Schwerer Bergunfall gestern

Dringender Appell der Rettungskräfte: Bitte aktuell sich anders beschäftigen, als auf Berge zu kraxeln

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Am gestrigen Mittwoch ist ein 38-Jähriger aus Grassau von Staudach aus auf einen unter Einheimischen bekannten Aussichtspunkt in der Nähe der Staudacher Vorderalm gegangen. Auf diesen Punkt auf 1216 m Höhe führt ein schmaler und sehr steiler Waldsteig. Kurz vor dem höchsten Punkt rutschte der Mann auf dem schneeglatten und schmalen Steig aus und stürzte etwa 30 Meter über senkrechtes Fels- und Steilwaldgelände ab. Er blieb schwer verletzt liegen – konnte aber glücklicherweise noch selbst einen Notruf abgeben.

Die Bergwacht musste unter hochalpinen Bedingungen und mit hoher Eigengefährdung Seilgeländer spannen, um an den Unfallort zu gelangen und den Mann versorgen zu können.

Der Rettungshubschrauber Christoph 14 konnte den Mann mit dem Bergetau ebenfalls unter schwierigen Flugbedingungen bergen und anschließend ins Krankenhaus Traunstein transportieren.

Um diesen Einsatz durchführen zu können, waren mindestens zehn Mann der Bergwachten Grassau und Marquartstein notwendig sowie die Besatzung des Rettungshubschraubers.

Die Einhaltung des in Coronazeiten notwendigen Abstands unter den Einsatzkräften ist in einem solchen Einsatz schon rein praktisch gar nicht möglich, daher gingen die Bergwachtmänner zusätzlich zu den alpinen Gefahren noch ein erhebliches gesundheitliches Risiko ein.

In diesem Zusammenhang wird nochmals dringend darauf hingewiesen und gebeten, solange der Corona-Katastrophenfall läuft, von jeglichen Bergtouren und Wanderungen in schwierigem Gelände abzusehen – es gibt sicherlich auch genug Möglichkeiten, sich im Freiwilligendienst bei der Bewältigung der Krise zu betätigen, anstatt auf Berge zu kraxeln und dabei die Einsatzfähigkeit der Rettungsdienste zu gefährden.

Foto: BRK

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15 Kommentare zu “Schwerer Bergunfall gestern

  1. Das ist genau das Szenario, weswegen man halt jetzt grade NICHT in die Berge gehen soll…..
    Scheinbar muss das von oben her verboten werden…an die Vernunft appelieren, bringt scheinbar nichts…
    Danke an die Bergretter…

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  2. Einfach unverantwortlich! Solche Mitmenschen sollten grundsätzlich die vollständigen Einsatzkosten PLUS ein vorstrafenrelevantes Bußgeld bezahlen müssen!

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  3. Natürlich hat sich der Bergwanderer vor dem Hintergrund der aktuellen Situation unvernünftig und vor allem unsolidarisch verhalten. Das ist wirklich ärgerlich.

    Richtig gruselig finde ich aber die Neigung zum Totalitären, die sich dieser Tage in einer Vielzahl von Kommentaren zu den diversen Berichten rund um das Thema Corona offenbart.

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    1. Ich würde ihm jetzt auch nicht vorwerfen wollen, gegen die Ausg.beschränkungen verstoßen zu haben, er ist ja da daheim, sondern eher, dass er sich und die Bergwachlter wissentlich in Gefahr bringt.
      Grundsätzlich geb ich dir aber schon recht, dass man, gerade jetzt, aufpassen muss, was die “da oben” so für Gesetze beschließen – unseren Freunden von der CSU trau ich da keinen Meter.

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    2. Danke, Gwendolyn! Das fällt mir auch zunehmend auf. Dieses Fordern von “saftigen” Strafen etc. Das wird schon die Polizei erledigen.

      Wir sollten Mitbürger, die sich anders verhalten, nicht verurteilen und abstrafen. Da ist leider der Weg zur Blockwart-Mentalität nicht mehr weit.

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  4. Dass Rettungskräfte unnötigerweise der Gefahr einer Ansteckung ausgesetzt wurden, meinte ich mit unsolidarisch.

    Sowohl gegenüber den betreffenden Einsatzkräften als auch der Gesellschaft.

    Mit den aktuellen Regelungen bleibt die bayerische Regierungspartei aber ja deutlich hinter den Forderungen/Meinungen zurück …

    Nachhaltig schockiert hat mich in diesem Zusammenhang das empörte Unverständnis einer Pflegekraft, Senioren das Verlassen ihrer Wohnung nicht zu untersagen. Vor diesem Hintergrund wirkt die CSU beinahe schon gemäßigt – das ist wirklich gruselig!

    Kommentar v.d. Red. gekürzt.

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  5. @ ratzfatz, Gwendolyn, Rosa L.
    Im Prinzip habt ihr Recht.
    Aber es gibt halt eben auch Personen mit wenig, bis gar keinem Hausverstand, die das persönliche Wohl über jenes der Gemeinschaft stellen, oder die Zusammenhänge einfach nicht verstehen.
    Und die gehen dann fleißig in die Berge, machen Radausflüge, usw.
    Bei so einem schönen Wetter kann man ja auch nicht Zuhause rumsitzen…

    Das ist aber nicht der Sinn der Ausgangsbeschränkungen und führt in letzter Konsequenz zu einer Ausgangssperre, wie in Italien.

    Was ist dann schlimmer?

    Und diejenigen die die Gemeinschaft gefährden handeln nicht unsolidarisch sondern fahrlässig und kriminell.

    MfG

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    1. Genau darum geht es mir. Sie bezeichnen das Verhalten des Bergwanderers als kriminell. Harte Aussage.
      Vor Corona gab es ja viele Debatten um ein Tempolimit auf den deutschen Autobahnen. 130 km/h gilt ca. 50% der Bevölkerung sowie zahlreichen Verkehrsexperten und Unfallforschern als sinnvoll und vernünftig um die Zahl schwerer Verkehrsunfälle mit Verletzten und Toten zu minimieren. Gleichwohl haben wir das Tempolimit bis heute nicht – gilt es doch als massiver Einschnitt in die persönliche Freiheit der Bürger. Ein Autofahrer, der mit 200km/h persönlich und frei über die Autobahn brettert ist dort meist auch nicht alleine, sondern Teil der Gemeinschaft. Er verhält sich jedoch nicht weniger verantwortungslos und unsolidarisch als der Bergwanderer in Zeiten von Corona. Würden Sie ihn auch als kriminell bezeichnen ?

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      1. Danke für das Beispiel mit dem Tempolimit! Sie haben recht.

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    2. Radausflüge darf man ja auch machen und sollte man sogar, weil Radfahren ebenso wie Spazierengehen das Immunsystem stärkt und dem Lagerkoller vorbeugt. Natürlich alleine bzw. mit im gleichen Hausstand lebenden Personen und selbstverständlich sollte man von Mountainbiketouren in den Bergen und anderen riskanteren Unternehmungen Abstand nehmen. Aber Radltouren an sich sind eben nicht verboten.
      Ansonsten: volle Zustimmung für Gwendolyn!

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  6. … wenn man diesen Verursacher des Unfalls am liebsten bestraft sehen wollte..man darf bei der ganzen Sache nicht vergessen, das im Haushalt die meisten Unfälle passieren..

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    1. ja und derzeit sogar noch garniert mit stark ansteigenden Gewalttaten (gegen Frauen und Kinder) oder Depressionen

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  7. @ Gwendolyn

    „ Würden Sie ihn auch als kriminell bezeichnen ?“

    Ja. Eindeutig.

    Rechtlich zwar nicht, aber auf sein soziales Verhalten bezogen schon.

    P.s. persönlich bin ich auch für die durchgehende Einführung eines Tempolimits, weil es a) Leben rettet, b) die Umwelt schont und c) Staus reduziert. Es gibt keinen objektiven Grund warum man dies nicht einführen sollte, außer das Einschneiden der persönlicher Freiheit einiger weniger.
    Aber Tempolimit ist hier nicht das Thema.

    Es geht darum sich selbst für einen bestimmten Zeitraum einzuschränken, zum Wohle der Allgemeinheit.

    Aber wenn dieser Gedanke bei einigen wenigen nicht durchdringt ist die Politik leider unter Zugzwang schärfere Maßnahmen einzuleiten und weitere Beschränkungen in die Wege zu leiten. Das hat mit „Neigung zum Totalitären“ nichts zu tun. Die Gesellschaft ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Und wenn das eben uneinsichtige Egoisten sind, dann ist das eben so. Aber verteidigen würde ich solche Personen nicht unbedingt.
    Ich für mich reduziere mein soziales Leben maximal und versuche so wenig wie möglich nach draussen zu gehen. Nicht weil ich zur Risikogruppe gehöre, sondern weil ich nicht für die Verbreitung des Virus verantwortlich sein möchte.

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  8. Stimme ‘geht’s noch’ voll zu.

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  9. Ich kann nur hoffen, dass all jene, die einfache Bergwanderung untersagen wollen, nicht mit dem Fahrrad unterwegs sind. Radfahren ist nämlich um ein Vielfaches gefährlicher.

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