„Schaff i des aa?“

Selbstversuch: Eine Stunde Wiesnbedienung auf dem Frühlingsfest

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Hendl, Schweinsbron, Kasspotzn, Brotzeitplattn, Helles, Radler, Wasser, Apfelschorle. 8,80 Euro, 2,90 Euro, 9, 60 Euro. 25 Kilo Maßkrüge in den Händen, ein Essenstablett auf den Schultern. Das Frühlingsfest verlangt dem Bedienungspersonal einiges ab – an Kraft, Ausdauer und auch an Köpfchen. I hob mi gfrogt: „Schaff i des aa?“ und war am Wochenende für eine Stunde Wiesnbedienung aufm Frühlingsfest. Ein Selbstversuch von Magdalena Pfitzmaier …

Pfingstsonntag um hoibe Simme. Das Festzelt füllt sich mit Gästen, die sich auf eine Maß Bier und was zu essen freuen. Die Bedienungen laufen mit zwölf vollen Maßkrügen durchs Zelt laufen als wär’s nix und mich packt der Ehrgeiz: ,,Schaff i des aa?“ Mit Bedienen hab ich ja grundsätzlich überhaupt nix am Hut. Früher hier und da Mal bei einem Landjugendfestl Geschirr von den Tischen zur Spüle getragen, aber das war’s dann auch mit meiner einschlägigen Berufserfahrung im Lebenslauf. Zum Glück muss ich mich heute nicht bewerben. Die Schwestern Conny (rechts), seit 20 Jahren Bedienung auf der Wiesn, und Babsi (links), seit 14 Jahren dabei, nehmen mich auch so für eine Stunde in ihr ,,Team Emser“ auf.

Wir sind für die Boxen im hinteren Teil des Zeltes zuständig. Zwei Dutzend Tische und noch sind nicht alle voll besetzt. ,,Machbar“, denk ich mir. Ich laufe Conny hinterher zu einem Tisch mit acht durstigen Männern. ,,Fünf Bier und drei Radler!“ Conny schreibt’s auf und zwickt mir mit einem Glubbal den Zettel ans Dekolleté, damit ich’s nicht vergesse.

Dann drückt sie mir noch acht grüne Plastikchips in die Hand. ,,Mit dene gehst iaz zum Ausschank und legst’as auf den Holzkasten, damit de do vorn wissen, wie vui dass ausschenga miasn und dann bringst de Maßn an den Disch her.“ Eifrig und glücklich über meine erste Aufgabe im Amt gehe ich zielstrebig und beschwingt zum besagten Ausschank und gebe die grünen Chips ab. Die Schankkellner stellen die acht vollen Krüge in Windeseile auf den Tresen und dann kimmt’s ma erst. ,,Wie soi i bitte mit meine zarten Ärmchen acht volle Maß Bier drong?“ Ein leerer Krug wiegt schon mehr als einen Kilo und dann kommt noch der Liter Bier dazu. ,,Links vier Krüge, rechts vier Krüge, das wären dann gute Acht Kilo pro Hand“, rechnet’s in meinem Kopf. ,,Machbar“, denk ich mir wieder. ,,Pfiffkas“, merke ich zehn Sekunden später als ich versuche, die Krüge hochzuheben.

Zum Glück ist Babsi auch gerade am Ausschank und erkennt die Verzweiflung in meinem Gesicht. Sie nimmt mir drei Krüge ab und ordnet die restlichen fünf ringförmig nebeneinander an. Die Henkel nach innen. ,,So, iaz miassad’s geh. Nimm de fünfe Moi in d’rechte Hand und dann hebst de Griag mit da linken Hand nommoi fest. Und ziag’s nah zum Körper her, dann duast di leichter.“ Und siehe da, es funktioniert. Jetzt liegt nur noch der Weg zum Tisch am anderen Ende des Zeltes zwischen mir und meinem ersten Erfolg als Wiesn-Bedienung. Die Oberarme zittern schon langsam, aber das Bier kommt ohne herbe Verluste bei den Gästen an.

Jetzt geht’s ans Kassieren. ,,Drei ham a Markerl, de duasd do eine. Do kimmt dann aber no s’Trinkgaid dazua, des kimmt do eine und der zoid zwoa Radler und a Maß, des zai ma dann zam“, erklärt mir Conny. Ich steh da mit dem tausendfächrigen Geldbeutel in der Hand und hab den Anfang von dem, was sie gesagt hat, schon wieder vergessen. Immerhin hab ich die Biermarkerl richtig einsortiert. Den Rest überlasse ich beschämt grinsend wieder der Conny. Sie lächelt verständnisvoll zurück, nimmt den Geldbeutel und kassiert an dem Tisch fertig ab.

So geht’s erstmal weiter. Conny nimmt Bestellungen auf und ich hole die Maßen am Ausschank, mit dem Unterschied, dass jetzt auf einmal vier verschiedene Tische was bestellen. ,,Zwoa Bier, drei Radler und a Wossa“. Fünf grüne Chips und ein orangefarbenes für die alkoholfreien Getränke hab ich in meinen Händen, als ich vorm Ausschank stehe, aber keinen Merkzettel am Dekolleté-Glubbal. ,,Warn’s iaz drei Bier oder drei Radler? I woaß nimma“, sag ich laut vor mich hin. ,,Nimm einfach irgendwos, de bringst scho weida“, meint Babsi, die gerade hinter mir steht, immer ein Lächeln im Gesicht. ,,Der Kontakt mit de Leid, de ganze Atmosphäre do herin, i mog des einfach“, sagt die gebürtige Griesstätterin, die mit ihrer Schwester Conny neben dem Wasserburger Frühlingsfest auch in Rosenheim und München bedient.

Aber wie überall gibt’s auch bei diesem Job weniger schönen Seiten. ,,Wenn du de ganze Zeit freindlich bist und dann manche Leid s’Mei ned aufgriang. Do kannt i mi furchtbar aufreng“, sagt Conny. ,,Es werd hoid aa oft grafft. Es gibt immer oa, de si dann nimma kennan. Des is aa schomoi so weit ganga, dass si oa d’Schädl eigschlong ham“, hat Babsi schon erlebt. ,,Es gibt überoi Soichane und Soichane, aber de meisten san oiwei nett und freindlich. Und dass ma moi oan übern Durst trinkt, ghead hoi aa dazua.“

Durst krieg ich auch langsam und darf mir vom Fass einen Schluck Bier abzapfen. Hahn aufdrehen, Bier laufen lassen, Häng zudrehen. So hab ich mir das vorgestellt, heb den Krug hin und hab eine Schaummaß in der Hand. Der Krug muss da in einem bestimmten Winkel hingehalten werden, der Hahn muss komplett aufgedreht und der Krug mit dem steigenden Bierstand weiter nach unten bewegt werden. Wenn das Bier eine gewisse Markierung erreicht, schnell wieder zudrehen. So hat man mir das dann erklärt. Eine Kunst für sich, dieses Biereinschenken.

Frisch gestärkt darf ich jetzt ein Tablett mit Essen durchs Zelt tragen und servieren. Drei Spareribs und einen Schweinsbraten. Irmi, eine Kollegin der Emser-Schwestern, hilft mir, das Tablett auf meine Schulter zu stellen. Soweit, so gut. Aber dann wird’s schwierig. Mit dem Essen auf den Schultern bin ich nur um wenige Zentimeter schmäler als der Eingang zu den Boxen. Ich muss mich langsam durchfädeln. ,,Bass auf, dass du des Tablett grod hoidsts, sunst rinnt d’Soß von de Teller oba. Des soiad ned bassiern“, ruft mir die Irmi zu.

Heil am Tisch angekommen verkauf ich vor lauter Hektik erstmal Spareribs als Schweinshaxen. Die jungen Männer weisen mich dann lachend darauf hin, dass ich mich da ein bisschen geirrt habe. ,,Duad ma Leid, i mach des heid s’erste Moi“, sag ich, nicht das einzige Mal in dieser einen Stunde.

Und die ist jetzt vorbei. Erleichtert und auch ein bisschen stolz setz ich mich erstmal hin und schnauf durch. Was ich gelernt habe:

1. Sei immer freundlich zum Wiesn-Personal, denn die haben einen knallharten Job

2. Spareribs sind nicht dasselbe wie Schweinshaxen

3. Ich muss unbedingt meinen Bizeps trainieren!

 

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