier nicht nur einen Job erledigen, sondern jederzeit ein sehr hohes Maß an Identifikation und einen sehr wertschätzenden Umgang mit ihren Bewohnern pflegen.

Heike Maas, CSU: Ich hatte im letzten Oktober viel Spaß an der Teilnahme an der Tour de Rolli und habe auch den Weihnachtsmarkt in Attl mit Dampfkartoffeln, Alpakas und der Eisenbahn in sehr schöner Erinnerung. Beim Attler Herbstfest, das durch die besondere fröhliche und herzliche Art ein ganz besonderer Ort ist, sind mein Mann und ich auch regelmäßige Besucher.

Nachdem ich mich pudelwohl gefühlt habe, werde ich immer wieder sehr gerne kommen!

 

2. Wie fördert und unterstützt die Stadt Wasserburg Menschen mit Behinderung?

Michael Kölbl, SPD: Die Stadt Wasserburg

·       hat den Wasserburg Pass eingeführt. Er gewährt bei Eintritten starke Ermäßigungen, z. B. beim Badria 50 Prozent.

·       hat 65 Wohnungen, die barrierefrei ausgebaut sind.

·       betreibt eine Wohnanlage (Stadler Garten), die speziell für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung gebaut wurde.

·       hat seit einigen Jahren einen Behindertenbeirat, der bei allen wichtigen Entscheidungen beteiligt wird.

·       hat durch den Grundstücksverkauf und die entsprechende Bauleitplanung das Schopperstatthaus der Stiftung Attl ermöglicht.

·       betreibt einen Fahr- und Hilfsdienst für Senioren und Menschen mit Behinderung. Dadurch wird Teilhabe ermöglicht.

·       bevorzugt bei Vermietungen Menschen mit Behinderung.

·       gewährt der Stiftung Attl für die Cafesito Bar und den Kinderhort günstige Mieten.

·       baut Straßen und Wege Stück für Stück barrierefrei um.

·       betreibt barrierefreie Behinderten-WCs.

·       hat die Mittelschule barrierefrei umgebaut und im Rathaus und der VHS einen Aufzug eingebaut.

Dies war jetzt nur ein Teil der Maßnahmen, mit denen die Stadt Wasserburg Menschen mit Behinderung fördert und unterstützt.

 

Christian Stadler, Bündnis 90/Die Grünen: Unter anderem durch

·       die Einrichtung eines Behindertenbeirates (wobei ich mir aus Sicht eines Stadtratsmitgliedes hier oft mehr Austausch wünschen würde)

·       die barrierefreie Umgestaltung städtischer Gebäude und des öffentlichen Raumes (wobei wir dieses oft gerne etwas schneller vorangetrieben sehen würden)

·       und beispielsweise auch per Beschluss auf unseren Grünen Antrag hin durch die inklusive Umgestaltung der städtischen Kinderspielplätze (wobei wir sehr bedauern, dass hier nach der Beschlussfassung noch nichts vorwärts gegangen ist).

Wir werden hier auch künftig als Grüne Fraktion weiterhin auf Umsetzung der bestehenden Beschlüsse und eine schnellere Umsetzung drängen

Heike Maas, CSU: Unser Wunsch ist es, dass die Stadt ein Zuhause für alle Menschen mit deren jeweiligen Bedürfnissen ist. Wir legen auch in Zukunft Wert auf die Zusammenarbeit mit dem Behindertenbeirat der Stadt Wasserburg. Weiteres Potential sehen wir in der Steigerung der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und hinsichtlich behindertengerechten Wohnraums.

 

3. Menschen mit Behinderung sind zum Großteil auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Auch Mitarbeiter und Auszubildende brauchen öffentliche Verkehrsmittel, um in die Arbeit zu gelangen. Können Sie sich eine erweiterte Anbindung Attels an Wasserburg Stadt durch öffentliche Verkehrsmittel vorstellen?

 

Michael Kölbl, SPD: Die verbesserte Anbindung Attels durch den Stadtbus ist bereits eine beschlossene Sache. Ab Februar 2022 soll es für Attel einen 2-Stunden-Takt geben. Eine weitere Taktverdichtung zu Stoßzeiten wird derzeit geprüft.

Christian Stadler, Bündnis 90/Die Grünen: Fest beschlossen ist bisher ein Halbstundentakt des Stadtbusses auf der bisherigen Stadtbuslinie sowie eine Anbindung der Stiftung Attel mindestens im Zwei-Stunden-Takt, wobei ein breiter Konsens im Stadtrat besteht, für Attel eine Anbindung im Stundentakt anzustreben. Aufgrund vertraglicher Bindungen sowie der erforderlichen Vergabeverfahren werden diese Verbesserungen jedoch erst in ca. 2 Jahren umsetzbar sein. Für elementar halte ich außerdem auch, dass auf den Bahnstrecken nach München und Rosenheim/Mühldorf baldmöglichst Züge zum Einsatz kommen, die ein barrierefreies Ein- und Aussteigen ermöglichen. Dies liegt zwar leider nicht im Zuständigkeitsbereich der Stadt, gemeinsam mit dem Fahrgastbeirat der Südostbayernbahn und dem Fahrgastverband ProBahn muss hier jedoch ein entsprechender Druck auf die Entscheidungsträger aufgebaut werden. Mittelfristig ist auch eine Neustrukturierung der P&R-Anlagen in Reitmehring in Planung. Hierbei sollte dann auch die Zahl der Stellplätze für Menschen mit Behinderung wieder deutlich erhöht werden. Die Entscheidung des Bauausschusses, diese zu reduzieren (auf den Antrag der CSU-Stadtratsfraktion hin, diese ganz abzuschaffen) halte ich nach wie vor für völlig falsch und nicht zeitgemäß.

Heike Maas, CSU: In Zukunft wird Attel vom Stadtbus im 2 Stundenrhythmus angefahren. Die Ausschreibungen laufen diesbezüglich.

 

Wie sehen Sie die Integrationseinrichtungen?

Michael Kölbl, SPD: Integrationseinrichtungen halte ich für sehr wichtig und notwendig, um gerade Menschen mit Behinderung mehr Teilhabe zu ermöglichen.

Ich bin auch selbst in diesem Bereich ehrenamtlich tätig. Seit ein paar Jahren nehme ich jedes Jahr eine Woche Urlaub, um Menschen mit Behinderung in ihrer Freizeit auf einem Segelschiff der Friedensflotte Bayern (mirno more) zu begleiten und zu betreuen. In diesem Jahr bin ich von 9. bis 16. Mai als ehrenamtlicher Betreuer und Co-Skipper auf dem Schiff der Stiftung Attl. Ich freue mich schon darauf.

Christian Stadler, Bündnis 90/Die Grünen: Grundsätzlich sind diese natürlich sehr wichtig, aber es müssen auch die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden (baulich, personell und strukturell), um dem Bedarf des Einzelnen gerecht zu werden.

Heike Maas, CSU: Nachdem wir direkt am Palmanopark arbeiten und wohnen, sind wir sozusagen ein Nachbar des Integrationshortes. Mit Blick auf den Spielplatz sehen wir die Kinder spielen und toben und auch die intensive Arbeit und Beschäftigung mit den Kindern.

 

5. Planen Sie in der kommenden Legislaturperiode Integrationsplätze in den städtischen Kindertageseinrichtungen?

 

Michael Kölbl, SPD: Die Stadt Wasserburg plant einzelne Integrationsplätze in ihren Kindertageseinrichtungen. Sie unterstützt und fördert Integrationsplätze im Hort der Stiftung Attl sowie in den integrativen Kindertagesstätten des Montessorie-Vereins und des Vereins Gänseblümchen.

Christian Stadler, Bündnis 90/Die Grünen: Wenn ein entsprechender Bedarf angemeldet wird, müssen die entsprechenden Ressourcen natürlich bereitgestellt werden.

Heike Maas, CSU: Unser Ziel ist eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung zur Unterstützung der Familien, bei der das Kindeswohl im Mittelpunkt steht. Dies umfasst selbstverständlich auch den Integrationsbereich.

 

6. Wie sehr sehen Sie die Stadt Wasserburg in der Pflicht, den Integrationshort zu unterstützen?

Michael Kölbl, SPD: Die Stadt Wasserburg unterstützt gerne den Integrationshort der Stiftung Attl, in dem sie, über die gesetzliche Förderung hinaus, das Gebäude, in dem er untergebracht ist, zu einer günstigen Miete überlässt. Darüber hinaus gewährt die Stadt Wasserburg (anders als die meisten anderen Gemeinden), einen Defizitausgleich, der noch zusätzlich von der günstigen Miete abgezogen wird.

Christian Stadler, Bündnis 90/Die Grünen: Absolut. Schon nach dem Subsidiaritätsprinzip ist die Stadt m.E. ohnehin zur Unterstützung verpflichtet.

Heike Maas, CSU: Wir wertschätzen die Leistung der Integrationseinrichtungen. Wie auch in der Vergangenheit wird die Stadt Wasserburg den Integrationshort unterstützen.

BS

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Ein Kommentar zu “Sechs Fragen an die Bewerber

  1. Sehr geehrter Herr Kölbl,

    Ich möchte Ihnen sehr zur Entscheidung gratulieren, nicht weiter wie bisher Kinder mit Integrationsbedarf in den städtischen Einrichtungen zu diskriminieren.

    Das Aussortieren der jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft die besonderer Förderung bedürfen, ist nicht nur pädagogisch absolut überholt, sondern auch aus gesamtgesellschaftlicher Sicht ein falsches Signal. Leider mussten wir selbst erleben, dass der Altstadtkindergarten selbst Kindern, die sich bereits in der Einrichtung befinden, wegen geringem Förderbedarfs keinen Platz mehr für das Folgejahr zur Verfügung stellt.

    Ein Kind, das eine Sprachentwicklungsverzögerung aufweist, an einer Allergie leidet oder einfach nur ein Hörgerät benötigt, ist dort schon nicht mehr erwünscht.
    Wie Ihnen bekannt ist, in mehreren Fällen.

    Insofern freue ich mich sehr, dass sich die Stadt Wasserburg nun dazu entschieden hat, sich am gesellschaftlichen Auftrag zur Integration in Kindertageseinrichtungen zu beteiligen und damit auch dem Rechtsanspruch der Kinder auf Teilhabe ein Stück näher kommt.

    Dies kann immer nur ein Gewinn für alle Beteiligten sein und sogar ein Baustein in der Bekämpfung des eklatanten Personalmangels auch in den städtischen Einrichtungen darstellen, zumal eine vollständige Refinanzierung von Integrationsplätzen durch den Bezirk stattfindet.

    Eine Stadt, die mit einer hervorragenden Haushaltslage wirbt, sollte nicht nur quantitativen, sondern vor allem auch qualitativen Ausbau der Kinderbetreuung initiieren.

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