Riesenandrang beim Infoabend „Wasser“

Edling: Zum geplanten Brunnen über Sorgen und Befürchtungen der Bürger diskutiert

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So voll war das Krippnerhaus in Edling wohl noch nie – jedenfalls nicht bei einer Infoveranstaltung oder Bürgerversammlung: Es ging am gestrigen Abend um das Thema Wasser – das Edlinger Trinkwasser – und die Pläne der Firma Meggle zum Bau eines neuen Brunnens nahe Dirnhart (wir berichteten). Das Podium war hochkarätig besetzt und nicht nur Klaus Sandfort, der Geologe des Wasserwirtschaftsamtes, sagte, er sei überwältigt von dem enormen Interesse der Bevölkerung.

Fotos: Renate Drax

Die kam nicht nur aus Edling, sondern auch aus den umliegenden Gemeinden wie Pfaffing und Ramerberg! Um es vorweg zu nehmen: Trotz der Brisanz der Thematik rund um den „Lebensschatz“ Trinkwasser, blieb die Diskussion in Edling betont sachlich.

Auch Edlings Bürgermeister Matthias Schnetzer staunte nicht schlecht. Auch er hatte nicht in diesem Ausmaß mit dem Bürger-Andrang gerechnet. Selbst die Stehplätze im voll besetzten Saal schienen auszugehen.

Im Vorfeld hatte sich in Edling eigens ein neuer Verein gegründet – die Interessengemeinschaft Edlinger Wasser mit Jürgen Reischenbeck an der Spitze (wir berichteten).

Den Fragen der Bevölkerung stellten sich am gestrigen Abend von der Firma Meggle Dr. Franz Mayer, Mitglied der Geschäftsführung, sowie Werkleiter Herbert Fußstetter, selbst Edlinger. Klaus Sandfort, Geologe des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim und sein Kollege Michael Holzmann,
Claudia Schweinöster vom Landratsamt Rosenheim – Abteilung Wasserrecht – sowie
Barbara Sperling, Geologin des mit einem Gutachten beauftragten Ingenieurbüros der IGwU, waren ebenso auf dem Podium vertreten.

Unser Foto zeigt am Podium von links: Claudia Schweinsöster (Landratsamt), Dr. Franz Mayer (Geschäftsführung Firma Meggle), Herbert Fußstetter (Werkleiter Firma Meggle), Barbara Sperling (Geologin des Büros IGwU) sowie Klaus Sandfort und Michael Holzmann (beide Wasserwirtschaftsamt).

Zur Einführung wurden vom Werkleiter der Firma Meggle, Herbert Fußstetter (Foto), Informationen zum Wasserbedarf der Molkerei Meggle präsentiert. Es ging um die Qualität, Verwendung und die Sicherheitsaspekte eines Lebensmittelherstellers.

Fußstetter betonte dabei, dass die Firma Meggle definitiv keine Mehrentnahme in Bezug auf die aktuelle Wassermenge plane. Das bedeute, man sei viel mehr bestrebt, Wasser künftig einzusparen, so der Werkleiter. Auch sei nicht geplant – so wie es Nestle mache – in Zukunft Mineralwasser anzubieten.

Bürgermeister Schnetzer wies darauf hin, dass das mögliche Entwicklungsgebiet der Gemeinde Edling (südlich der derzeitigen Bebauung) möglichst nicht beeinträchtigt werden dürfe.

Auch an den Status der Firma Meggle als öffentlicher Versorger für Reitmehring Süd und Viehhausen wurde von Bürgermeister Schnetzer erinnert.

Dieser schickte der Debatte voraus, dass es an diesem Abend lediglich um die Information und die Fragen dazu gehe – es werde und es könne noch keine Lösung zum Projekt Wasserversorgung der Firma Meggle präsentiert werden! Es sei noch völlig offen, welchen Weg die Firma Meggle gehen werde …

Neben der Situation am aktuellen Brunnenstandort wurde auch der chronologische Ablauf, der Informationsfluss an Behörden und die Gemeinde Edling sowie der Projektstand am Untersuchungsstandort kurz dargelegt.

Einem gut informierten Publikum saßen die Fachleute in Edling gegenüber: Das wurde bei den Fragen deutlich. Und auch, dass man sich große Sorgen macht im Raum Edling um das Trinkwasser – vor allem um das Trinkwasser für die künftigen Generationen – den Klimawandel und seine unschönen Folgen dabei fest im Blick. Immerhin benötige die Firma Meggle schon jetzt das Fünffache an Wassermenge im Vergleich zur Gemeinde Edling. Deshalb gab es die besorgte Frage: Sitzt Edling über kurz oder lang auf dem Trockenen?

Aus dem Publikum kam der Appell, einen kühlen Kopf zu bewahren, beim Thema Wasser genau nachzudenken – denn es sei nicht nur vom Gefühl her schon so, dass die Pegelstände der Seen und Bäche seit Jahren zurückgingen. Tom Bacher wurde da in seiner Meinung von Vielen im Saal bestätigt.

Nach einer Kontrolle der entnommenen Wassermengen erkundigte sich Martin Mayer. Pfaffings Zweiter Bürgermeister, Tobias Forstner, wollte ganz grundsätzlich wissen, warum man den Brunnen überhaupt verlagern wolle – und er bat darum, auch die Nachbargemeinde Pfaffing im Informationsfluss nicht außen vor zu lassen.

Werkleiter Fußstetter erklärte dazu, es gehe bei der Verlegung um die Qualität des Wassers. Offen sei, ob man nicht die Entnahme splitten werde.

Beruhigende Worte kamen ganz grundsätzlich da vom Podium: Edling sei in einer absolut glücklichen Lage, man säße quasi auf einer riesigen Wassermenge – dem Edlinger Delta. Es werde zudem stets geprüft, ob für alle genügend Wasser da sei. Die Firma Meggle könne nur das nehmen, was übrig bleibe, so der Geologe des Wasserwirtschaftsamtes.

Ein großes Thema waren gestern die Fragen vor allem auch rund um das bestehende und das künftige Schutzgebiet, das ja deshalb ausgewiesen wird, um eine Top-Wasserqualität zu sichern: Als Lebensmittelhersteller braucht die Firma Meggle etwa 40 Prozent der Wassermenge in bester Trinkwasser-Qualität.

Auf die Frage, ob es in einem neuen Schutzgebiet Bauvorhaben geben dürfe, kam die klare Antwort: Nein.

Das bestehende Edlinger Wasserschutzgebiet (mit älterer Bebauung) sei nun aber sozusagen unnütz, wie sich herausgestellt hatte – es soll abgeschafft werden und die für die bislang betroffenen Bürger so quälenden, nun unnötigen Auflagen in diesem Gebiet möchte das Landratsamt streichen, wie die Vertreterin am Podium zusagte. Der Grund: Das Wasser fließe aus einer ganz anderen Richtung, als gedacht.

Ihre Sorgen und Bedenken legten die Bürger im Edlinger Krippnerhaus offen und zahlreich dar. Viele forderten am Mikro ein zweites Gutachten als Zweitmeinung, so wie man es auch in Krankheitsfällen einhole. Klaus Weiß aus Edling erinnerte daran, dass die Firma Meggle der wichtigste Arbeitgeber sei und es außer Frage stehe, die Firma in jede Richtung zu unterstützen – auch er stellte in Bezug auf das Gutachten Fragen.

Klaus Sandfort, der Geologe des Wasserwirtschaftsmtes, wiederum fand, das vorliegende Gutachten sei absolut plausibel. Bernhard Golla aus Edling fragte konkret nach einem „Plan B“ der Firma Meggle, worauf der Werkleiter betonte, dass genau das in naher Zukunft an Überlegungen jetzt anstünde. Hier und heute könne er darüber noch nichts sagen.

Aber auch die Frage tauchte auf, warum die Firma Meggle nicht das Wasser aus dem Inn beziehe und überhaupt, warum denn Edling und nicht Wasserburg, wo doch der Standort der Firma mit Reitmehring im Stadtgebiet Wasserburg sei? Auch die Möglichkeit, Wasser selbst in Trinkwasser-Qualität vor Ort in der Firma aufzubereiten, wurde dem Meggle-Werkleiter als Alternative vorgeschlagen.

Das alles seien Punkte, die nun genau analysiert würden, so Fußstetter. was aber Zeit in Anspruch nehme.

Die Geologin des Ingenieurbüros, Barbara Sperling (Foto), hatte zuvor ausführlich die seit längerer Zeit laufende Standortsuche und die vorliegenden Ergebnisse des hydrogeologischen Gutachtens sowie des numerischen Grundwassermodells des Standorts Edling dargelegt. Die Bürger wurden hier detailliert über die Grundlagen der Erstellung eines Grundwassermodells, als auch über die Einzelergebnisse der Projektschritte und die Prüfschritte der Plausibilisierung des Gesamtmodells informiert.

Sie stellte Simulationen vor, bei denen unterschiedliche Entnahmeszenarien an den Brunnenstandorten berechnet wurden.  Dabei wurden jeweils auch die Auswirkungen auf die Brunnen der Gemeinde Edling aufgezeigt. In die Darstellung einbezogen wurden ebenfalls die Aufzeichnungen der Datenlogger der verschiedenen Messstellen. Mit Hilfe dieser Langzeitaufzeichnungen konnte die Wasserstandsentwicklung über einen längeren Zeitraum sowie die Reaktion auf die mit einbezogenen Niederschlagsmengen, ebenfalls in graphischer Darstellung dargelegt werden.

Immer wieder wurde am gestrigen Abend festgestellt, dass durch die Ergebnisse des Grundwassermodells nun weitere Untersuchungsrouten – und Alternativen – seitens der Molkerei Meggle verfolgt werden, deren Ausarbeitung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Dabei sollen sowohl das Wasserwirtschaftsamt, als auch das Landratsamt Rosenheim mit seiner Abteilung Wasserrecht und die Gemeinde Edling kontinuierlich mit einbezogen werden.   

Edlings Rathauschef Matthias Schnetzer zeigte sich am Ende der Bürgerversammlung noch einmal überwältigt von dem großen Interesse – er freue sich „narrisch“ darüber – und er versprach, die Bürger stets zu den aktuellen Sachständen über die Gemeinderäte ausführlich zu informieren. Die Edlinger Wasserversorgung dürfe zu keinem Zeitpunkt gefährdet sein, so Schnetzer. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit der Firma Meggle. Es sei sicher nicht die letzte Veranstaltung zu diesem Thema gewesen …

Renate Drax

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3 Gedanken zu „Riesenandrang beim Infoabend „Wasser“

  1. ein besorgter Bürger

    War eine echt gute Veranstaltung. Viele Bürger haben erkannt, dass es wirklich wichtig ist, unseren Sorgen Ausdruck zu verleihen.

    Schade finde ich nur, dass ein Großteil der von uns gewählten Vertreter die Sorgen scheinbar nicht teilt und ihrem Auftrag, das Volk zu vertreten nicht nachkommen, sondern nur abwartend daneben sitzen.

    Ich denke, das Thema Wasser geht uns alle an, ob Jung oder Alt, Schwarz oder Weiß, parteilos oder einer Partei angehörend.

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    1. Der ein oder andere Politiker sieht die Politik halt nur als Sprungbrett, um später als Aufsichtsrat o.ä. in der freien Wirtschaft zu landen, da will man sich natürlich nicht die Zukunft verbauen.

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  2. Es sind gestern wirklich gute und interessante Fragen gestellt worden, Kompliment an alle besorgten Bürger.

    Doch leider sind einige wichtige Fragen nicht oder so an den Fragen vorbei beantwortet worden, dass es umsonst war.

    Trotzdem war es eine sehr interessante und gute Information für alle Besucher.
    Es freut mich auch, dass aus Pfaffing, Ramerberg und Attel Besucher anwesend waren und kritisch hinterfragt haben.

    @ Wasserburger Stimme: Danke für die ausführliche Berichterstattung.

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